Die indische Polizei hat am Dienstag den Oppositionsführer Rahul Gandhi, seine Schwester Priyanka Gandhi Vadra sowie weitere Politiker der Kongresspartei bei einem Sitzprotest nahe der Residenz von Premierminister Narendra Modi in Neu-Delhi vorübergehend festgesetzt. Das berichtete die indische Agentur ANI.
Der Protest richtete sich gegen das Vorgehen der Polizei bei einer Demonstration am Vortag sowie gegen den Umgang der Regierung mit Unregelmäßigkeiten bei der medizinischen Aufnahmeprüfung NEET. „Wir sind zum Haus von Premierminister Modi marschiert, um von ihm Antworten auf die Brutalitäten gegen junge Studenten von gestern zu fordern“, schrieb Rahul Gandhi auf der Plattform X.
Gandhis Kongresspartei veröffentlichte nach Angaben der Times of India Videos und Fotos, die den Einsatz dokumentieren sollen. Auf einer Aufnahme sei Rahul Gandhi auf der Straße liegend zu sehen, während Polizeikräfte versuchten, ihn wegzutragen. Ein weiteres Bild soll ihn mit Nasenbluten zeigen. Priyanka Gandhi Vadra habe sich geweigert, in einen Polizeibus zu steigen, und sei von Beamten hineingezogen worden.
Auch der Vorsitzende der nordindischen Regionalpartei Samajwadi, Akhilesh Yadav, sowie die Regierungschefs der Bundesstaaten Karnataka und Kerala nahmen demnach an dem Protest teil.
Konflikt um Prüfungsskandal
Hintergrund ist die Weitergabe von Prüfungsfragen der landesweiten Aufnahmeprüfung für Medizinstudienplätze im Mai. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters waren zwei Millionen junge Menschen betroffen – rund ein Dutzend Studenten hätten sich anschließend das Leben genommen. Am Montag waren nach Angaben der Polizei in Delhi bei Zusammenstößen mit Demonstranten der jugendlichen Protestbewegung „Cockroach Janta Party“ (CJP) fast 180 Menschen verletzt worden, darunter 118 Sicherheits- und Polizeikräfte sowie 60 Demonstranten.
Der Name der Bewegung geht nach Angaben der Nachrichtenagentur AP auf eine Bemerkung des Vorsitzenden Richters am Obersten Gerichtshof zurück, der im Mai arbeitslose junge Menschen mit „Kakerlaken“ verglichen hatte. Aus der zunächst satirischen Reaktion in sozialen Netzwerken entstand eine Bewegung mit Millionen Anhängern, die auch an Universitäten und in anderen Städten mobilisiert. Am zentralen Protestort Jantar Mantar in Neu-Delhi campieren Demonstranten laut AP seit rund einem Monat.
Modi kündigte laut Reuters vor Abgeordneten seines Regierungsbündnisses ein „narrensicheres“ Prüfungssystem an und versprach harte Strafen für die Verantwortlichen. 13 Personen seien bereits festgenommen worden. Der Staatsminister im Büro des Premiers, Jitendra Singh, erklärte laut Times of India, er habe Rahul Gandhi am Protestort zum Abbruch des Protests aufgefordert.
Bereits vor den Zusammenstößen hatte die Regierung nach Angaben der Times of India Gesprächsangebote an die CJP gemacht; deren Vertreter Saurav Das und Ashutosh Ranka sollten Gesundheitsminister J. P. Nadda treffen.
Bildungsminister Dharmendra Pradhan hatte den Demonstranten laut AP zuvor vorgeworfen, gegen die Nation zu handeln. Die Kongresspartei fordert seinen Rücktritt und eine Debatte über den Prüfungsskandal im Parlament. Zu den Forderungen der Bewegung zählen zudem Reformen des Prüfungssystems und Entschädigungen für die Familien der Studenten, die sich nach den Prüfungsleaks das Leben nahmen.
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