Geschichten hinter den großen Geschichten. Aus den Notizblöcken unserer Korrespondenten.

BLZ
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WOLFGANG THIERSE kann es der CDU nicht Recht machen. Als der Bundestagspräsident wegen der Abschiebung eines von Rechtsradikalen angegriffenen Asylbewerbers den Brandenburger Innenminister Jörg Schönbohm kritisierte, rief die Union empört "Einmischung". Andersherum ist es bei dem so genannten SPD-Finanzskandal. Da soll Thierse, der auch stellvertretender SPD-Chef ist, aufdecken, was bisher noch nicht aufgedeckt ist - ob es überhaupt ein Skandal ist. Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Hans-Peter Repnik, überschrieb die entsprechende Aufforderung in seiner Presseerklärung mit einem Spruch, den man bisher nur aus der Werbung für Zahnpasta kannte: "Thierse hat überhaupt nicht gebohrt." Na, da kann die Union doch weiter kräftig zubeißen. ----AM DIENSTAG traf sich Gerhard Schröder im Kanzleramt mit der "Parlamentarischen Linken" der SPD-Fraktion zum Meinungsaustausch. Rund 320 Leute waren da, darunter 90 Abgeordnete. Der Rest waren Mitarbeiter. Die Stimmung war nicht schlecht, berichten Teilnehmer, zumal der Kanzler die Ökosteuer kräftig verteidigte. Nur bei der Rente gab es kritische Töne. Viele Gewerkschafter und Sozialpolitiker haben noch immer Bauchschmerzen wegen der privaten Säule. Schröder habe zur Geschlossenheit gemahnt, wird berichtet, und es sei auch der Satz gefallen: "Wer will, dass wir die Wahl verlieren, der muss dagegen stimmen." Schon nervös?----KLAUS STAECK hat es mit seinen rot-grünen Freunden nicht leicht. Da hängt der Polit-Künstler sich als einer der wenigen Intellektuellen für die Ökosteuer aus dem Fenster und die Regierung interessiert sich nicht dafür. Parallel zur Trucker-Blockade in Berlin hatte Staeck zusammen mit dem SPD-Altlinken Erhard Eppler eine Pressekonferenz angesetzt, um verbal gegen zu halten. Das Kanzleramt hatte Staeck von dem Vorhaben informiert. "Nicht mal geantwortet haben sie mir", sagte der enttäuschte Aktivist. ----DIE ZUKUNFT der ausgeschiedenen Grünen-Vorsitzenden Gunda Röstel hat zwar ihre Parteifreunde nicht gerade brennend interessiert, wohl aber den Kanzler. Bei einem der zahlreichen Polit-Feste zog Gerhard Schröder Umweltminister Jürgen Trittin beiseite und sagte, für so eine "talentierte Frau" müsse man doch was tun. Dass Röstel nun bei der Eon-Tochter Gelsenwasser anfängt, dürfte aber kaum Trittins Verdienst sein - Eon ist schließlich Atomkraftbetreiber und daher dem Umweltminister nur bedingt zu Dank verpflichtet. Immerhin sah der Grüne sich durch Röstels Einstieg bei Gelsenwasser zu einem Kalauer inspiriert: "Gunda, jetzt kann dir keiner mehr das Wasser reichen." ---FRAUEN haben es offenbar nicht nur im Iran nicht leicht, sondern auch im Bundeswirtschaftsministerium. Dessen Chef, Werner Müller, reist am Sonntag nach Teheran. Mitreisende Journalistinnen müssen sich dabei den Gepflogenheiten des Gastlandes fügen. Schon bei der Visabeantragung in der iranischen Botschaft in Dahlem mussten sie sich verhüllen. Doch diese Vorschrift wurde von einem von Müllers Pressesprechern noch überboten: Von den Journalistinnen gefragt, was sie denn auf die Reise mitnehmen sollten, antwortete er: "Ein Kochtuch natürlich, äh, ein Kopftuch meine ich." So kam ganz nebenbei heraus, warum das Wirtschaftsministerium sich Frauenquoten in Betrieben widersetzt. Geschirrtücher in der Küche stehen den Damen doch viel besser!

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