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Gescheiterter WM-Milliardendeal: Uefa bereitet Strafanzeige gegen Infantino vor

Der europäische Verband will in New York Beweise für ein mögliches Verfahren in der Schweiz sichern. Im Zentrum steht Infantinos gescheiterter Plan für das Geschäft mit den Fifa-Turnieren.

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Fifa-Präsident Gianni Infantino: Die Uefa erwägt wegen des gescheiterten WM-Milliardendeals ein Strafverfahren.

Fifa-Präsident Gianni Infantino: Die Uefa erwägt wegen des gescheiterten WM-Milliardendeals ein Strafverfahren.

© Joeran Steinsiek/imago

Die Uefa bereitet wegen des gescheiterten Verkaufs von Anteilen am Geschäft mit der Fußball-Weltmeisterschaft ein mögliches Strafverfahren gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino vor. Anwälte des europäischen Fußballverbands haben bei einem Bundesgericht in Manhattan Unterlagen eingereicht, um Dokumente und Aussagen von Beteiligten zu erhalten. Zuerst berichtete das Wall Street Journal.

„Die Uefa und ihre Rechtsberater erwägen ein Schweizer Strafverfahren gegen Infantino und möglicherweise weitere Fifa-Funktionäre wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung nach Artikel 158 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs“, heißt es in dem 56-seitigen Antrag. Abhängig von den noch zu beschaffenden Beweisen könnten weitere Vorwürfe hinzukommen.

Die Uefa vertritt darin die Auffassung, Infantinos Vorgehen könne den Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung erfüllen. Bewiesen ist dieser Vorwurf nicht. Auch Schweizer Strafverfolgungsbehörden haben in dieser Angelegenheit bislang kein Verfahren gegen den Fifa-Präsidenten eröffnet.

Uefa fordert Unterlagen von Kushners Investmentfirma

Mit ihrem Antrag in New York will die Uefa Dokumente und Aussagen zu dem gescheiterten Projekt Fifa Forward Enterprise erhalten. Grundlage ist eine Vorschrift des US-Rechts, nach der amerikanische Gerichte die Beschaffung von Beweisen für ein geplantes Verfahren im Ausland anordnen können.

Die Uefa beantragte Vorladungen gegen den Investor Joshua Kushner und dessen New Yorker Investmentgesellschaft Thrive Capital Management. Kushner ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn und Sondergesandten von US-Präsident Donald Trump.

Thrive Eternal, ein von Joshua Kushner geführtes Investmentvehikel, sollte nach den damaligen Angaben der Fifa die geplante Investorengruppe anführen.

Der Antrag in Manhattan ist noch keine Strafanzeige gegen Infantino. Er zeigt jedoch, dass die Uefa konkrete Vorbereitungen für ein mögliches Verfahren in der Schweiz getroffen hat. Bereits Anfang August hatte der Verband die Fifa und mehrere Beteiligte aufgefordert, sämtliche Dokumente und elektronischen Daten zu dem Projekt aufzubewahren.

Uefa nennt Bewertung „absurd niedrig“

Infantino wollte die kommerziellen Rechte und den Turnierbetrieb der Fifa in einer neuen Tochtergesellschaft mit dem Namen Fifa Forward Enterprise bündeln. Dazu sollten unter anderem Übertragungsrechte, Sponsorengeschäfte, Eintrittskarten und Lizenzen für Wettbewerbe wie die Weltmeisterschaft und die Klub-WM gehören.

Private Investoren sollten für bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar rund 20 Prozent an der neuen Gesellschaft erhalten. Der Fifa zufolge lag der zugrunde gelegte Unternehmenswert bei 20 Milliarden US-Dollar. Der Weltverband erklärte damals, er werde die Kontrolle über Fifa Forward Enterprise und die alleinige Entscheidungsgewalt über Wettbewerbe, Spielpläne und sportliche Fragen behalten.

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In dem Antrag bezeichnet die Uefa die vorgesehene Bewertung als „absurd niedrig“. Sie sei weder durch ein offenes Bieterverfahren entstanden noch von einem unabhängigen Gutachter geprüft worden. Aus Sicht des europäischen Verbands könnte Infantinos Vorgehen deshalb den finanziellen Interessen der Fifa geschadet haben.

Nach Artikel 158 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs kann ungetreue Geschäftsbesorgung mit einer Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Handelt ein Täter in der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmäßig zu bereichern, sind bis zu fünf Jahre möglich. Ob der Tatbestand im Fall Infantinos erfüllt sein könnte, müssten jedoch zunächst die Schweizer Behörden prüfen.

Infantino zog den Plan nach Boykottdrohung zurück

Die Uefa und ihre 55 Mitgliedsverbände hatten den Plan Ende Juli einstimmig abgelehnt. In einer gemeinsamen Erklärung kündigten sie an, an keinen Fifa-Wettbewerben teilzunehmen, solange das Projekt weiterverfolgt werde. „Die Weltmeisterschaft steht nicht zum Verkauf“, hieß es darin.

Wenig später zog Infantino das Vorhaben zurück. Nach sorgfältiger Prüfung aller Positionen sei deutlich geworden, dass das Projekt Spaltungen verursacht habe und nicht mehr im Interesse des ursprünglichen Ziels liege, erklärte der Fifa-Präsident.

Der juristische Konflikt ist damit nicht beendet. Die in New York angeforderten Unterlagen sollen unter anderem klären, wie die Bewertung zustande kam, welche Rolle die Investoren und Berater spielten und wer innerhalb der Fifa über das Projekt informiert war. Die Fifa und Thrive Capital äußerten sich zunächst nicht zu den neuen Gerichtsunterlagen.

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