Nach dem Einsturz eines Wohnhauses in der sächsischen Stadt Görlitz haben Einsatzkräfte in den Trümmern eine dritte Leiche gefunden. Es handelt sich nach Angaben der Polizei um einen Mann – mit hoher Wahrscheinlichkeit um den vermissten 48-Jährigen.
„Die Vermisstensuche ist jetzt beendet“, sagte ein Polizeisprecher. Der Tote werde nun in der Rechtsmedizin untersucht, Ergebnisse würden erst in den kommenden Tagen erwartet.
Bereits zuvor waren zwei Frauenleichen aus den Trümmern geborgen worden. In der Nacht zu Donnerstag bargen die Einsatzkräfte zunächst die Leiche einer 25 Jahre alten rumänischen Touristin, wenige Stunden später die einer 26-Jährigen. Nach Polizeiangaben handelt es sich um zwei Frauen aus Rumänien, die als Touristinnen nach Görlitz gekommen waren. „Der Notarzt konnte nur noch den Tod der beiden Frauen feststellen“, sagte Polizeisprecher Stefan Heiduck.
Görlitz: Polizei hofft weiter auf Überlebende unter Trümmern
Einsatz mit Kameras, Spürhunden und bloßen Händen
Nach den drei Vermissten war unermüdlich gesucht worden, unter anderem mit Spürhunden. Teils arbeiteten sich die Einsatzkräfte auch mit Schaufeln und bloßen Händen durch den Trümmerberg. Beim Bergen kamen zudem Radlader, Bagger, Kräne und ein Saugbagger zum Einsatz.
„Wir sind schon im Bereich des Kellers, haben Kameras eingesetzt, die weit in die Tiefe kommen“, hatte zuvor Susan Schmidt vom Technischen Hilfswerk (THW) gesagt. Rund 15 Helfer seien pro Gebäudeseite im Einsatz gewesen, am Nachmittag waren insgesamt etwa 50 THW-Kräfte vor Ort. Die Hoffnung, Vermisste lebend zu finden, war im Laufe des Donnerstags geschwunden. „Die sogenannte ‚goldene Rettungszeit' liegt meist in den ersten 24 bis 72 Stunden – in diesem Zeitraum sind die Überlebenschancen am höchsten“, erklärte Andrea Wirth vom THW-Landesverband Sachsen, Thüringen.
Oberbürgermeister im Kontakt mit Angehörigen
Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) hielt während der Suche engen Kontakt zu den Angehörigen der Opfer. Vor Ort war unter anderem die Mutter der 26-Jährigen aus Rumänien. „Heute war die Mutter dabei, erstaunlich gefasst“, sagte Ursu. Sie habe erwartet, dass eine schlimme Nachricht komme.
Ursu, der selbst aus Rumänien stammt, sagte, es sei für die Unterstützung der Angehörigen wichtig gewesen, dass er „ein bisschen mehr in der Landessprache vermitteln“ konnte. Polizei und Seelsorger stünden zudem in Kontakt mit der Familie des vermissten Mannes in Magdeburg. Für die Betreuung waren Notfallseelsorger sowie ein rumänischer Pfarrer aus Dresden und ein rumänisch-ukrainischer Pfarrer aus Zittau vor Ort.
Oberbürgermeister vermutet Gasleck als Ursache
Das Haus, in dem sich laut Polizei Miet- und Ferienwohnungen befanden, war am Montagabend aus bislang ungeklärter Ursache eingestürzt. Ursu vermutet ein Gasleck. „Aber es sieht nach einer Gasexplosion aus“, sagte er. Wenige Stunden nach dem Einsturz des Gründerzeithauses in der James-von-Moltke-Straße sei nach Polizeiangaben ein Gasleck gefunden worden. Der Bereich um das Haus wurde nach dem Unglück weiträumig evakuiert und abgesperrt. (mit dpa)
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