Kaufhäuser

Galeria-Vermieter vor dem Nichts: Warum Kaufhäuser nicht zu Ruinen werden dürfen

Galeria kann Mietverträge kündigen. Vermietern drohen Leerstand und teure Umbauten. Bibliotheken und Wohnungen könnten die Häuser retten. Ein Kommentar.

Katharina Erschov
Katharina Erschov
4 Min
Die Galeria-Insolvenz trifft Vermieter. Für viele der riesigen Kaufhausimmobilien gibt es kaum noch Interessenten.

Die Galeria-Insolvenz trifft Vermieter. Für viele der riesigen Kaufhausimmobilien gibt es kaum noch Interessenten.

© Davide Elias/IPA Photo/imago

Galeria ist insolvent. Zum vierten Mal in sechs Jahren. Galeria, Karstadt, Kaufhof – die großen deutschen Warenhäuser sterben seit Jahren einen langsamen Tod. Jetzt könnte der Niedergang auch zahlreiche Eigentümer der Kaufhausimmobilien in finanzielle Schwierigkeiten bringen.

Wie eine Handelsblatt-Recherche zeigt, wurden sämtliche Galeria-Standorte auf ihre Wirtschaftlichkeit untersucht. Noch in dieser Woche sollen die Vermieter Schreiben erhalten, aus denen hervorgeht, ob ihre Immobilien weiterhin für den Warenhausbetrieb infrage kommen. Dem Bericht zufolge geht es in den anschließenden Verhandlungen diesmal weniger darum, die Mieten zu senken. Vielmehr sollen die Verkaufsflächen drastisch schrumpfen.

Für die Vermieter bedeutet das eine schwierige Entscheidung. Stimmen sie einer Verkleinerung zu, müssen sie möglicherweise erhebliche Summen investieren, um die frei werdenden Flächen für andere Nutzer herzurichten. Lehnen sie ab, riskieren sie den vollständigen Verlust ihres teilweise einzigen Mieters.

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Zwanzig Eigentümer von Galeria-Filialen hätten bei einem Immobilienentwickler, der sich unter anderem auf den Erwerb und die Umnutzung ehemaliger Warenhäuser spezialisiert hat, angerufen, um ihre Immobilie anzubieten, heißt es in dem Artikel. Die Verzweiflung sei unter den Vermietern groß: „Wenn ihnen Galeria den Mietvertrag kündigt, stehen viele erst mal vor dem Nichts“, heißt es.

Kaufhäuser haben ihre einstige Funktion verloren

Das eigentliche Problem ist die Bauweise der riesigen Kaufhausgebäude. Sie wurden für einen einzigen großen Einzelhandelsbetrieb konzipiert und lassen sich nicht ohne Weiteres in kleinere Einheiten aufteilen.

Wer aus diesen Verkaufsflächen Wohnungen oder Büros machen will, muss Tageslicht und Belüftung gewährleisten, Grundrisse verändern, technische Anlagen erneuern. Das ist baulich häufig möglich, es hat jedoch seinen Preis.

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So stehen sie in unseren Innenstädten: die Kolosse von gestern, einst Symbole des Wohlstands, heute ein wirtschaftliches Risiko. Spätestens mit dem Aufstieg des Onlinehandels ist ihr Geschäftsmodell immer stärker unter Druck geraten.

Wer ins Kaufhaus geht – oder man sollte besser sagen, ging – wollte schließlich nicht nur Falke-Socken, Porzellan, Schokolade und Bettwäsche unter einem Dache finden. Man ging ins Kaufhaus, um analog zu browsen. Um sich inspirieren zu lassen von dem, was Mensch und Welt so hervorgebracht hatten. Kaufhäuser waren Monumente einer Zeit, in der Konsum nicht nur der Befriedigung eines Bedürfnisses diente, sondern selbst eine Freizeitbeschäftigung war.

Berlin: Öffentliche Begegnungsorte können leere Kaufhäuser ersetzen

Heute geht das vom Sofa aus. Auf dem Handy lassen sich Preise und Bewertungen vergleichen, die Einkäufe werden bis vor die Wohnungstür geliefert. Warum also noch durch fünf Etagen eines Kaufhauses laufen?

Zehntausende Quadratmeter Verkaufsfläche stehen heute eher für Überforderung als für einen Wettbewerbsvorteil. Das muss nicht so bleiben. Die Freifläche bietet Raum für neue Kreativität. In Großbritannien werden ehemalige Kaufhäuser zu Universitäten, Skaterparks, medizinischen Einrichtungen, Wohnungen und anderen Begegnungsorten umgebaut. Die tiefen, schlecht beleuchteten Gebäude sollen kein Ko-Kriterium sein. In einer Studie wird beim Kaufhaus sogar in Richtung Gemüseanbau auf mehreren Stockwerken überlegt.

In Berlin hat der Senat eine Absichtserklärung für den Umzug der Zentralen Landesbibliothek (ZLB) in das Galeria-Kaufhaus am Alexanderplatz unterzeichnet. Laut dem Eigentümer des Gebäudes soll es auch eine tragfähige Alternative für den Fall geben, dass Galeria als Mieterin wegfällt. Wenn aus einer Shoppingzone ein Ort wird, an dem Menschen lesen, lernen oder einander begegnen, hätte der Wandel auch etwas Gutes. Der Niedergang des Warenhauses wäre dann kein Tod, sondern eine Reinkarnation.

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