Ganz schnell nach oben

Sigrid Averesch
2 Min

In der Bundespolitik mischt Christian Lindner gerade mal drei Monate mit. Doch ist der FDP-Politiker aus Nordrhein-Westfalen, der seit der Wahl im September dem Bundestag angehört, alles andere als ein Neueinsteiger. Schon seit fünf Jahren managt der Politologe als Generalsekretär die nordrhein-westfälische FDP. Nun übernimmt der 30-Jährige möglicherweise diesen Job in der Bundespartei. Heute wird der Parteivorstand entscheiden, wer Nachfolger des zum Entwicklungshilfeminister aufgestiegenen Dirk Niebel wird, und Lindner gilt als der aussichtsreichste Kandidat.Lindner ist eine rasante Karriere gelungen. 1995 trat er in die FDP ein. Fünf Jahre später, mit 21, war er bereits Landtagsabgeordneter. Er stieg bis zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Düsseldorfer Landtag auf. Den Wandel der NRW-Liberalen von der Oppositions- zur Regierungspartei hat er miterlebt. Dies muss nun auf Bundesebene vollzogen werden. Nicht nur diese langjährigen politischen Erfahrungen aus dem nordrhein-westfälischen Landesverband, der in der FDP als sehr einflussreich gilt, hoben Lindner als Kandidat hervor. Gegenüber Parteichef Guido Westerwelle, ebenfalls aus NRW, gilt er als loyal, aber auch als eigenständig.So hat Lindner mit seinem niedersächsischen Kollegen Philipp Rösler noch vor der Bundestagswahl zum Unmut der Parteispitze ein neues Parteiprogramm eingefordert. Die Liberalen müssten sich vielfältigeren Themen zuwenden, forderten die jungen Politiker. Die oft als kühl eingeschätzte Partei müsse auch Werte wie Fairness und Solidarität besetzen, mehr Empathie zeigen und auch auf Nachhaltigkeit und Teilhabe dringen, so ihr Credo. Durchsetzen konnten sich Rösler und Lindner nicht. Dennoch gaben sie nicht auf, sondern brachten gleich noch ein Buch heraus. "Freiheit: gefühlt - gedacht - gelebt", lautet der Titel, in dem junge Parteikollegen die Ziele liberaler Politik beschreiben und dabei auch ein positives Lebensgefühl vermitteln wollen.Die Schnelligkeit, die Lindners politisches Leben prägt, hat es ihm auch privat angetan. Er liebt den Motorsport und hat ein Faible für Sportwagen. Ausgleich findet der stets elegant gekleidete Lindner beim Joggen. Gelegentlich zieht er sich zurück vom hektischen Politalltag, kocht sich italienische Nudeln und schaut sich Steve-Mc-Queen-Filme an. Dazu würde er in Berlin wohl seltener kommen. Aber Lindner ist sich bewusst, dass das politische Klima in Berlin rauer ist als in NRW.------------------------------Foto: Christian Lindner, Favorit für das Amt des FDP-Generalsekretärs

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