Das Landeskriminalamt und Verbraucherschützer warnen in einer gemeinsamen Mitteilung vor digitalen Betrugsmaschen, die auf den Diebstahl persönlicher Daten abzielen.
Im Zentrum stehen manipulierte QR-Codes und eine Methode namens „GhostPairing“, bei der Kriminelle über WhatsApp-Abstimmungen Zugriff auf fremde Konten erlangen können. Die Folgen reichen von rätselhaften Abbuchungen bis zu Rechnungen für Waren, die Betroffene nie bestellt haben.
Quishing – wenn der QR-Code zur Falle wird
Einen QR-Code am Parkautomaten oder an einer Ladesäule zu scannen, gehört für viele zum Alltag. Eben dieses Vertrauen machen sich Kriminelle zunutze: Sie überkleben echte Codes mit eigenen und leiten Ahnungslose auf täuschend echt nachgebaute Internetseiten.
Dort werden Bankdaten oder Zugangsinformationen abgefragt – wer sie eingibt, übergibt sie direkt an die Täter. Für diese Methode hat sich der Begriff „Quishing“ etabliert, ein Kunstwort aus „QR-Code“ und „Phishing“.
So funktioniert „GhostPairing“ bei WhatsApp
Besonders tückisch ist eine Masche, die über den Messenger-Dienst WhatsApp läuft. Kriminelle verschicken dabei Links zu angeblichen Online-Abstimmungen. Wer auf der gefälschten Seite seine Mobilfunknummer einträgt und einen Bestätigungscode freigibt, ermöglicht den Tätern, ihr eigenes Gerät mit dem WhatsApp-Konto des Opfers zu verknüpfen.
Anschließend versenden die Betrüger im Namen der betroffenen Person weitere betrügerische Links oder Geldforderungen zwischen 400 und 800 Euro an deren Kontakte. Um nicht aufzufallen, archivieren sie die Chats – die Nachrichten verschwinden so aus der normalen Übersicht.
Warum Betroffene den Betrug oft erst spät bemerken
Archivierte Chats erscheinen nicht mehr in der regulären Ansicht des Messengers. Die betroffene Person sieht also weder die verschickten Nachrichten noch die Antworten darauf. Häufig wird der Missbrauch erst bemerkt, wenn sich Bekannte melden und nach den seltsamen Nachrichten fragen.
Zwischen der Verknüpfung des fremden Geräts und der Entdeckung können Tage oder Wochen vergehen. In dieser Zeit haben die Täter vollen Zugang zum Nachrichtenverlauf und können weitere Kontakte ins Visier nehmen.
Phishing und Smishing – die bekannten Verwandten
Neben Quishing und GhostPairing bleiben klassische Methoden weiterhin verbreitet. Beim Phishing versenden Kriminelle E-Mails, die aussehen, als kämen sie von Banken, Behörden oder bekannten Unternehmen. Mithilfe künstlicher Intelligenz wirken diese Nachrichten laut der Warnung zunehmend professionell.
Beim sogenannten Smishing erfolgt der Angriff per SMS – häufig im Namen von Paketdiensten. Eine angebliche Sendung müsse bestätigt oder eine Gebühr bezahlt werden, lautet die typische Behauptung. Die enthaltenen Links führen auf gefälschte Seiten, die persönliche Daten abgreifen sollen.
Identitätsdiebstahl: Einkäufe und Verträge auf fremden Namen
Erbeutete Daten wie Name, Geburtsdatum und Kontoinformationen dienen Kriminellen dazu, auf Kosten anderer einzukaufen oder Verträge abzuschließen. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz nennt unerklärliche Abbuchungen, Rechnungen für nie bestellte Waren und unberechtigte Inkassoforderungen als typische Warnzeichen.
Wer solche Hinweise entdeckt, sollte nicht abwarten. Gestohlene Daten können auch genutzt werden, um weitere Betrugsstraftaten vorzubereiten – der Schaden wächst mit jeder Woche, in der der Missbrauch unentdeckt bleibt.
Warum künstliche Intelligenz die Erkennung erschwert
Früher verrieten sich betrügerische Nachrichten oft durch holpriges Deutsch oder auffällige Formatierung. Durch den Einsatz künstlicher Intelligenz sind Texte heute sprachlich kaum noch von echten Mitteilungen zu unterscheiden. Grammatik, Anrede und Tonfall wirken authentisch.
Gleichzeitig bauen die Absender gezielt Druck auf: kurze Fristen, angebliche Notfälle oder Mahnungen sollen verhindern, dass Empfänger innehalten und die Nachricht prüfen. Genau dieses Innehalten ist laut der Warnung aber der wirksamste Schutz.
Gefährliche Gruppenchats und falsche Jobangebote
Auch über unbekannte Gruppenchats auf Messenger-Diensten versuchen Betrüger, Vertrauen aufzubauen. Sie locken mit angeblichen Nebenjobs, Trading-Angeboten oder Gewinnspielen. Wer darauf eingeht, wird Schritt für Schritt dazu gebracht, persönliche Daten oder Geld zu übermitteln.
Die Empfehlung der Behörden ist eindeutig: Unbekannte Gruppen sofort verlassen und unerwartete Angebote grundsätzlich als verdächtig behandeln. Seriöse Arbeitgeber oder Finanzdienstleister kontaktieren niemanden über anonyme Chat-Gruppen.
Das sollten Sie jetzt tun
Scannen Sie QR-Codes nur, wenn Sie deren Herkunft kennen, und prüfen Sie die angezeigte Internetadresse, bevor Sie sie öffnen. Geben Sie niemals Bestätigungscodes weiter und bestätigen Sie keine Geräteverknüpfungen, die Sie nicht selbst veranlasst haben. Nutzen Sie für Online-Banking und Einkäufe ausschließlich offizielle Apps oder die Ihnen bekannte Webadresse, und richten Sie nach Möglichkeit eine Zwei-Faktor-Authentifizierung ein.
WhatsApp-Betrugsmasche mit Abstimmungslinks: So kapern Kriminelle Ihr Konto
230.000 Euro weg: So täuschten Betrüger eine Arztpraxis in MV
Sollten Sie verdächtige Abbuchungen oder unbekannte Rechnungen bemerken, informieren Sie sofort Ihre Bank, lassen Sie betroffene Konten sperren und ändern Sie Ihre Passwörter. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bietet zudem am 28. Oktober um 16 Uhr ein kostenloses Web-Seminar zum Schutz vor Cybercrime an.
Wo Sie aktuelle Phishing-Warnungen finden
Wer sich laufend informieren möchte, kann das Phishing-Radar der Verbraucherzentrale nutzen. Dort werden aktuelle Betrugsversuche dokumentiert und regelmäßig aktualisiert.
Auch die Polizeiliche Kriminalprävention stellt auf ihrer Internetseite ausführliche Informationen zu Phishing und verwandten Methoden bereit. Beide Angebote sind kostenfrei und helfen, neue Maschen frühzeitig zu erkennen.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]