Abgeordnetenhauswahl

Wahl in Berlin: Warum die Grünen trotz Verlusten feiern

Die Grünen verlieren bei der Berlin-Wahl Stimmen – und sehen sich trotzdem als Gewinner des Abends. Sie hoffen jetzt auf eine Regierungsbeteiligung.

Anna Schütz
Anna Schütz
4 Min
Grüne im Glück: Werner Graf feiert sich bei der Wahlparty, hinter ihm steht Bettina Jarasch.

Grüne im Glück: Werner Graf feiert sich bei der Wahlparty, hinter ihm steht Bettina Jarasch.

© Annette Riedl/dpa

Im Berliner Gasometer ist die Stimmung gelöst. Als die ersten Zahlen über die Bildschirme flimmern, wird applaudiert, angestoßen, lebhaft diskutiert. Zwar haben die Grünen gegenüber der vergangenen Wahl Stimmen verloren – von Frust ist an diesem Abend jedoch wenig zu spüren. Im Gegenteil: Die Partei zeigt sich zufrieden. Denn trotz der Einbußen bleibt sie eine gewichtige politische Kraft in Berlin – und hat gute Chancen, auch der nächsten Landesregierung anzugehören.

Rund 15 Prozent weist die vorläufige Hochrechnung für die Grünen aus. 2023 waren es noch 18,4 Prozent. Das Minus ist deutlich, die Partei ist viertstärkste Kraft. Vor allem aber werden die Grünen voraussichtlich gebraucht, wenn es um die Bildung einer neuen Landesregierung geht. Rechnerisch sind sowohl ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD als auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD möglich.

Berlin: Die Grünen werden gebraucht

Nach der Wahl richten die Grünen den Blick bereits auf die Regierungsbildung. Bundesvorsitzender Felix Banaszak sieht seine Partei als möglichen Bestandteil der nächsten Landesregierung und spricht sich für Gespräche mit Linken und SPD aus. Zugleich macht Banaszak deutlich, dass eine Zusammenarbeit mit der Linken aus seiner Sicht an Bedingungen geknüpft ist.

Im ZDF forderte er ein „klares Bekenntnis gegen Antisemitismus“. Berlin müsse ein Ort sein, an dem „Jüdinnen und Juden und Menschen muslimischen Glaubens gleichermaßen sicher sind und hier ihre Heimat haben“.

Für den Berliner Spitzenkandidaten Werner Graf ist ein Bündnis mit Linken und SPD die naheliegendste Option. Im Wahlkampf hatte er erklärt: „Wir haben die größten Schnittmengen mit Linken und der SPD.“ Inhaltlich standen für ihn unter anderem mehr bezahlbarer Wohnraum, bessere Nahverkehrsanbindungen sowie Klima- und Umweltschutz im Mittelpunkt.

Graf hatte zugleich versucht, sich als verbindender Kandidat zu präsentieren. Sein Wahlkampfmotto lautete „Politik ist ein Teamsport!“. Nun wird sich zeigen, wie viel von diesem Anspruch in den Gesprächen mit den möglichen Partnern übrig bleibt. Denn die Grünen müssen nicht nur Gemeinsamkeiten mit SPD und Linken finden, sondern auch klären, welche ihrer eigenen Vorhaben sie in einem Bündnis durchsetzen können. Eine Alternative bleibt die CDU. Auch wenn Graf ein Linksbündnis bevorzugt, halten sich die Grünen eine Zusammenarbeit mit CDU und SPD offen.

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MV: Hürde genommen

Auch in Mecklenburg-Vorpommern fällt die Reaktion der Grünen positiv aus. Dort kommt die Partei laut erster Hochrechnung auf 5,4 Prozent und liegt damit über der Fünf-Prozent-Hürde. 2021 waren es 6,3 Prozent. Der Stimmenverlust ist damit vergleichsweise klein, vor allem aber schaffen die Grünen erneut den Einzug in den Landtag.

Für Spitzenkandidatin Claudia Müller war genau das das zentrale Ziel. Im Wahlkampf hatte sie die Grünen als eigenständige Kraft positioniert und zugleich für eine rot-rot-grüne Mehrheit geworben. Mit dem Wiedereinzug bleiben die Grünen auch in Schwerin ein möglicher Faktor bei der Regierungsbildung. Ob daraus tatsächlich eine Regierungsbeteiligung entsteht, hängt von den endgültigen Sitzverhältnissen und den Gesprächen der Parteien ab.

Kein Triumph – aber ein Abend zum Feiern

Wie viel politisches Gewicht die Grünen aus dem Wahlergebnis tatsächlich ziehen können, wird sich erst in den kommenden Tagen zeigen. Auf der Wahlparty in Berlin ist davon am Abend allerdings bereits viel die Rede. Die Gespräche drehen sich schnell um mögliche Koalitionen, gemeinsame Projekte und die Frage, welche Rolle die Grünen in der nächsten Landesregierung übernehmen könnten.

Unter den Gästen überwiegt der Eindruck, dass die Partei trotz ihrer Verluste politisch relevant geblieben ist. Statt dem verlorenen Ergebnis der vergangenen Wahl nachzutrauern, richtet sich der Blick auf die Möglichkeiten, die die neue Kräfteverteilung eröffnet. Es ist kein Abend des Triumphs – aber einer, an dem sich die Grünen erstaunlich schnell mit ihrer neuen Rolle anfreunden.

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