89 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner halten Korruption in der Regierung ihres Landes für weit verbreitet. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Gallup hervor.
Der Wert liegt zehn Prozentpunkte über dem des Vorjahres und ist der höchste seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2006. Zwischen 2010 und 2025 hatte die Quote zwischen 72 und 79 Prozent gelegen.
Die Zustimmung reicht Gallup zufolge quer durch die politischen Lager: 91 Prozent der Demokraten, 90 Prozent der Unabhängigen und 83 Prozent der Republikaner halten Korruption in der Regierung für verbreitet.
Für die Umfrage wurden zwischen dem 1. Mai und dem 10. Juni 2026 telefonisch 1000 Erwachsene befragt. Die Fehlermarge beträgt nach Angaben des Instituts 4,1 Prozentpunkte.
Besonders stark hat sich die Wahrnehmung bei Anhängern der Demokraten verändert. Im letzten Amtsjahr von Präsident Joe Biden sahen laut Gallup 57 Prozent der Demokraten Korruption als weit verbreitet an. Nach dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump stieg der Wert 2025 auf 76 Prozent und in diesem Jahr auf 91 Prozent. Bei den Republikanern blieben die Werte über die Jahre vergleichsweise stabil.
Kluft zu anderen Industriestaaten wächst
Im Vergleich zu anderen Industriestaaten liegen die USA damit an der Spitze. Nach Gallup-Daten aus dem Jahr 2025 lag der Medianwert in den 38 Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei 59 Prozent.
Damals verzeichneten die USA bereits 79 Prozent. Nur wenige Länder wie Libanon, Peru, Ghana und Nigeria erreichten in den vergangenen Jahren höhere Werte als die aktuellen 89 Prozent in den USA.
Milliarden für den Iran-Krieg
Die Debatte über Korruption und politische Verflechtungen fällt zugleich in eine Phase wachsender Kritik am Iran-Krieg. Trump begann den Krieg am 28. Februar ohne die in der US-Verfassung vorgesehene Ermächtigung durch den Kongress. Das Pentagon bezifferte die Kosten im Juli bereits auf 37,5 Milliarden US-Dollar einschließlich erwarteter Ausgaben bis September.
Zugleich profitieren Unternehmen: Der Rüstungskonzern RTX erhielt einen Auftrag über 22,9 Milliarden US-Dollar zur Ausweitung der Tomahawk-Produktion, unter anderem, um im Iran-Krieg verbrauchte Bestände wieder aufzufüllen.
Auch die Ölkonzerne verdienen an den kriegsbedingt gestiegenen Energiepreisen. ExxonMobil erzielte im zweiten Quartal einen Gewinn von 14,7 Milliarden US-Dollar, den höchsten seit vier Jahren, Shell mit 9,84 Milliarden US-Dollar mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.
Tech-Investoren rücken näher an die Macht
Trump hat zudem milliardenschwere Tech-Investoren eng an seine Regierung gebunden. David Sacks wurde Beauftragter für Künstliche Intelligenz und Kryptowährungen, Marc Andreessen beriet Trump, Peter Thiel ist Förderer von Vizepräsident JD Vance.
Trumps Finanzen 2025: 2,2 Milliarden Dollar Einnahmen, davon 1,4 Milliarden aus Krypto-Geschäften
Trump Organization: Capital One schloss 300 Konten nach Geldwäscheprüfung
Zugleich begünstigte Washington zentrale Geschäftsfelder dieses Umfelds: Der GENIUS Act schuf einen bundesweiten Rechtsrahmen für Stablecoins – an einen Referenzwert wie den US-Dollar gekoppelte Kryptowährungen –, nachdem die Kryptoindustrie mehr als 245 Millionen US-Dollar für kryptofreundliche Kandidaten ausgegeben hatte.
Trumps Steuerpaket erhöhte außerdem die steuerfreie Gewinngrenze bei bestimmten Start-up-Beteiligungen von zehn auf 15 Millionen US-Dollar. Bei Künstlicher Intelligenz setzt die Regierung auf möglichst wenig Regulierung.
Korruption wird zum Wahlkampfthema
Die Führung der Demokratischen Partei rückt das Thema vor den anstehenden Zwischenwahlen in den Mittelpunkt, wie die Washington Post berichtet. Die sogenannten Midterms finden in den USA jeweils zur Mitte der vierjährigen Amtsperiode des Präsidenten statt. Gewählt werden dabei das gesamte Repräsentantenhaus sowie ein Drittel des Senats.
Die nächste Abstimmung ist für November angesetzt. Für die Demokraten geht es um die Rückeroberung des Kongresses, in dem die Republikaner in beiden Kammern derzeit eine knappe Mehrheit haben.
Der Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, kündigte bei einer Veranstaltung 100 Tage vor der Wahl an: „Wir werden die Gauner zur Rechenschaft ziehen.“ Die Demokraten werfen Trump vor, sein Versprechen zum Abbau von Verschwendung und Vetternwirtschaft gebrochen zu haben und sich stattdessen selbst, seine Familie und Verbündete über die Bundesregierung zu bereichern.
Das Weiße Haus weist die Vorwürfe zurück. Es gebe keinerlei Interessenkonflikte des Präsidenten oder seiner Angehörigen. Formelle Anklagen wegen Korruption gegen Mitglieder der Trump-Regierung seit dessen Amtsantritt 2025 gibt es einem Bericht der Washington Post zufolge nicht.
Auch eine im Juni veröffentlichte Umfrage des Brennan Center for Justice unter 2000 registrierten Wählern ergab, dass Mehrheiten in allen politischen Lagern Korruption als „sehr großes Problem“ der Bundesregierung ansehen. 79 Prozent der Befragten sprachen sich demnach für einen Verfassungszusatz aus, der den Einfluss von Geld auf Wahlen wieder begrenzen soll.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]