Frauenrechtlerin

Gloria Steinem ist tot: Sie gab der US-Frauenbewegung eine Stimme

Als Journalistin deckte sie die Arbeitsbedingungen im Playboy Club auf, später wurde sie zu einer Ikone des Feminismus. Gloria Steinem kämpfte bis zuletzt für Gleichberechtigung.

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Gloria Steinem bei der Gala zum 30-jährigen Bestehen der Frauenrechtsorganisation Equality Now im November 2022 in New York.

Gloria Steinem bei der Gala zum 30-jährigen Bestehen der Frauenrechtsorganisation Equality Now im November 2022 in New York.

© Kristin Callahan/imago

Gloria Steinem, eine der einflussreichsten Feministinnen der USA, ist tot. Die Journalistin, Autorin und politische Aktivistin starb am Mittwoch im Alter von 92 Jahren in ihrem Haus in New York.

Steinem sei friedlich und im Beisein ihr nahestehender Menschen gestorben, teilte Gloria’s Foundation auf ihrem offiziellen Instagram-Kanal mit. Eine Todesursache wurde zunächst nicht genannt.

„Sie setzte ihre Arbeit für Gleichberechtigung bis ganz zuletzt fort“, erklärte die Stiftung. Steinems größte Gabe sei ihre Fähigkeit gewesen, anderen zuzuhören und ihnen das Gefühl zu geben, gesehen und gehört zu werden.

Gloria Steinem prägte die zweite Welle des Feminismus

Steinem gehörte seit Ende der 1960er-Jahre zu den bekanntesten Stimmen der amerikanischen Frauenbewegung. Über mehr als fünf Jahrzehnte setzte sie sich für Gleichberechtigung, reproduktive Rechte, gleiche Bezahlung und den Schutz von Frauen vor Gewalt ein.

Sie sei zu einer prägenden Figur der zweiten Welle des Feminismus geworden und habe Generationen von Frauen beeinflusst, schreibt Reuters in seinem Nachruf.

Gloria Marie Steinem wurde am 25. März 1934 in Toledo im US-Bundesstaat Ohio geboren. Nach ihrem Abschluss am Smith College verbrachte sie zwei Jahre in Indien. Dort beschäftigte sie sich mit gewaltfreiem Widerstand und der Arbeit Mahatma Gandhis, wie aus ihrer offiziellen Biografie hervorgeht.

Undercover im Playboy Club

Bekannt wurde Steinem 1963 mit einer Undercover-Recherche im New Yorker Playboy Club. Elf Tage lang arbeitete sie dort als Playboy Bunny. In ihrem zweiteiligen Artikel A Bunny’s Tale beschrieb sie die schlechte Bezahlung und die sexistische Behandlung der Kellnerinnen.

1968 half Steinem bei der Gründung des New York Magazine, für das sie als politische Kolumnistin und Reporterin arbeitete. Ihr 1969 veröffentlichter Essay After Black Power, Women’s Liberation machte sie landesweit als feministische Autorin bekannt.

Im selben Jahr besuchte Steinem eine Veranstaltung in New York, bei der Frauen öffentlich über ihre Abtreibungen sprachen. Steinem hatte selbst im Alter von 22 Jahren in London eine damals illegale Abtreibung vornehmen lassen. Später bezeichnete sie die Veranstaltung als einen entscheidenden Moment für ihr politisches Engagement.

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Mit Ms. brachte sie Frauenthemen an die Kioske

1972 gründete Steinem gemeinsam mit anderen Journalistinnen das Magazin Ms. Es behandelte Abtreibung, häusliche Gewalt, Sexismus und ungleiche Bezahlung zu einer Zeit, als sich viele Frauenzeitschriften vor allem mit Mode, Kochen und dem Familienleben beschäftigten.

Steinem war zudem an der Gründung des National Women’s Political Caucus, der Ms. Foundation for Women und des Women’s Media Center beteiligt. Die Organisationen unterstützten Frauen bei politischen Kandidaturen, finanzierten Projekte für Frauen und Mädchen und setzten sich für eine stärkere Präsenz von Frauen in den Medien ein.

2013 verlieh der damalige US-Präsident Barack Obama Steinem die Presidential Medal of Freedom, die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten.

Neue Autobiografie erscheint nach ihrem Tod

Bis ins hohe Alter blieb Steinem publizistisch und politisch aktiv. Ihr 2015 erschienenes Buch My Life on the Road wurde zur Vorlage für den Film The Glorias von Regisseurin Julie Taymor.

Erst im März hatte Random House eine weitere Autobiografie Steinems angekündigt. In An Unexpected Life blickt sie auf ihre Kindheit und ihren Weg in die Frauenbewegung zurück. Das bereits fertiggestellte Buch soll nach Angaben des Verlags am 22. September erscheinen.

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