Das Traditionsunternehmen Halberstädter Würstchen, bekannt für seine kamingeräucherten Fleischspezialitäten, steht vor einem Wendepunkt: Die Unternehmerfamilie Nitsch, die das Unternehmen 1992 übernommen hatte, will sich nach fast 35 Jahren zurückziehen. Dies teilte Prokuristin Silke Erdmann-Nitsch in Halberstadt mit. Grund für den geplanten Verkauf seien wirtschaftliche Schwierigkeiten, die das Unternehmen in den letzten Jahren zunehmend belastet hätten.
„Die Liquidität ist extrem schwierig“, erklärte Erdmann-Nitsch. Die Finanzierung habe nicht wie geplant funktioniert, sodass der Betrieb trotz laufender Produktion nun vor dem Verkauf steht. Neben der Traditionsmarke betreibt die Unternehmensgruppe auch einen Hotelbetrieb und beschäftigt insgesamt rund 150 Mitarbeiter. Angaben zu den aktuellen Umsatzzahlen wurden nicht gemacht.
Die wirtschaftliche Schieflage des Unternehmens resultiert aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Vor allem die stark gestiegenen Energie-, Fleisch- und Personalkosten haben das Unternehmen getroffen. Zusätzlich leidet die Produktionsgesellschaft unter den Herausforderungen eines rückläufigen und hart umkämpften Lebensmittelmarktes. Um die drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden, hatte das Unternehmen bereits ein Schutzschirmverfahren eingeleitet, das eine vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung ermöglicht.
Bundeswehr als Kunde im Blick
Vor gut einem Jahr waren unter der Leitung eines Sanierungsexperten Pläne zur Neuausrichtung vorgestellt worden. So sollte das Sortiment um Suppen für eine Eigenmarke erweitert werden. Zudem setzte man auf neue Absatzmärkte mit Halal-Produkten und eine stärkere Fokussierung auf Geflügelwürstchen sowie Brat- und Grillbratwürste. Diese Maßnahmen konnten jedoch die finanzielle Lage des Unternehmens nicht nachhaltig stabilisieren.
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Das Unternehmen präsentiert sich trotz der aktuellen Situation als potenziell zukunftsfähig. „Der Konservenbetrieb ist sehr leistungsstark und erweiterungsfähig“, betonte Erdmann-Nitsch. Dabei hat man auch die Bundeswehr im Blick, die im Rahmen der Aufrüstung personell aufgestockt werden soll. So hieß es, dass der Betrieb insbesondere für die Bevorratung und eine mögliche Belieferung der Bundeswehr oder anderer europäischer Institutionen geeignet sei. Ziel sei es, einen „leistungsstarken Käufer“ zu finden, der das Geschäft weiterführt und ausbaut.
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Die Geschichte des Unternehmens reicht über 140 Jahre zurück. Ursprünglich als kleiner Betrieb begonnen, entwickelte sich Halberstädter Würstchen zu einem Markenzeichen, das auch überregional bekannt wurde. Während der DDR-Zeit zählte das Unternehmen zum Volkseigentum, bevor es nach der Wiedervereinigung von der Familie Nitsch übernommen wurde. Die Produktpalette umfasst heute Fleisch- und Wurstkonserven, frische Produkte sowie Suppen und Fertiggerichte.
Die Halberstädter Würstchen selbst, ein kulinarisches Aushängeschild der Region, sind kamingeräuchert und nach einem speziellen Verfahren gereift. Die geografisch geschützte Angabe stellt sicher, dass die Originalwürstchen nur in Halberstadt hergestellt werden dürfen. (mit dpa)
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