Internetphänomen

„Stimme der Faulen und Arbeitslosen“: Eine Kakerlake ist Indiens neuer politischer Superstar

Eine satirische „Kakerlaken-Partei“ sorgt in Indien für einen politischen Hype. Innerhalb weniger Tage sammelte die Bewegung mehr Instagram-Follower als Narendra Modis BJP.

3 Min
Die „Cockroach Janta Party“ verwendet KI-generierte Videos und Bilder, um auf den Frust der Generation Z aufmerksam zu machen.

Die „Cockroach Janta Party“ verwendet KI-generierte Videos und Bilder, um auf den Frust der Generation Z aufmerksam zu machen.

© KI-generiertes Bild/Cockroach Janta Party

Die satirische „Cockroach Janta Party“ (CJP) hat sich in Indien innerhalb weniger Tage zu einem Internetphänomen entwickelt. Wie Reuters berichtet, folgt der Bewegung auf Instagram inzwischen ein Millionenpublikum – zeitweise sogar deutlich mehr Menschen als der regierenden BJP von Premierminister Narendra Modi. Die Gruppe greift Themen wie Arbeitslosigkeit, Inflation und politische Frustration der Generation Z auf und verbindet sie mit Memes, Videos und provokanter Satire.

Die Bewegung sammelte in weniger als einer Woche 16,2 Millionen Follower auf Instagram – Tendenz steigend. Die BJP kommt dort auf weniger als neun Millionen. Das Logo der Bewegung zeigt eine Kakerlake auf einem Smartphone. Die Gruppe bezeichnet sich selbst als „Stimme der Faulen und Arbeitslosen“.

Auslöser waren Aussagen des obersten Richters

Gegründet wurde die Bewegung vom 30-jährigen Abhijeet Dipke, einem indischen Studenten an der Boston University und früheren Social-Media-Mitarbeiter der Oppositionspartei Aam Aadmi Party (AAP). Indische Medien wie Times of India, The Print und Economic Times griffen die Geschichte inzwischen ebenfalls groß auf.

Auslöser waren Äußerungen des indischen Obersten Richters Surya Kant. Dieser hatte bei einer Gerichtsanhörung erklärt, manche arbeitslose Jugendliche verhielten sich „wie Kakerlaken“ und griffen Institutionen über soziale Medien oder Aktivismus an. Nach heftiger Kritik erklärte Kant später laut Times of India, seine Aussagen seien missverstanden worden und hätten sich auf Menschen mit „gefälschten Abschlüssen“ bezogen.

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Dipke griff die Aussagen auf und startete die satirische Bewegung praktisch über Nacht. „Das ist eine Bewegung, um den politischen Diskurs Indiens zu verändern“, sagte er Reuters. Junge Menschen würden im politischen System kaum noch wahrgenommen.

Humor trifft Existenzängste

Die „Cockroach Janta Party“ verbindet absurde Selbstironie mit realen Sorgen vieler junger Inder. Wer Mitglied werden will, muss laut Manifest angeblich arbeitslos, faul, „chronisch online“ und professionell am Beschweren sein.

Hinter dem Humor steckt jedoch ein ernstes Thema. Reuters verweist auf eine aktuelle Deloitte-Studie, wonach viele junge Inder unter Arbeitslosigkeit, steigenden Preisen und wirtschaftlicher Unsicherheit leiden. Mehr als die Hälfte der Befragten aus der Generation Z habe wichtige Lebensentscheidungen wie Wohnungskäufe verschoben.

Besonders groß ist die Unsicherheit bei jungen Menschen in Indiens riesigem Dienstleistungs- und IT-Sektor. Experten warnen laut Reuters, dass Künstliche Intelligenz viele Einstiegsjobs bedrohen könnte.

Bewegung wächst auch außerhalb sozialer Medien

Inzwischen bleibt die Bewegung nicht mehr nur online. Die Nachrichtenagentur AP berichtete, erste Unterstützer seien bereits bei Protesten in Kakerlakenkostümen aufgetreten. Zudem wurde der X-Account der Gruppe in Indien zwischenzeitlich gesperrt oder eingeschränkt. Gründer Dipke sprach von möglichen Hackerangriffen auf die Social-Media-Konten.

Oppositionelle Politiker griffen die Bewegung bereits öffentlich auf. Regierungstreue Medien wiederum werfen der Gruppe vor, eine digitale Kampagne mit Nähe zur Opposition zu sein. Dipke bestreitet jedoch, dass es sich um ein klassisches Parteiprojekt handle.

Ob aus der Satire tatsächlich eine politische Bewegung wird, bleibt offen. Reuters zufolge haben sich allerdings bereits Hunderttausende Menschen über Online-Formulare als Unterstützer registriert. Rund 70 Prozent von ihnen seien zwischen 19 und 25 Jahre alt.

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