Die Halberstädter Konserven GmbH (Halko) hat ihren Geschäftsbetrieb eingestellt. Mit dem Aus des Herstellers verlieren alle verbliebenen Beschäftigten ihren Job.
Damit endet ein jahrelanger Versuch, den Traditionsstandort in Halberstadt zu retten. Betroffen ist auch die bekannte Marke Halberstädter Würstchen, deren Zukunft nun offen ist.
Zu Beginn des jüngsten Insolvenzverfahrens Anfang Juni waren es 152 Beschäftigte. Ein Teil von ihnen hat laut Insolvenzverwalterin inzwischen neue Stellen gefunden.
Sanierung von Halberstädter Würstchen endgültig gescheitert
Der Grund ist eine endgültig gescheiterte Sanierung. In den vergangenen Jahren habe es zahlreiche Anläufe gegeben, den Standort zu sanieren, erklärte Karina Schwarz laut MDR.
Die dafür nötigen Voraussetzungen seien jedoch nie geschaffen worden. Ein Verzicht der Gläubiger allein habe nicht gereicht, um das Unternehmen dauerhaft zu stabilisieren. Schon zuvor war auf erhebliche Investitionsrückstände hingewiesen worden.
Wie viele Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz?
Alle noch beschäftigten Mitarbeiter erhalten die Kündigung. Wie viele Menschen in den einzelnen Tochtergesellschaften aktuell noch betroffen sind, kann die Insolvenzverwalterin nach eigenen Angaben nicht genau beziffern.
Anhaltspunkt bleibt die Zahl vom Verfahrensbeginn Anfang Juni: 152 Beschäftigte. Der Betriebsrat des Unternehmens hatte sich bereits einige Wochen zuvor aufgelöst.
Halberstädter Würstchen: Was wird aus der Marke?
Die Zukunft der traditionsreichen Marke ist offen. Die Markenrechte liegen bei der Eigentümerfamilie Nitsch. Ob es Interessenten für eine Fortführung gibt, ist bislang nicht bekannt.
Die genutzten Gebäude sollen an die Familie Nitsch zurückgehen. Ob sich für die Immobilien und die Produktionsanlagen ein neuer Nutzer findet, ist nach Angaben der Insolvenzverwalterin derzeit offen.
Warum Beschäftigte weiter auf ihren Lohn für Mai warten
Für zusätzliche Unsicherheit sorgt die Bezahlung. Nach Informationen aus dem Unternehmen warten Beschäftigte noch immer auf ihr Gehalt für den Monat Mai.
Hintergrund ist, dass die Agentur für Arbeit die Zahlung von Insolvenzgeld bislang nicht bewilligt hat.
Die Bundesagentur für Arbeit schloss zuletzt eine erneute Zahlung aus: Es handele sich nicht um ein neues Insolvenzereignis, zudem sei der frühere Insolvenzplan nicht erfüllt worden. Das Insolvenzgeld deckt in Deutschland ausstehende Löhne für maximal drei Monate vor dem Insolvenzereignis ab.
Nach Gewerkschaftsangaben waren die Tarifverhandlungen zuletzt ausgesetzt, viele Beschäftigte erhielten nur den Mindestlohn.
DDR-Klassiker im Dauerkrisenmodus – die Vorgeschichte
Die Würstchen aus Halberstadt waren schon zu DDR-Zeiten bekannt und galten damals als Mangelware. Zuletzt geriet der Hersteller jedoch immer stärker unter Druck.
Steigende Energie-, Fleisch- und Personalkosten sowie ein rückläufiger Markt für Wurstprodukte setzten dem Unternehmen zu, wie die Berliner Zeitung berichtet.
Ein vorheriges Insolvenzverfahren war erst im Januar 2026 aufgehoben worden. Eine zu Jahresbeginn angekündigte Kooperation mit dem Münchner Feinkosthaus Käfer für neue Produkte wie Suppen und fleischfreie Chili-Gerichte brachte nicht die erhoffte Wende.
Verkaufspläne seit Ende April
Ende April hatte die Eigentümerfamilie um Seniorchef Ulrich Nitsch nach knapp 35 Jahren angekündigt, den Konservenbetrieb samt Marke verkaufen zu wollen. Als Grund nannte das Unternehmen massive wirtschaftliche Schwierigkeiten.
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„Die Liquidität ist extrem schwierig“, erklärte Prokuristin Silke Erdmann-Nitsch damals der Bauernzeitung. „Es scheitert ausschließlich an der Finanzierung.“ Anfragen habe es auch aus dem Ausland gegeben.
Vorläufige Insolvenzverwaltung seit Juni
Am 2. Juni 2026 ordnete das Amtsgericht Magdeburg eine vorläufige Insolvenzverwaltung an. Seitdem durfte das Unternehmen wichtige Entscheidungen nicht mehr allein treffen, der Betrieb ruhte vollständig.
Rund drei Monate später steht fest: Aus dem Sanierungsversuch wird nichts mehr. Ob die Marke Halberstädter Würstchen einen neuen Eigentümer findet und ob die früheren Beschäftigten ihr ausstehendes Geld erhalten, bleibt damit weiter offen.
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