Gegen den früheren Leiter des ukrainischen Präsidialamts, Andrij Jermak, wird wegen Geldwäsche ermittelt. Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (Nabu) und die Spezialisierte Antikorruptions-Staatsanwaltschaft (Sapo) teilten am Montagabend mit, eine „organisierte Gruppe“ enttarnt zu haben, die umgerechnet rund 8,9 Millionen Euro „über ein Luxusbauprojekt in der Nähe von Kiew gewaschen“ habe. Bei einem der Beschuldigten handele es sich um einen „ehemaligen Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine“.
Die Behörden nannten den Namen Jermaks nach ukrainischem Recht zwar nicht offiziell, eine Quelle aus den Ermittlungen bestätigte dem ukrainischen Nachrichtenportal Kyiv Independent jedoch, dass es sich um den früheren Spitzenberater von Präsident Wolodymyr Selenskyj handele. Jermak war von 2020 bis 2025 dessen engster Mitarbeiter.
Die ukrainischen Antikorruptionsbehörden haben nach Angaben am Dienstag inzwischen sechs Personen in dem Geldwäschekomplex beschuldigt.
Wie das Nationale Antikorruptionsbüro (Nabu) mitteilte, handelt es sich dabei um einen früheren stellvertretenden Ministerpräsidenten, einen mutmaßlichen Drahtzieher des Energoatom-Skandals sowie vier weitere Verdächtige. Nach Informationen des Kyiv Independent aus Ermittlerkreisen fallen darunter der Selenskyj-Vertraute Timur Mindich und der frühere Vize-Regierungschef Olexij Tschernyschow.
Verbindung zu Skandal um Energoatom
Den Ermittlern zufolge sollten mit dem Geld vier private Anwesen mit jeweils rund 1000 Quadratmetern Fläche sowie ein gemeinschaftlicher Wellness-Bereich errichtet werden. Die Mittel sollen über Briefkastenfirmen, Bargeldgeschäfte und fingierte Finanzdokumente geflossen sein, wie Nabu und Sapo mitteilten.
Der Fall steht laut Politico im Zusammenhang mit der sogenannten Midas-Operation, einem Korruptionsskandal beim staatlichen Energieversorger Energoatom mit einem Volumen von rund 85 Millionen Euro. In dem Verfahren wurden bereits in der Vergangenheit neun Verdächtige beschuldigt, darunter Mindich und Tschernyschow. Beide wiesen die Vorwürfe nach Angaben des Senders Deutsche Welle bislang zurück.
Auch Jermak weist Vorwürfe zurück
Jermak war Ende November 2025 zurückgetreten, nachdem das Antikorruptionsbüro seine Räume durchsucht hatte. Auf Nachfrage des ukrainischen Mediums Ukrainska Pravda sagte er: „Ich besitze keine Häuser; ich habe nur eine Wohnung und ein Auto, das Sie gesehen haben.“
Selenskyj äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Sein Berater Dmytro Lytwyn erklärte gegenüber Journalisten, es sei „zu früh, die laufenden Verfahrensschritte zu bewerten“.
Die Bekämpfung der Korruption gilt als eine zentrale Voraussetzung für einen Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union.
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