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„Kakerlaken-Partei“: Virale Gen-Z-Bewegung in Indien wird zum Problem für Modi

Die satirische „Cockroach Janta Party“ wurde für Millionen junge Inder zum Ventil gegen Arbeitslosigkeit und Frust über Narendra Modi. Nun spricht der Gründer von Drohungen gegen seine Familie.

3 Min
Eine satirische „Kakerlaken-Partei“ sorgt in Indien für einen politischen Hype.

Eine satirische „Kakerlaken-Partei“ sorgt in Indien für einen politischen Hype.

© KI-generiertes Bild/Cockroach Janta Party

Die indische Online-Bewegung Cockroach Janta Party (CJP) wirft der Regierung von Premierminister Narendra Modi vor, gegen ihre Social-Media-Kanäle vorzugehen. Gründer Abhijeet Dipke erklärte laut Reuters, die Website der Gruppe sei offline genommen worden, der X-Account in Indien gesperrt und das Instagram-Konto kompromittiert worden. Zudem habe seine Familie Drohungen erhalten.

Der Indian Express berichtete unter Berufung auf Dipke, auch mehrere Ersatzkonten der Bewegung seien inzwischen gesperrt oder angegriffen worden. Dipke veröffentlichte zudem Screenshots mutmaßlicher Drohnachrichten. Darin hieß es laut der Zeitung unter anderem, man könne ihn „selbst in Amerika töten“, falls er die Accounts nicht schließe. Der Gründer erklärte außerdem, Unbekannte hätten Videos vor dem Haus seiner Familie im Bundesstaat Maharashtra geschickt.

Eine unabhängige Bestätigung für staatliche Maßnahmen gegen die Gruppe gibt es bislang nicht. Weder Indiens Innen- noch IT-Ministerium reagierten laut Reuters auf Anfragen.

Der 30-jährige Dipke gilt als erfahrener Digitalstratege. Indischen Medien zufolge arbeitete er zwischen 2020 und 2023 für Social-Media- und Meme-Kampagnen der Oppositionspartei Aam Aadmi Party (AAP) rund um den früheren Regierungschef von Delhi, Arvind Kejriwal. Zuletzt studierte er Öffentlichkeitsarbeit an der Boston University und startete die Bewegung aus den USA heraus.

Satire gegen Modi-Regierung trifft Nerv der Gen Z

Die Bewegung hatte innerhalb weniger Tage knapp 23 Millionen Instagram-Follower gewonnen und damit zeitweise deutlich mehr Reichweite erzielt als Modis Regierungspartei BJP. Die Gruppe verbindet satirische Memes und KI-generierte Inhalte mit Kritik an Arbeitslosigkeit, Inflation und geleakten Prüfungsfragen.

Reuters zufolge spiegeln die enormen Reichweiten wachsende Sorgen vieler junger Inder wider. Eine Umfrage des Instituts CVoter ergab, dass sich mehr als 60 Prozent der 18- bis 24-Jährigen Sorgen um ihre Zukunft machen. Viele Befragte nannten Arbeitslosigkeit und Probleme im Bildungssystem als zentrale Gründe für ihre Frustration.

Die offizielle Jugendarbeitslosigkeit in Indiens Städten liegt laut Regierungsdaten bei rund 14 Prozent und damit deutlich über der allgemeinen Arbeitslosenquote.

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Regierungstreue Politiker reagieren gereizt

Der BJP-Politiker und Minister Kiren Rijiju spielte die Bewegung öffentlich herunter. Auf X schrieb er, er bemitleide Menschen, die ihre Follower „aus dem Ausland“ gewinnen wollten. „Die Helden der anti-indischen Gruppe können keine Helden Indiens sein“, erklärte Rijiju, ohne die „Cockroach Janta Party“ direkt zu nennen.

Gründer Dipke reagierte darauf mit einer Auswertung seiner Instagram-Daten. Mehr als 94 Prozent der Nutzer kämen aus Indien. Zudem fragte er öffentlich, warum ein Minister „indische Jugendliche als Pakistaner“ bezeichne.

Die Bürgerrechtsorganisation Internet Freedom Foundation kritisierte die mutmaßliche Sperrung des X-Accounts als willkürlichen Eingriff in die Meinungsfreiheit.

Aus Online-Satire könnte politische Bewegung werden

Die Bewegung war ursprünglich als satirische Reaktion auf Aussagen eines indischen Richters entstanden, der arbeitslose Jugendliche mit „Kakerlaken“ verglichen hatte. Inzwischen entwickelt sich die Gruppe zunehmend zu einem Sammelpunkt für den Frust vieler junger Menschen über soziale Ungleichheit, fehlende Jobs und politische Perspektivlosigkeit.

Der bekannte Anwalt und Aktivist Prashant Bhushan sagte Reuters, die Bewegung könne noch deutlich wachsen, wenn sie sich über soziale Medien hinaus organisiere. „Wenn sie das weiter vorantreiben wollen, müssen sie sich auch auf der Straße organisieren“, sagte Bhushan.

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