Das deutsche Handelsdefizit mit China ist im ersten Halbjahr 2026 auf rund 55 Milliarden Euro gestiegen. Das geht aus vorläufigen Daten der bundeseigenen Außenwirtschaftsagentur Germany Trade & Invest (GTAI) hervor, über die die Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag berichtete. Im Vorjahreszeitraum hatte das Defizit noch bei rund 40 Milliarden Euro gelegen.
Nach den GTAI-Zahlen sanken die deutschen Warenexporte nach China von Januar bis Juni um mehr als 12 Prozent auf knapp 37 Milliarden Euro. Die Importe aus der Volksrepublik legten dagegen um 8,9 Prozent auf 91,8 Milliarden Euro zu. China rutschte damit laut Reuters auf Rang neun der Abnehmerländer deutscher Waren ab.
China bleibt wichtigster Handelspartner
Trotz des Rückgangs bei den Ausfuhren bleibt China wegen der hohen Importe der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Reuters wertet die Entwicklung als Zeichen dafür, dass Peking zunehmend weniger auf die europäische Industrie angewiesen sei.
Das Statistische Bundesamt hatte bereits am Freitag für den Monat Juni deutsche Ausfuhren nach China in Höhe von 6,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Insgesamt legten die deutschen Exporte im ersten Halbjahr nach Angaben der Behörde leicht zu, die Importe stiegen jedoch stärker.
Absatzeinbruch trotz wachsender Gesamtausfuhren
Während der deutsche Außenhandel insgesamt wächst, verliert die deutsche Wirtschaft auf dem chinesischen Markt an Boden. Die vorläufigen GTAI-Daten zeigen, dass der Rückgang der Ausfuhren nicht auf eine allgemeine Schwäche des deutschen Exports zurückzuführen ist, sondern speziell den China-Handel betrifft.
Zugleich bleibt die deutsche Industrie beim Einkauf stark auf China ausgerichtet. Nach einer Erhebung des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) vom Juni 2026 haben 56 Prozent der befragten Unternehmen in den vergangenen drei Jahren nur ein bis zehn Prozent ihres Einkaufsvolumens aus China in andere Märkte verlagert. 35 Prozent verlagerten gar nichts.
Auch bis Ende 2027 planen 52 Prozent der Einkäufer lediglich Verlagerungen im niedrigen ein- bis zweistelligen Prozentbereich.
Wo deutsche Unternehmen Alternativen aufbauen, verteilen sich diese laut BME auf wenige Regionen: 33 Prozent der Befragten setzen auf die Asean-Staaten in Südostasien, 24 Prozent auf Osteuropa und 22 Prozent auf Indien. Die sogenannte „China+1-Strategie“, bei der Firmen neben China einen zusätzlichen Beschaffungsstandort aufbauen, greift dem Verband zufolge vor allem im asiatischen Umfeld.
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