Letztlich hat es der 1. FC Union Berlin geschafft und den Einzug in die Champions League am letzten Spieltag der Bundesliga gegen den SV Werder Bremen endgültig gesichert. Rani Khedira schoss die Eisernen in der 81. Minute in die Königsklasse und ließ das Stadion an der Alten Försterei für etliche Minuten erbeben. In Köpenick hat man noch gar nicht richtig realisiert, was Cheftrainer Urs Fischer und seine Mannschaft erreicht haben.
Ein klarer Sternenhimmel hatte die Nacht zwischen Sonnabend und Sonntag erleuchtet. Union spielt international – dieses Mal im hochklassigsten Fußball-Wettbewerb Europas. Unser Reporter hat den Tag hautnah miterlebt. Das Protokoll!
Die letzte Einzelkritik der Saison: Matchwinner Khedira!
Ein Sonnabend in Unions Fankneipen: „Allet noch machbar!“
13:02 Uhr: Es sind noch mehr als zwei Stunden bis zum Anpfiff, der S-Bahnhof Köpenick ist trotzdem schon randvoll mit unzähligen Fans. Einige suchen noch nach einer Möglichkeit, um ins ausverkaufte Stadion zu gelangen. „Suche Karte“, haben einige Unioner auf einen Pappkarton geschrieben, den sie hoch in die Luft halten. Alle wissen, dass sie Zeuge eines historischen Moments werden können. Die wenigsten der Suchenden werden am Ende Erfolg haben.
13:23 Uhr: Fans beider Teams laufen zum Teil gemeinsam zum Stadion an der Alten Försterei. Die Bremer sehen ob des bereits geschafften Klassenerhalts locker aus, die Unioner ein wenig angespannter. Das muss auch so sein.
14:03 Uhr: Die versammelten Journalisten sind positiv überrascht. Im Presseraum gibt es heute – ausnahmsweise – warme Mahlzeiten. Currywurst und Gemüsepfanne, dazu wie immer belegte Brötchen. Ein Kollege redet sogar schon vom Champagner, der nach dem Spiel serviert werden könnte. Es schmeckt nach Champions League!
14:20 Uhr: Das Stadion füllt sich schon über eine Stunde vor Anpfiff. Jeder will den vermeintlich besten Platz. Die Fans singen und feiern ihre Mannschaft. Sie sind froh über eine hervorragende Saison, was jetzt noch kommen könnte, ist nur das Sahnehäubchen auf dem Kuchen.
14:37 Uhr: Das Torhüter-Gespann um Frederik Rönnow kommt auf das Feld und es wird erstmals so richtig laut. Kein Gegentor heute, dann könnte es mit der Königsklasse klappen. Vorne geht irgendwie schon einer rein.
14:50 Uhr: Der Rest der Mannschaft läuft auf den Rasen. Im Stadion verbreitet sich ein einziger Schrei: „Eisern Union, Eisern Union“.
15:10 Uhr: Union verabschiedet sich von vier Spielern, die den Verein verlassen werden. Ein großer Applaus zum Abschied also für: Levin Öztunali, Tim Maciejewski, Niko Gießelmann und Timo Baumgartl, die sich aufgrund der persönlichen sportlichen Situation zur Suche nach einer neuen Herausforderung gezwungen sehen.
15:24 Uhr: Die Choreografie wird herabgelassen und das Stadion färbt sich Rot-Weiß. „Ob in Europa oder am Abgrund, ob mit Freude oder Frust, unendlicher Stolz durch das Wappen auf der Brust“, steht auf zwei langen Bannern.
15:39 Uhr: Elfmeter oder nicht? Janik Haberer wird im Strafraum vermeintlich gefoult, der Schiedsrichter ist sich ganz sicher: Strafstoß. Der Video-Assistent schreitet jedoch ein und sieht deutlich, dass der Bremer Verteidiger zuerst den Ball gespielt hat. Kein Elfer also, das Spiel geht weiter. Die Heimfans haben zu früh gejubelt. Mit 0:0 geht es in die Kabinen.
16:22 Uhr: Die Unioner genießen die Pause. 15 Minuten Luft holen. Fans essen Wurst im Brötchen und trinken Bier: „Wat, Dortmund verliert 2:0?“ Der Meisterkampf ist auch ohne Union-Beteiligung interessant. Weil Freiburg durch ein Tor von Vincenzo Grifo in Frankfurt führt, wären die Köpenicker in diesem Moment nur in der Europa League.
16:44 Uhr: Großer Jubel! Endlich die Führung der Hausherren. Sheraldo Becker trifft und das Stadion bebt vor Begeisterung. Der Schiedsrichter unterbricht jedoch die Feierlichkeiten. Er hebt die Hand und entscheidet zu Recht auf Abseits. Wieder zu früh gefreut.
17:10 Uhr: Tooor von Rani Khedira. „Fußballgott!!!“, schallt es aus Tausenden Kehlen. Sven Michel legt vor und Khedira trifft im Stile eines Torjägers ins rechte Eck. Das war’s jetzt fast, die Eisernen sind Sekunden entfernt vor der ersten Champions-League-Qualifikation in ihrer Vereinsgeschichte.
Interview mit Claus Peymann, Teil 2: „Auf Union kann die ganze Stadt stolz sein“
17:14 Uhr: Die Journalisten fangen auf der Pressetribüne an, sich die Hände zu reiben. Geht’s nächstes Jahr gegen Real Madrid? Vielleicht Manchester City oder doch Paris Saint-Germain?
17:24 Uhr: Der 1. FC Union Berlin ist in der Champions League! Der Schiedsrichter pfeift ab, Stadionsprecher Christian Arbeit bittet alle Fans, an ihren Plätzen zu bleiben. Man umarmt sich, man weint, man fasst es kaum. Union ist königlich. „Wat ’ne Saison, da kannste echt nich’ meckern“, steht auf einem Transparent der Union-Fans. Alles erscheint surreal.
17:41 Uhr: Die Champions-League-Hymne ertönt im Stadion an der Alten Försterei. Die Eisernen Anhänger singen sie mit und beenden mit einem Schrei, der bis nach Charlottenburg zu hören ist: „The Champions!!!“ Gänsehaut!
17:54 Uhr: Union-Spieler schlendern schreiend durch die Mixed Zone, da wird ordentlich Bier getrunken und gefeiert. Solche Leistungen verbringt man nicht alle Tage.
18:08: „Sarà perché ti amo“ von der italienischen Pop-Gruppe Ricchi e Poveri ertönt von den Umkleidekabinen. Die Tür öffnet sich kurz und man kann die Spieler sehen, die mitsingen, springen und sich über den wichtigen Sieg freuen.
18:15: Urs Fischer kommt in den Presseraum. Er sieht sehr mitgenommen aus. Lange musste er auf das Tor seiner Elf warten, aber enttäuscht wurde er am Ende nicht. Er freut sich, er glaubt kaum, was er und seine Mannschaft vollbracht haben.
18:40: Der Verein schaut vom Balkon, der sich über dem Parkplatz der Alten Försterei befindet, hervor. Die Fans jubeln, essen, trinken und singen, sie sind froh teil dieser Geschichte des Berliner und deutschen Fußballs zu sein. Ein Underdog ist auf Tabellenplatz vier und spielt nächstes Jahr mit den ganz ganz Großen.
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