Haftentlassung zwei Wochen früher als geplant / Scharfe Kritik aus der CSU Entlassener will in Berlin leben / Wowereit gegen Praktikum am Berliner Ensemble

Früherer RAF-Terrorist Klar ist frei

BLZ
3 Min

BERLIN. Der frühere RAF-Terrorist Christian Klar ist nach 26 Jahren Haft wieder auf freiem Fuß. Der 56-Jährige wurde gestern aus dem Gefängnis im badischen Bruchsal entlassen. "Ab jetzt kann er selbst bestimmen, was er macht und auch, wo er es machen will", sagte sein Anwalt Heinz-Jürgen Schneider. Er teilte mit, dass sein Mandant künftig in Berlin leben werde.Klar kommt nach einem Beschluss des Oberlandesgerichts Stuttgart nach Verbüßung seiner Mindesthaftzeit frei. Der eigentliche Entlassungstermin war Anfang Januar 2009; wegen seiner Arbeit im Gefängnis verfügte er aber noch über Hafturlaub.Nach Klars Entlassung sitzt mit Birgit Hogefeld nun nur noch ein früheres Mitglied der früheren Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF) in Haft. Klar war 1985 zu lebenslanger Haft verurteilt worden, unter anderem wegen seiner Beteiligung an der Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, Bankier Jürgen Ponto und Generalbundesanwalt Siegfried Buback 1977.Die Haftentlassung löste eine neue Debatte über den Umgang mit Ex-Terroristen aus. Auch weil Klar sich von seinen Taten nie distanzierte, hatte Bundespräsident Horst Köhler 2007 ein Gnadengesuch abgelehnt. Die CSU sprach gestern von "einem Mörder ohne Reue".Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hingegen sah ein "rechtsstaatlich einwandfreies Verfahren". Sie verwies auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach bei der Entlassung nach der Mindesthaftzeit nicht die Frage von Reue entscheidend ist, sondern allein die Prognose, dass der Betroffene keine weiteren Taten begehen wird. Klar gilt heute nach Überzeugung von Gutachtern sowie der Bundesanwaltschaft nicht mehr als gefährlich.Jörg Schleyer, ein Sohn des ermordeten Arbeitgeberpräsidenten, erklärte: "Wer so brutal und menschenverachtend gegen andere gehandelt hat, dem nimmt man sowieso keine Reue ab." Er sagte, die RAF-Terroristen seien "gemeine, kriminelle Verbrecher", dennoch könne man ihnen "die Vorzüge, die ein Rechtsstaat bietet, nicht verschließen". ARD und ZDF erklärten, sie wollten Klar nicht in Talkshows einladen. Dieser hatte solche Auftritte bereits ausgeschlossen.Klar wird nach Angaben seines Anwalts in Berlin von einem Bewährungshelfer betreut. Unklar blieb, ob er ein Praktikumsangebot des Berliner Ensembles (BE) annehmen wird. Eine Sprecherin des Theaters bestätigte die Hospitanz. Doch regte sich Widerstand aus der Politik. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach sich gegen eine Mitarbeit Klars am BE aus. "Ich hätte die Entscheidung so nicht getroffen", sagte er über das Praktikumsangebot des Intendanten Claus Peymann. (BLZ)Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 4------------------------------"Ab jetzt kann er selbst bestimmen, was er macht." Heinz-Jürgen Schneider, Anwalt

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