Das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffene Kreuzfahrtschiff „Hondius“ darf nach tagelangem Stillstand nun Kurs auf Spanien nehmen. Die spanische Regierung erlaubte dem Schiff am Mittwoch das Anlaufen eines Hafens auf den Kanarischen Inseln. Zuvor hatten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Union Spanien offiziell um Hilfe gebeten, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Madrid berichtet.
Inzwischen wächst jedoch der politische Widerstand gegen die Entscheidung. Der Regierungschef der Kanaren, Fernando Clavijo, erklärte am Mittwoch, er wolle das Einlaufen des Schiffs verhindern. Die Entscheidung der spanischen Zentralregierung folge „keinen technischen Kriterien“, sagte Clavijo laut Reuters. Den Behörden auf den Kanaren lägen nicht genügend Informationen vor, um die Sicherheit der Bevölkerung garantieren zu können.
Clavijo forderte ein dringendes Treffen mit Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez. Nach Angaben spanischer Medien kritisierte er zudem, dass die Regionalregierung übergangen worden sei. Die Zentralregierung in Madrid hält bislang dennoch an dem Plan fest, die „Hondius“ auf den Kanaren anlegen zu lassen.
Die unter niederländischer Flagge fahrende „Hondius“ liegt derzeit noch vor Kap Verde vor Anker. Nach Angaben der WHO und spanischer Behörden sollen zunächst mehrere Erkrankte ausgeflogen werden, bevor das Schiff möglicherweise Kurs auf die Kanaren nimmt. Der Inselstaat vor Westafrika hatte den Passagieren zunächst das Verlassen des Schiffs verweigert. An Bord befinden sich nach Angaben der Behörden rund 150 Menschen aus 23 Ländern.
Hinweise auf gefährliche Andes-Variante
Bislang starben drei Passagiere infolge der Erkrankung: ein niederländisches Ehepaar sowie eine deutsche Frau. Ein britischer Passagier wird nach Behördenangaben auf einer Intensivstation in Südafrika behandelt. Auch der Schiffsarzt befindet sich laut spanischem Gesundheitsministerium in kritischem Zustand und soll mit einem medizinischen Spezialflug auf die Kanaren gebracht werden.
Nach Angaben spanischer Medien bestätigten südafrikanische Behörden inzwischen Infektionen mit der sogenannten Andes-Variante des Hantavirus. Diese Form gilt als besonders gefährlich und ist die einzige bekannte Variante, bei der Übertragungen zwischen Menschen möglich sind.
Wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bekannt gab, sind drei Patienten, bei denen der Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion besteht auf dem Weg in die Niederlande. Unter den Personen soll auch eine Deutsche sein, die danach nach Düsseldorf verlegt werden soll, berichtet die Bild-Zeitung.
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WHO untersucht mögliche Ansteckung an Bord
Besonders aufmerksam verfolgen internationale Gesundheitsbehörden die Frage, ob sich das Virus teilweise direkt zwischen Menschen übertragen hat. Die WHO erklärte am Dienstag, es gebe Hinweise auf eine seltene Mensch-zu-Mensch-Übertragung unter engen Kontaktpersonen an Bord.
„Wir glauben, dass es möglicherweise Übertragungen zwischen sehr engen Kontakten gegeben hat, etwa zwischen Ehepartnern oder Menschen, die sich Kabinen geteilt haben“, sagte WHO-Managerin Maria Van Kerkhove laut Reuters in Genf.
Normalerweise infizieren sich Menschen mit Hantaviren durch Kontakt mit Nagetieren oder deren Ausscheidungen. Menschliche Übertragungen gelten als selten. Die WHO vermutet, dass eine Variante des sogenannten Andes-Virus beteiligt sein könnte. Diese Form des Hantavirus wurde bereits in Südamerika mit begrenzten Übertragungen zwischen Menschen in Verbindung gebracht.
Nach Angaben der WHO könnte sich das inzwischen verstorbene niederländische Ehepaar bereits vor dem Einschiffen in Argentinien infiziert haben. Weitere Passagiere könnten sich bei Ausflügen auf abgelegene Inseln angesteckt haben, auf denen Vögel und Nagetiere leben.
Luxusreise in die Antarktis endete in Krise
Die „Hondius“ war Ende März im argentinischen Ushuaia zu einer mehrwöchigen Luxusreise in Richtung Antarktis aufgebrochen. Die Expedition führte unter anderem zur Antarktischen Halbinsel, nach Südgeorgien und Tristan da Cunha – einige der abgelegensten Inseln der Welt.
Nach Angaben von Reuters kosteten die Kabinen zwischen 14.000 und 22.000 Euro. Die Reise wurde als Natur- und Vogelbeobachtungsexpedition vermarktet.
Der erste Todesfall ereignete sich bereits am 11. April. Der niederländische Passagier starb laut Reederei Oceanwide Expeditions an Bord. Sein Leichnam wurde erst fast zwei Wochen später auf der Insel St. Helena von Bord gebracht. Seine Ehefrau verschlechterte sich laut WHO während eines Flugs nach Johannesburg und starb dort wenige Tage später in einem Krankenhaus.
Spanien bereitet Evakuierung vor
Welchen Hafen die „Hondius“ auf den Kanaren anlaufen wird, ist bislang offen. Laut spanischem Gesundheitsministerium sollen Passagiere und Besatzung nach der Ankunft medizinisch untersucht, behandelt und anschließend in ihre Heimatländer zurückgebracht werden.
Madrid betonte, sämtliche Transporte würden unter strengen Sicherheitsmaßnahmen erfolgen, um Kontakte zur Bevölkerung zu vermeiden und medizinisches Personal zu schützen. Kap Verde verfüge nicht über die nötigen Kapazitäten für eine solche Operation, erklärte das Ministerium.
„Spanien hat eine moralische und rechtliche Verpflichtung, diesen Menschen zu helfen“, hieß es in der Mitteilung laut Reuters. Unter den Passagieren befänden sich auch mehrere spanische Staatsbürger.
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