Der Halbleiterhersteller X-Fab beginnt in Erfurt mit dem Bau einer neuen Chipfabrik. Die Grundsteinlegung ist nach Unternehmensangaben für diesen Montag vorgesehen. In das Vorhaben sollen 300 bis 400 Millionen Euro fließen, sagte eine Sprecherin der X-Fab Global Services GmbH der dpa. Es handelt sich um eine der größten Industrieinvestitionen in Thüringen in den vergangenen Jahren.
Bund und Land unterstützen das Projekt nach Angaben der Thüringer Landesregierung mit insgesamt 127,4 Millionen Euro. Davon entfallen rund 80,3 Millionen Euro auf den Bund, weitere 47,1 Millionen Euro steuert der Freistaat Thüringen bei. Die EU-Kommission hatte die staatlichen Finanzhilfen im Dezember 2025 genehmigt.
Das Vorhaben läuft unter dem Namen „Fab4Micro“ und ist Teil des European Chips Act, mit dem Europa seine Abhängigkeit von Chipimporten vor allem aus Asien verringern will.
Produktionsstart für Ende 2028 geplant
In der neuen Reinraum-Fertigung sollen nach Angaben von X-Fab Ende 2028 die ersten Halbleiter vom Band laufen. Produziert werden sogenannte mikroelektromechanische Systeme (MEMS), hochintegrierte Mikrosysteme und Bauteile für die Photonik.
Dabei handelt es sich um winzige Komponenten, die elektronische, sensorische und optische Funktionen vereinen. Eingesetzt werden sie etwa in Smartphones, Fahrzeugen, Medizintechnik, Rechenzentren und Anwendungen für Künstliche Intelligenz.
Investiert werde, weil die bestehende Fabrik der X-Fab MEMS Foundry GmbH wegen der hohen Nachfrage weitgehend ausgelastet sei, sagte die Unternehmenssprecherin der dpa. Allein im zweiten Quartal sei der Konzernumsatz im Bereich Mikrosysteme und Photonik um 14 Prozent gestiegen. Es sei der am schnellsten wachsende Geschäftsbereich. Mit der neuen Fabrik entstehen in Erfurt rund 100 zusätzliche Arbeitsplätze.
Erfurt bleibt operative Zentrale
X-Fab betreibt Werke in Deutschland, Malaysia, Frankreich und den USA. Von den weltweit rund 4000 Beschäftigten arbeiten etwa 800 in Erfurt, das als operative Zentrale gilt. Der juristische Sitz der Holding liegt im belgischen Tessenderlo, das Unternehmen ist an der Börse in Paris notiert. Anders als Massenhersteller fertigt X-Fab Halbleiter für spezielle Anwendungen im Auftrag von Kunden.
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt bezeichnete die Investitionsentscheidung als Beleg für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Das Projekt stärke die technologische Souveränität Deutschlands und Europas. X-Fab-Konzernchef Damien Macq erklärte, Erfurt werde zum Mikrosystem-Zentrum des Unternehmens ausgebaut.
Dort hatte die Firmengeschichte vor mehr als 30 Jahren begonnen. Die Stadt verfügt über eine lange Tradition in der Halbleiterfertigung, die bis zum DDR-Kombinat Mikroelektronik zurückreicht.
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