Im Marmorsaal des Palais am Festungsgraben wurde im August bei Untersuchungen der Decke zwischen Erdgeschoss und Marmorsaal Echter Hausschwamm festgestellt, mittlerweile auch im angrenzenden Wandbereich. Der Befund ist zwischen dem Gorki-Theater und der landeseigenen BIM Berliner Immobilienmanagement, die das Palais verwaltet, unstrittig.
Der Saal, der in der ersten Spielzeit von Gorki-Intendantin Çagla Ilk als zweite Bühne dienen sollte, ist damit vorerst nicht nutzbar. Das Gorki-Theater hat sich von der geplanten Interimsnutzung zurückgezogen und rechnet nach eigenen Angaben mit finanziellen Risiken im sechsstelligen Bereich, da Teile des Programms kurzfristig umgeplant werden müssen.
Die Ausgangslage
Der Marmorsaal war als einer von zwei geplanten Interimsräumen im Palais vorgesehen, während dort bis voraussichtlich Mitte 2027 umfangreiche Bauarbeiten laufen. Zwischen Gorki-Theater und BIM besteht für diese Nutzung bislang kein unterschriebener Mietvertrag, sondern eine im Protokoll festgehaltene mündliche Zusage sowie zwei aufeinanderfolgende Angebote, zuletzt vom Juli 2026.
Unabhängig vom Schwammfund fehlte zudem bis zuletzt die für die Nutzung erforderliche Baugenehmigung. Dass diese überhaupt notwendig ist, war beiden Seiten offenbar zunächst nicht bewusst: Die Räume waren zuvor bereits für Veranstaltungen genutzt worden, ohne dass dafür eine Baugenehmigung vorlag – ein Zustand, der laut BIM genehmigungsrechtlich ohnehin unklar war.
Die laufende Baumaßnahme soll nun einen ordnungsgemäßen Zustand samt der erforderlichen Brandschutzmaßnahmen herstellen. Für eine vorzeitige Nutzung während der Bauphase verlangt die Rechtslage jedoch eigene Genehmigungen, unabhängig von der früheren Nutzungspraxis. Für einen entsprechenden Bauantrag hätte nach Angaben aus dem Umfeld des Theaters mit Vorlauf- und Bearbeitungszeiten von jeweils mehreren Monaten gerechnet werden müssen – eine Frist, die bis zur geplanten Oktober-Eröffnung ohnehin kaum noch einzuhalten gewesen wäre.
Offene Frage zur Kommunikation
Unterschiedlich beurteilt wird, ob und wann die BIM das Gorki über die Untersuchung der Decke informiert hat. Die BIM erklärt, die Sondierung sei im Rahmen der monatlichen Abstimmungsgespräche, die seit Herbst 2025 zwischen beiden Häusern stattfanden, mündlich angekündigt worden; sie begründet die Untersuchung mit erkannten Mängeln an statischen Maßnahmen aus einer Sanierung der 1980er-Jahre und verweist darauf, dass ein Abwarten angesichts des fortgeschrittenen Befalls zu einer akuten Gefährdung während des laufenden Spielbetriebs hätte führen können.
Das Gorki-Theater bestreitet, vorab informiert worden zu sein, und verweist auf Gesprächsprotokolle, die dieser Zeitung in Teilen vorliegen: Darin findet sich keine Ankündigung einer geplanten Untersuchung der Decke, wohl aber wiederholte, ausdrückliche Nachfragen des Theaters zu Schadstoffen, Tragwerk und möglichen Verzögerungen über den gesamten Abstimmungszeitraum hinweg.
Nach eigener Darstellung habe man sich monatelang aktiv um Transparenz bemüht und darauf vertraut, über spielzeitgefährdende Entwicklungen informiert zu werden. Bei einem gemeinsamen Termin Ende August einigten sich beide Seiten darauf, die Frage der Kommunikation anhand der vorliegenden Protokolle gemeinsam weiter zu klären, statt sie einseitig zu bewerten.
Nach dem Tod der BIM-Chefin
Die Untersuchung der Deckenkonstruktion fiel in eine Phase, in der die Geschäftsführung der BIM zunächst unbesetzt war: Die langjährige Geschäftsführerin Birgit Möhring starb am 15. August, kurz bevor der Befund bekannt wurde. Der Aufsichtsrat hat die Geschäftsführung inzwischen kommissarisch neu besetzt: Tatjana Adams übernimmt übergangsweise die kaufmännische, Rudolf Birkholz die technische Geschäftsführung. Eine langfristige Nachfolge steht damit weiterhin aus.
Betroffene Produktionen sollen nun ins Gorki-Studio verlegt werden. Die Sanierung des Palais insgesamt soll laut BIM bis Mitte 2027 abgeschlossen sein; eine reguläre Nutzung durch das Theater ab der Spielzeit 2027/28 gilt weiterhin als möglich. Nun wird am Freitag, den 4. September, aber erst einmal das Theater selbst eröffnet, mit der Installation von Sarki zu dem polnischen Theatergenie Tomasz Kantor.
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