Umweltkriminalität

Illegaler Goldabbau und Artenhandel: Interpol gelingt Schlag gegen Umweltverbrechen in Lateinamerika

Bengal-Tiger, Papageien und mehrere Tonnen Zyanid gehören zu den Funden. Ermittler stießen auf ein Firmennetz mit Verbindungen auf drei Kontinente.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Ein Jaguar in Mexiko. Bei der Interpol-Operation stellten die Behörden dort unter anderem Jaguare und andere Großkatzen sicher.

Ein Jaguar in Mexiko. Bei der Interpol-Operation stellten die Behörden dort unter anderem Jaguare und andere Großkatzen sicher.

© Francisco Morales/imago

Bei einer von Interpol koordinierten Operation gegen Umweltkriminalität in Lateinamerika und der Karibik sind 233 Menschen festgenommen worden. Das teilte die internationale Polizeiorganisation mit Sitz im französischen Lyon am Mittwoch mit.

Die beteiligten Behörden stellten zudem mehr als 1000 lebende Tiere sicher und identifizierten rund 60.000 Hektar illegal gerodeten Wald – eine Fläche größer als der Bodensee.

Die Operation „Madre Tierra VIII“ lief vom 1. Juni bis 31. Juli und richtete sich gegen illegalen Holzeinschlag, Goldabbau und Artenhandel. Beteiligt waren Behörden in Kolumbien, Costa Rica, der Dominikanischen Republik, El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko, Nicaragua und Panama.

Die Behörden bearbeiteten mehr als 330 Fälle und ermittelten gegen über 300 weitere Verdächtige. Beschlagnahmt wurden unter anderem rund 4,6 Tonnen Zyanid sowie Quecksilber und Munition. Beide Chemikalien werden beim illegalen Goldabbau eingesetzt und belasten Gewässer und Böden.

Interpol, offiziell Internationale Kriminalpolizeiliche Organisation, ist eine zwischenstaatliche Organisation mit 196 Mitgliedstaaten. Eigene Ermittlungs- oder Festnahmebefugnisse hat Interpol nicht – solche Maßnahmen bleiben Sache der nationalen Behörden.

Abholzung von Regenwald im Amazonas

Ein zentrales Verfahren begann in Kolumbien, wo die Behörden gegen elf ausländische Unternehmen ermittelten. Diese sollen für die Rodung von mehr als 52.000 Hektar geschütztem Amazonaswald verantwortlich sein.

Während dieser Operation stießen die Ermittler nach Angaben von Interpol auf Verbindungen zu weiteren 161 Firmen und 65 Personen auf mehreren Kontinenten. Dabei seien mutmaßlich gefälschte Genehmigungen, Scheinfirmen und Investitionen aus dem Ausland genutzt worden. In Kolumbien führten Razzien zu 16 Festnahmen, zudem wurden digitale Beweismittel sichergestellt. Interpol veröffentlichte mehrere internationale Ausschreibungen.

„Der Spur des Geldes zu folgen, etwa von einer illegalen Goldmine in Panama zu einem Käufer in Nordamerika, Europa oder Asien, hilft dabei, Verfahren über die Personen vor Ort hinaus auszuweiten“, erklärte Krandall Gullock, Leiter des Interpol-Regionalbüros für Zentralamerika.

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Bengal-Tiger und Haifischflossen

Beim Artenschutz lag ein Schwerpunkt auf Schmuggelrouten nach Europa und Asien. In Mexiko retteten die Behörden mehrere Großkatzen, darunter zwei vom Aussterben bedrohte Bengal-Tiger – einer davon ein seltener weißer Tiger –, außerdem Löwen, Ozelots und Jaguare. In Nicaragua wurden zahlreiche geschützte Vögel beschlagnahmt, darunter Papageien und Aras.

Reptilien, Vögel und seltene Insekten machten den Großteil der sichergestellten Tiere aus. Zudem beschlagnahmten die Ermittler rund 165 Kilogramm getrocknete Haifischflossen im geschätzten Wert von 280.000 US-Dollar.

„Diese Fälle zeigen die grenzüberschreitende Natur der Umweltkriminalität“, sagte Thomas Ungerbuehler, bei Interpol zuständig für den Bereich Umweltsicherheit. Artenreiche Länder würden zunehmend als Herkunftsorte hochwertiger Güter für illegale Märkte weltweit ins Visier genommen.

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