In der Nordhälfte fällt an diesem Mittwoch aus einzelnen Gewittern Graupel – am zweiten Tag des meteorologischen Herbstes. Der Deutsche Wetterdienst erwartet dazu Böen um 55 km/h, einzelne Spitzen um 65 km/h schließt er nicht aus.
Im Süden hält sich Hochdruck, und bis Freitag wächst der Abstand zwischen beiden Landeshälften auf 15 Grad.
Graupel und 65 km/h: Was heute über den Norden zieht
Deutschland liegt an diesem Mittwoch unter zwei Wetterregimen. Über dem Norden und der Mitte bestimmt Tiefdruck das Bild, im Süden macht sich Hochdruck bemerkbar. Dazwischen strömt mit westlichem Wind mäßig warme Meeresluft heran.
Im Nordwesten und Norden entstehen im Tagesverlauf erneut einzelne Gewitter, dazu nennt der Wetterdienst Böen um 55 km/h – das entspricht Windstärke 7 – und Graupel.
Graupel Anfang September klingt nach Ausreißer, hat aber eine simple Ursache: kalte Luft in der Höhe. In einer hochreichenden Schauerwolke gefrieren unterkühlte Tröpfchen an Eiskeimen an und wachsen zu weichen weißen Körnern, die auf dem Weg nach unten nicht mehr ganz schmelzen. Einzelne Böen um 65 km/h, Windstärke 8, sind nicht gänzlich ausgeschlossen.
An der nordfriesischen Küste kann der Westwind vor allem in Schauernähe auf 55 km/h auffrischen. In der Nacht zum Donnerstag klingen die Gewitter rasch ab.
Wer früh unterwegs ist, sollte in der Mitte und im Süden auf Nebel achten. In Flusstälern bildet sich stellenweise flacher Nebel, die Sichtweite kann unter 150 Meter sinken.
Die amtlichen Warnungen des Wetterdienstes gelten kleinräumig und werden laufend fortgeschrieben. Wo genau eine Gewitterzelle durchzieht, lässt sich meist erst wenige Stunden vorher eingrenzen. Die Vorhersage benennt deshalb Wahrscheinlichkeiten für ganze Regionen.
Donnerstag: 70 km/h auf dem Brocken, Böen auf den Nordseeinseln
Zum Donnerstagmorgen frischt der Südwestwind auf. Auf den Nordseeinseln rechnet der DWD vermehrt mit Böen bis 60 km/h, auf dem Brocken mit stürmischen Böen um 70 km/h.
Berlin und Brandenburg liegen bei alldem am Rand. Für Mittwoch nennt der Wetterdienst hier keine markanten Wettererscheinungen, erst für Donnerstag hält er im Nordosten kurze Gewitter für möglich.
Bundesweit bleibt es am Donnerstag vom Norden bis in die Mitte stark bewölkt, im Umfeld von Nord- und Ostsee fällt zeitweise Regen, vereinzelt gewittrig. Die Temperaturen liegen noch fast einheitlich bei 22 bis 26 Grad, bei Regen bei rund 17 Grad.
Der Freitag legt beim Wind noch einmal zu. An den Küsten sind verbreitet stürmische Böen zu erwarten, an der Küste Schleswig-Holsteins und auf dem Brocken auch Sturmböen der Windstärke 9, also ab 75 km/h. Selbst im norddeutschen Tiefland sind einzelne stürmische Böen möglich.
15 Grad Unterschied: Der Freitag spaltet das Land
Dieser Freitag bringt die größte Spanne der Woche. Im Norden bleibt es bei 18 bis 24 Grad, südlich einer Linie von Köln nach Berlin klettern die Werte auf 25 bis 30 Grad, im äußersten Südwesten sind örtlich bis zu 33 Grad möglich.
Zwischen einer Sturmböe auf Sylt und einem heißen Tag am Oberrhein liegen dann rund 15 Grad und etwa 800 Kilometer Luftlinie.
Verantwortlich ist eine Südwestlage. Tiefausläufer ziehen von Island Richtung Skandinavien und streifen mit ihrem Südrand nur die Nordhälfte, während ein Hochdruckkeil des Azorenhochs den Süden abschirmt.
72 Prozent des Solls: Warum die Schauer die Dürre nicht lösen
Der Regen fällt auf ein Land, das gerade den zweitwärmsten Sommer seiner Messgeschichte hinter sich hat. Der DWD beziffert das Sommermittel auf 19,6 Grad, nur der Jahrhundertsommer 2003 lag mit 19,7 Grad darüber.
Beim Niederschlag kamen bundesweit rund 171 Liter pro Quadratmeter zusammen, das sind 72 Prozent des Solls von 239 Litern. Vor allem der markant niederschlagsarme Juli vergrößerte das Defizit, der August brachte nur regional Entlastung, wie der Wetterdienst in seiner Bilanz festhält.
Für die Böden zählt nicht, dass es regnet, sondern wie lange. Kurze Schauer versickern kaum, ein großer Teil läuft auf ausgetrockneten Flächen oberflächlich ab. Schon im August folgte auf jede Gewitterlage die Ernüchterung, dass an den Pegeln kaum etwas ankam.
Wochenende: Kommt der Spätsommer noch einmal zurück?
Kurz gesagt: Ja, aber erst am Sonntag. In der Nacht zum Samstag zieht die Regenfront nach Süden, der Samstag beginnt dort bewölkt und nass, am Nachmittag zieht der Niederschlag zügig nach Südosten ab.
Dahinter dreht der Wind auf Nordwest und frischt im Nordosten sowie an den Küsten stark böig bis stürmisch auf. Mit ihm kommt frischere Luft, die Temperaturen gehen auf 18 bis 24 Grad zurück.
Dann schiebt sich ein Zwischenhoch über Deutschland. Der Regen hört auf, die Sonne setzt sich durch. Der meteorologische Herbst ist am Sonntag sechs Tage alt, im Westen und Südwesten zeigt das Thermometer 28 Grad.
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