Das Ambiente der SPD-Fraktionsklausur (an diesem Wochenende) in der weitläufigen Landschaft rund um das Schloss Fleesensee in Göhren-Lebbin (Mecklenburg-Vorpommern) sorgt schon äußerlich für Entspannung. Klaus Wowereit relaxte schon am Freitagmittag im Pullover vor dem Kamin, die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Merkel sinnierte über den Nutzen sportlicher Betätigung - und da es in dem Fünf-Sterne-Schlosshotel auch ein Beauty-Angebot gibt, kam das Tischgespräch auf das Thema Haut und Haare. An Klaus-Uwe Benneter, SPD-Kandidat aus Zehlendorf, ging die Frage, warum er, ähnlich wie Ex-Bundeskanzler sowie Benneter-Freund Gerhard Schröder, noch über so volles dunkles Haupthaar verfüge - und ob er etwa auch .? Nein, sagte Benneter, weder er noch Schröder hätten bisher zu Haarfärbemitteln gegriffen. Alles sei echt. Echt.----Der FDP-Verkehrspolitiker Klaus-Peter von Lüdeke verteidigt öffentlich oft und gern die Interessen der freien Bürger für freie Fahrt gegen den aus seiner Sicht autofeindlichen Senat. Was wenige wissen: Der Mann ist privatim ein leidenschaftlicher Radler und benutzt sogar regelmäßig, jetzt kommt's, den öffentlichen Nahverkehr! Leider scheint ihn dabei gelegentlich das Glück zu verlassen. Kürzlich wollte er mit der S-Bahn von Nikolassee aus gen Innenstadt fahren, um sich dienstlich mit einem hochrangigen BVG-Manager zu treffen. Doch die Bahn kam nicht, und zwar 45 Minuten lang, selbstverständlich ohne Durchsage, warum und wieso. Da am kommenden Montag zufällig der S-Bahn-Chef Tobias Heinemann in den Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses geladen ist, will ihm von Lüdeke gleich seinen (abgestempelten) Fahrschein mitbringen - und fragen, wer ihm die 2,10 Euro dafür ersetzt.----Wo steht Klaus Lederer, Chef der Berliner Linken, wenn die Revolution kommt? Nicht in der ersten Reihe, wie man meinen sollte - sondern in der letzten. Vorige Woche hatte der 34-Jährige zwei anspruchsvolle Abendauftritte in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Dort sang er mit Berliner Chören und Musikern ein Oratorium namens "Gefühlssache Revolution", geschrieben von Frank Keding (Musik) und Heinz Havemeister (Text). Der unverkrampfte Umgang des Stückes mit dem hochernsten Thema Revolution kam dem Parteichef entgegen: Inbrünstig brachte er sich, trotz seines Standpunkts ganz hinten, stimmlich-musikalisch ein und zeigte sich dazu seriös, fast schon bourgeoishaft gekleidet in schwarzem Zwirn. Sonst wird Lederer während seiner Freizeitaktivitäten gern im Kapuzenshirt angetroffen - gewissermaßen vermummungsfähig, wenn es revolutionär doch plötzlich drauf ankommen sollte.----Die neue Staatssekretärin der Bildungsverwaltung, Claudia Zinke, kommt aus der Finanzbehörde. Zurzeit hat die freundlich-korrekte Dame damit zu tun, die halbe Milliarde Euro, die demnächst an Berliner Schulen verbaut werden kann, sinnvoll zu verplanen. Dass sie nicht nur mit den Zahlen, sondern auch mit dem Alltag der Berliner Schulen vertraut ist, offenbarte sie jüngst: Zinke hat nämlich am Albert-Schweitzer-Gymnasium am Neuköllner Hermannplatz ihr Abitur abgelegt. Damals, frühe 80er-Jahre, war die Schule ein altehrwürdiges Gymnasium. Vor ein paar Jahren beim Klassentreffen sei ihr bewusst geworden, dass sich ihre Anstalt, inzwischen im sogenannten Problemkiez, verändert habe, sagte Zinke. Bald darauf erschien gar unter dem Untertitel "Frontbericht aus dem Klassenzimmer" das Buch einer Lehrerin, die Zinkes Ex-Schule wegen ihres jetzt sehr hohen Migrantenanteils und den darob resignierenden Lehrern kurz vor dem Aus sah. Inzwischen ist die Schule anerkanntermaßen auf dem Weg zu einem beispielhaften Ganztagsgymnasium, wie auch Zinke weiß: "Die sind auf einem guten Weg", sagt sie. Zurück in die gute alte Zinke-Zeit. (jan., tr., str., mak.)
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