Großbritannien hat Finnland und weiteren nordeuropäischen Staaten Schutz durch seine Atomwaffen im Rahmen der Joint Expeditionary Force (JEF) angeboten. Das berichtete die finnische Zeitung Iltalehti unter Berufung auf den britischen Marinechef Gwyn Jenkins und den Vorsitzenden des finnischen Verteidigungsausschusses, Heikki Autto.
Autto bestätigte der Nachrichtenagentur STT, dass London sein Engagement für die Sicherheit der JEF-Staaten ausdrücklich auch auf die nukleare Abschreckung beziehe. Eine Vereinbarung über neue gemeinsame Kampfverbände soll im November in Oslo unterzeichnet werden.
Jenkins sagte laut Iltalehti bei einem Besuch in Finnland, das Land stehe bereits unter einem nuklearen Schutzschirm. Gewährleistet werde dieser durch britische U-Boote, die derzeit im Atlantik patrouillierten. Die britischen Atomwaffen sollten auch das Rückgrat der Abschreckung für die geplanten JEF-Verbände bilden, berichtete STT unter Berufung auf das Interview. Einzelheiten einer neuen britischen Zusage wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Neue Truppe könnte ohne Nato-Beschluss handeln
Die von Großbritannien geführte JEF ist ein Zusammenschluss von zehn Staaten: Neben Finnland und Großbritannien gehören ihr Schweden, Norwegen, Dänemark, Island, Estland, Lettland, Litauen und die Niederlande an. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Sicherheit Nordeuropas, insbesondere im Ostseeraum und im Nordatlantik.
Die Gruppe kann gemeinsame militärische Maßnahmen vorbereiten, ohne dass zuvor der Bündnisfall nach Artikel 5 des Nato-Vertrags festgestellt werden muss. Das britische Verteidigungsministerium bezeichnet die JEF als multinationalen Verband für gemeinsame Einsätze.
Autto sieht die geplanten Verbände als Ergänzung der finnischen Landesverteidigung und der Nato-Mitgliedschaft. Gegenüber Iltalehti verwies er auf Russlands langfristige Bedrohung für die Sicherheit der Region. Für Finnland sei zudem entscheidend, dass Großbritannien sich als Seemacht für den Schutz des Verkehrs auf der Ostsee einsetze.
Verteidigungsminister Antti Häkkänen sollte den parlamentarischen Verteidigungsausschuss am Dienstag über die Pläne unterrichten. Eine Stationierung von Atomwaffen in Finnland in Friedenszeiten sei nach Auttos Angaben weiterhin nicht vorgesehen.
Britische Abschreckung schon der Nato zugeordnet
Was die Ankündigung über bestehende Zusagen hinaus konkret ändert, ist noch offen. In einem Bericht an das britische Parlament vom September erklärt das Verteidigungsministerium, die britische nukleare Abschreckung sei bereits der Verteidigung der Nato zugeordnet. Über einen Einsatz könne allein der britische Premierminister entscheiden. London würde Atomwaffen demnach nur unter extremen Umständen der Selbstverteidigung in Betracht ziehen, einschließlich der Verteidigung seiner Nato-Verbündeten.
Sämtliche derzeitigen JEF-Mitglieder gehören auch der Nato an. Eine gesonderte schriftliche britische Erklärung zur nun berichteten JEF-Zusage lag zunächst nicht vor.
Finnland hat seine Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung zuletzt auch mit Frankreich vertieft. Mitte September schloss sich das Land einer französischen Initiative an. Präsident Alexander Stubb sagte damals, diese Zusammenarbeit ergänze die Abschreckung der Nato. Auch französische Atomwaffen sollen nach seinen Angaben nicht dauerhaft in Finnland stationiert werden.
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