Es sind oft die Reihenfolgen, an denen sich regierungsamtliche Darstellungen messen lassen. In der aktuellen Regierungspressekonferenz eröffnete die Sprecherin des Auswärtigen Amts (AA), Kathrin Deschauer, mit der Reiseankündigung des Ministers: Johann Wadephul besucht an diesem Mittwoch die Münchner Zentrale des Goethe-Instituts, trifft die Leitung um Präsidentin Gesche Joost und schaltet sich per Videoübertragung zu den Mitarbeitern weltweit. Das Institut, so die Sprecherin, leiste in fast 100 Ländern wichtige Arbeit; im „globalen Wettbewerb um die besten Köpfe und Narrative“ komme ihr wachsende Bedeutung zu.
Was in dieser Würdigung fehlte, war der Anlass, der den Termin überhaupt erst zu einem Politikum macht: die Schließung der drei verbliebenen Goethe-Institute in Moskau, St. Petersburg und Nowosibirsk. Erst auf Nachfrage wurde erkennbar, wie das Auswärtige Amt diesen Vorgang erzählt – welchen Teil der Chronologie es dabei ausspart und was dies über das Selbstverständnis der Bundesregierung verrät.
Diplomatie
„Weil es den Tatsachen entspricht“: Wie das Auswärtige Amt die Goethe-Schließung in Russland darstellt
Eine Schließung ohne Ursache, eine Reaktion ohne Aktion: Das Auswärtige Amt beansprucht Faktentreue – und lässt dabei die eigene Rolle sowie die entscheidende Vorgeschichte weg.
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Das Goethe-Institut in Moskau: Nachdem die Bundesregierung den Vertragsrahmen für das Russische Haus in Berlin gekündigt hatte, ordnete der Kreml als Reaktion die Schließung der Goethe-Institute an.
© IMAGO/Timur Gusarov
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