Grüne legen Bilanz der Entwicklungsgebiete vor: Land zahlte 1,14 Milliarden Euro und baute nur jede vierte geplante Wohnung

"Ein finanzielles Desaster"

Christine Richter
3 Min

In diesem Jahr werden die fünf Entwicklungsgebiete, die der Berliner Senat im Jahr 1994 festgelegt hatte, aus diesem Status entlassen. Für den Senat und die zuständige Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) eine Erfolgsgeschichte, für die Berliner Grünen jedoch ein Desaster. "Die Entwicklungsgebiete waren stadtentwicklungspolitisch und finanziell eine Katastrophe", sagte der Grünen-Abgeordnete Oliver Schruoffeneger gestern, als er eine Bilanz der fünf Gebiete vorlegte (siehe Tabelle). So wurden insgesamt nur 25,47 Prozent der einstmals geplanten Wohnungen und nur 33,42 Prozent der geplanten Gewerbeflächen realisiert.Nach Ansicht der Grünen war die Grundidee nicht falsch. 1994, wenige Jahre nach der Wende, wurde für Berlin ein enormer Bevölkerungszuwachs prognostiziert. Der Senat beschloss deshalb einige Gebiete unter seiner Regie zu entwickeln, um Platz für neue Wohnungen und für Unternehmen zu schaffen. Doch die Baukosten in den fünf Entwicklungsgebieten - Biesdorf, Eldenaer Straße, Rummelsburger Bucht, Wasserstadt Oberhavel, Adlershof - waren sehr viel höher als in anderen Gegenden. Die Prognosen stellten sich schon nach zwei, drei Jahren als völlig überhöht heraus. Statt mit den Entwicklungsgebieten Geld zu verdienen, musste das Land Berlin immer mehr hineinstecken. Die Bilanz nach 14 Jahren: 1,14 Milliarden Euro investierte der Senat in diese fünf Entwicklungsprojekte.Nach Berechnungen des Grünen-Abgeordneten Schruoffeneger ist die Sache sogar noch teurer geworden. Im Jahr 2004 übernahm das Land Berlin nämlich 667 Millionen Euro Schulden von den Trägergesellschaften der Entwicklungsgebiete, außerdem wurde bis vor Kurzem vor Gericht noch über Forderungen der Gesellschaften gestritten. "Es werden rund 1,38 Milliarden Euro sein, die das Land in die Entwicklungsträger gepumpt hat", sagte Schruoffeneger. "Das ist ein finanzielles Desaster."Nach Meinung der Grünen hätte der Senat schon 1996/97 umsteuern und die Entwicklungsgebiete kleiner anlegen müssen. Außerdem seien die Trägergesellschaften nicht streng genug kontrolliert worden, sagte der Grünen-Politiker. "Die Entwicklungsträger waren über mehr als ein Jahrzehnt Moloche, in denen das Geld unkontrolliert verschwand, Vetternwirtschaft existierte und die Verschwendung gerade-zu angeregt wurde", sagte Schruoffeneger.Am besten sieht die Situation in der Rummelsburger Bucht und Adlershof aus. In der Rummelsburger Bucht wurden 47,3 Prozent der geplanten Wohnungen auch realisiert, allerdings nur 7,5 Prozent der anvisierten Gewerbeflächen. In Adlershof wurde das Gewerbe gestärkt und durch die Ansiedlung von Instituten und Forschungseinrichtungen der Humboldt-Universität erreicht, dass 42,9 Prozent der geplanten Gewerbeflächen auch genutzt werden. Allerdings hat es mit dem Wohnungsbau nicht funktioniert: Nur 8,1 Prozent der Planungen wurden realisiert.Jetzt sind die Bezirke und der Liegenschaftsfonds für die weitere Entwicklung der Flächen verantwortlich. "Das wird nicht einfach", prognostizierte Schruoffeneger.------------------------------Viel geplant, wenig gebautGebiet / Plan 1994 / Plan akt. / realisiert / ist gegenüber Plan '94 in %Biesdorf Wohnungen 5000 1350 670 13,4 Gewerbe/m2 415000 145000 85000 20,48Eldenaer Str. Wohnungen 2700 1300 455 16,85 Gewerbe/m2 217000 170000 67000 30,88Rummelsburger Wohnungen 5400 4200 2555 47,31 Bucht Gewerbe/m2 595980 300000 45000 7,55Wasserstadt Wohnungen 12700 7500 3845 30,28 Oberhavel Gewerbe/m2 1280000 910000 480000 37,50Adlershof Wohnungen 5500 1040 450 8,18 Gewerbe/m2 1687000 219500 725000 42,90Gesamt Wohnungen 31300 15390 7975 25,47 Gewerbe/m2 4194980 3720000 1402000 33,42------------------------------Foto: An Attraktivität gewonnen: In der Rummelsburger Bucht nahe der Spree sind viele Wohnungen neu gebaut worden.

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