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„Hätte mich erschossen“: Harald Schmidt reagiert auf Sexismus-Doku „Was haben wir gelacht“

Harald Schmidt als einer der Bösewichte im Film über Sexismus im deutschen Fernsehen? Bei einem Auftritt in Schwerin wurde der Entertainer damit konfrontiert. Seine Antwort geht jetzt viral.

5 Min
Sein Auftritt in Schwerin geht gerade viral: Harald Schmidt

Sein Auftritt in Schwerin geht gerade viral: Harald Schmidt

© Rolf Vennenbernd/dpa

Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ hat in diesem Sommer für große mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Das Werk von Eva Müller und Isabel Schneider thematisiert das männlich geprägte, deutsche Unterhaltungsfernsehen der Neunzigerjahre.

In Interviews mit Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins sowie anhand von Ausschnitten beliebter Formate wie „Wetten, dass..?“, „Herzblatt“ oder „Die Harald Schmidt Show“ blicken die Filmemacherinnen auf eine Zeit, in der Frauen auf der Bühne Ansagerinnen oder Assistentinnen sein durften oder aber das Ziel von Witzen und Belustigung waren.

Die prominenten Showmaster, die in der Dokumentation gezeigt werden, haben sich nach der Veröffentlichung zunächst nicht öffentlich dazu geäußert. Sie wurden auch im Film nicht konfrontiert.

Zuschauerin in Schwerin konfrontiert Harald Schmidt

Doch nun geht eine Reaktion von Harald Schmidt viral, die im Format „Deutschlandfunk Kultur on Tour“ im September in Schwerin gefallen ist. Der selbsternannte Aktivrentner Schmidt wird zum Ende der Veranstaltung hin auf den Film angesprochen.

Filmteam von „Was haben wir gelacht“: Regisseurin Eva Müller, Bettina Böttinger, Maren Kroymann, Esther Schweins und Regisseurin Isabel Schneider (v. li.)

Filmteam von „Was haben wir gelacht“: Regisseurin Eva Müller, Bettina Böttinger, Maren Kroymann, Esther Schweins und Regisseurin Isabel Schneider (v. li.)

© Felix Hörhager/dpa

Eine Frau aus dem Publikum fragt ihn, ob er denn den Film „Was haben wir gelacht“ über Sexismus im deutschen Fernsehen gesehen habe. Harald Schmidt antwortet: „Nein, muss ich nicht sehen, weil ich hab ja die Witze gemacht in dieser Dokumentation.“ Gelächter im Theaterzelt des Mecklenburgischen Staatstheaters.

Er würde aber, so Schmidt weiter, den Film unbedingt empfehlen: „Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Esther Schweins, Maren Kroymann beschweren sich über die Zeit der Neunzigerjahre, als Witze auf Kosten von Frauen gemacht wurden. Sexistisch, abwertend ...“ Die Fragestellerin fährt dazwischen: „Das machen Sie ja heute noch.“

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„Ich?“, fragt Harald Schmidt mit gespielter Verwunderung. „Na, dieses Bewerten, diese Ausfälligkeiten“, konkretisiert die Frau. „Jaja, natürlich“, setzt Schmidt nun nach, „ich finde so eine Tante kann sich doch mal ein bisschen aufbrezeln, wenn sie in die Show kommt. Das ist doch nicht zu viel verlangt, oder?“

Erneut Gelächter, Applaus brandet auf. Moderator Korbinian Frenzel schaltet sich ein: Er habe die ganze Zeit gedacht, Schmidt habe sich ja noch gar nicht um Kopf und Kragen geredet. Aber er schaffe es zum Ende hin.

Verona Pooth übers Gesicht geleckt

Schmidt fährt unbeirrt fort: „Ich würde sagen, unbedingt anschauen den Film. Er ist in meiner Wahrnehmung eine Hommage an die goldene Zeit der deutschen Fernsehunterhaltung. Und die vier Hauptbösewichte in diesem Film waren Kulenkampff, Carrell, Gottschalk und ich. Und wenn ich da nicht dabei gewesen wäre, hätte ich mich erschossen.“

Der 69-jährige Schmidt, der seine Late-Night-Show mit Unterbrechungen fast 20 Jahre lang bei verschiedenen Sendern moderierte, setzt noch einen drauf: „Und übrigens, alle Damen, die sich da äußern, sind zauberhafte Gäste bei mir in der Show gewesen. Hella von Sinnen bestimmt zehn, elf Mal.“ Bettina Böttinger habe ihm seinen ersten Grimme-Preis überreicht.

Da dürfe man nicht so sensibel sein. Er jedenfalls habe sich sehr gefreut, dass der Film eine solche Aufmerksamkeit hat, so Schmidt. „Weil, die ganze Werbung lief ja über mich und ich hatte einen unglaublich präsenten, medialen Sommer, ohne was zu tun.“

Bei ihm gäbe es ja keinen Skandal aufzudecken, weil alles vor der Kamera geschehen sei, führt Schmidt aus: „Ich habe Verona Feldbusch live vor der Kamera übers Gesicht geleckt. Warum? Weil sie es wollte.“ Insofern sage er: „Völker der Welt, geht in diesen Film, aber vergesst nicht, wer der Star ist.“

Eben dieser Ausschnitt aus Schwerin geht nun auf Social Media viral, was dem Thema neue Aufmerksamkeit beschert. Die reichweitenstarke YouTuberin Nina Kirsch und der Creator Walter Elsässer haben das Audio gepostet, in kürzester Zeit hatten die Beiträge mehr als 10.000 Likes gesammelt – und für zahlreiche Kommentare gesorgt.

„Harald Schmidt wird Sexismus vorgeworfen. Seine Antwort ist genial“, schreibt Nina Kirsch. „Ich finde seine Reaktion bemerkenswert, weil er nicht ausweicht, sondern ziemlich schlagfertig auf die Vorwürfe und die Doppelmoral dahinter reagiert.“

Frauke Ludowig und Simone Thomalla applaudieren Harald Schmidt

In den Kommentaren reagiert Moderatorin Frauke Ludowig auf den Clip: Sie liebe Harald, schreibt sie. Auch Schauspielerin Simone Thomalla applaudiert. Weniger bekannte Zuhörer zeigen sich ebenfalls begeistert: „Genial, wie er der kritischen Fragestellerin allen Wind aus den Segeln nimmt.“

„Lieber Harald Schmidt“, schreibt ein User in einem viel beachteten Kommentar, „danke für die vielen intelligenten Shows und den tollen Witz! Wer sich von den vermeintlich so tollen Damen der 90er heute darüber beschwert, braucht Geld und hat seinen Kompass der Einstellung zu Kollegen verloren.“

„Als Frau finde ich ihn immer noch genial“, schreibt eine Nutzerin. Eine andere stimmt zu: „Ich als Frau hab herzlich mitgelacht. Im Regelfall hatte er auch noch recht.“ Heute werde das Showbusiness moralisch seziert, führt ein Zuhörer detaillierter aus, dabei sei es immer schon ein hartes Geschäft gewesen: „Eine Ballerina nimmt für die große Karriere körperliche Strapazen und kaputte Füße in Kauf, weil das Publikum genau diese Ästhetik sehen will. Auch auf der TV-Couch der 90er wussten viele Frauen, wie sie ihre Reize einsetzen, um Aufmerksamkeit und Erfolg zu bekommen. Das war ihre Entscheidung – und Teil des Deals. Wer freiwillig mitspielt und vom Erfolg profitiert, sollte sich später nicht ausschließlich als Opfer der Spielregeln darstellen.“

Kritische Kommentare muss man etwas länger suchen, aber es gibt sie auch: „So spricht ein gekränkter alter Mann“, schreibt eine Userin in Richtung Harald Schmidt. In dem Film sei niemand angeklagt worden: „Es wurde aus einem anderen Blickwinkel Revue passiert. Aber Männchen machen daraus einen persönlichen Angriff. Was auch sonst? Die Reaktion war absehbar.“

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