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Hantavirus: Obacht vor der Rötelmaus

Eine Variante des Virus kommt auch in Europa vor. So unterscheidet sie sich vom südamerikanischen Typ. Auf diese Weise steckt man sich an. Und so schützt man sich.

6 Min
Eine Rötelmaus.

Eine Rötelmaus.

© dpa

Vier deutsche Passagiere des Kreuzfahrtschiffes Hondius, auf der das Hantavirus ausgebrochen ist, werden in ihren jeweiligen Bundesländer engmaschig überwacht. Wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilt, zeigen sie bislang keine Symptome.

Einer der Passagiere kommt aus Berlin. Er begab sich in häusliche Quarantäne. Ein weiterer deutscher Passagier war nach Großbritannien geflogen worden, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtet. Er lebe in Großbritannien.

Immer wieder kommt es auch in Deutschland zu Infektionen mit dem Erreger, allerdings mit einem anderen Virus-Typ als der auf der „Hondius“ festgestellten Andes-Variante. Doch wie groß ist die Gefahr, sich damit anzustecken? Welche Symptome treten bei einer Erkrankung auf? Wie groß ist das Risiko, daran zu sterben? Und wie schützt man sich davor? Hier die wichtigsten Informationen.

Übertragung von Mensch zu Mensch möglich

Hantaviren gehören zu den sogenannten zoonotischen Erregern. Sie werden also von Tieren auf den Menschen übertragen. Und zwar von bestimmten Nagetieren, vor allem Mäusen. Hantaviren verbreiten sich so gut wie nie von Mensch zu Mensch. Mit einer entscheidenden Ausnahme, dem in Südamerika auftretenden Andes-Virus. Dieser Typ des Hantavirus kann bei engem Kontakt von einer Person auf eine andere überspringen.

In Deutschland ist vor allem das sogenannte Puumala-Virus verbreitet, das von der Rötelmaus und der Brandmaus übertragen wird. Die Tiere selbst erkranken nicht, scheiden das Virus jedoch über Urin, Kot oder Speichel aus. Für den Menschen wird es gefährlich, wenn diese Ausscheidungen trocknen und als Staub aufgewirbelt werden – etwa beim Fegen eines lange ungenutzten Kellers. Dann nimmt er sie über die Atemluft auf.

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Die meisten Infektionen in Deutschland treten in ländlichen oder bewaldeten Regionen auf. Doch auch in einer Großstadt wie Berlin ist eine Ansteckung nicht ausgeschlossen – etwa in Kleingärten, Schuppen oder älteren Gebäuden mit Nagetierbefall.

Besonders gefährdet sind Menschen, die regelmäßig in potenziell kontaminierten Bereichen zu tun haben. Dazu gehören Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft ebenso wie Handwerker oder Personen, die alte Gebäude sanieren. Aber auch Privatpersonen können betroffen sein – etwa beim Frühjahrsputz im Gartenhaus. „Das Risiko entsteht vor allem dann, wenn Staub aufgewirbelt wird, der virushaltige Partikel enthält“, teilt das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seinem Internetportal mit.

Die Inkubationszeit beim Hantavirus kann im Einzelfall deutlich variieren, die Erkrankung  bis zu sechs Wochen nach der Ansteckung ausbrechen. Bei dem in Europa häufig vorkommenden Puumala-Virus liegt die Zeitspanne von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit meist im Bereich von zwei bis vier Wochen.

Entscheidend sind neben dem Virustyp vor allem die aufgenommene Virusmenge und der Übertragungsweg. Wie bei jeder Infektion spielt der Zustand des Immunsystems eine Rolle, wie schnell und heftig der Körper in Mitleidenschaft gezogen wird.

Infizierte ohne Symptome

Viele der infizierten Menschen in Deutschland haben keine Beschwerden. Treten Symptome auf, sind sie laut RKI zunächst meist unspezifisch: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen erinnern an eine Grippe. Nach einigen Tagen kann es jedoch zu schwereren Verläufen kommen, insbesondere zu einer Beteiligung der Nieren, im Extremfall zu Nierenversagen, was aber kaum vorkommt. In Europa entwickelt sich die Erkrankung häufig milder als in anderen Teilen der Welt. Dennoch wird nicht selten eine Einweisung in ein Krankenhaus erforderlich. In Deutschland liegt die Sterblichkeitsrate unter 0,1 Prozent. In etlichen Jahren wurden gar keine Todesfälle registriert.

Weltweit sieht die Situation dagegen anders aus. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) können einige Virusvarianten sehr schwere Krankheitsverläufe auslösen. Das gilt vor allem für die Varianten, die in Nord- und Südamerika vorkommen. Für diese Regionen der Erde werden Sterblichkeitsraten von bis zu 50 Prozent registriert.

Die Zahl der Infektionen mit dem Hantavirus schwankt in Deutschland stark. Sie hängt unter anderem davon ab, wie gut sich die Nagetiere vermehren. In sogenannten Mastjahren, in denen Bäume besonders viele Samen produzieren, finden Mäuse reichlich Nahrung – und ihre Population wächst. In solchen Jahren steigen auch die Infektionszahlen beim Menschen deutlich an. In ruhigeren Jahren hingegen bleiben die Fallzahlen niedrig.

Eine gezielte Therapie gegen das Hantavirus gibt es bislang nicht. Die Behandlung konzentriert sich darauf, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden. In schweren Fällen müssen Patienten auf eine Intensivstation verlegt werden.

Wie aber könnten sich nun die Passagiere des niederländischen Kreuzfahrtschiffes angesteckt haben? Verschiedene Szenarien sind Experten zufolge denkbar. Die Betroffenen könnten sich bei Landgängen in Südamerika infiziert und das Virus an Bord gebracht haben. Denkbar ist außerdem, dass sich Nagetiere als Überträger des Virus an Bord befunden haben oder immer noch befinden. Und schließlich kommen Lebensmittel in Betracht, die mit dem Erreger kontaminiert sind. Lager an Bord oder Kabinen waren möglicherweise mit virushaltigem Staub bedeckt.

„Hantaviren können außerhalb des Wirtsorganismus in Abhängigkeit von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und weiteren Bedingungen für mehrere Tage infektiös bleiben“, schreibt das RKI. Auch UV-Einstrahlung verkürzt die Ansteckungsgefahr.

Bei einem Schweizer Patienten, der sich nachweislich mit der Andes-Variante des Hantavirus infiziert hatte, wurde inzwischen das vollständige Erbgut des Erregers aufgeschlüsselt und auf der Plattform virological.org online publiziert. Experten können nun die Abstammung des Erregers nachvollziehen, mit Sequenzen aus vorherigen Ausbrüchen wie zum Beispiel 2018 in Argentinien vergleichen und eventuell Mutationen feststellen.

Zur Vorbeugung empfiehlt das RKI, direkten Kontakt mit den Ausscheidungen von Nagetieren zu vermeiden. In Deutschland betrifft dies vor allem Exkremente von Rötel- und Brandmäusen. „Im Umfeld menschlicher Wohnbereiche (insbesondere Keller, Dachböden, Schuppen etc.) sollten Nagetiere intensiv bekämpft werden und die allgemeinen Hygienemaßnahmen eingehalten werden“, so das RKI.

Expertentipp: Lebensmittel sicher aufbewahren

Wichtig sei vor allem, Lebensmittel so aufzubewahren, dass sie keine Nagetiere anlocken. „Beim Umgang mit toten Nagetieren oder dem Aufenthalt in von Mäusen verunreinigten Räumen sollen Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Zum Beispiel kann eine mögliche Staubentwicklung in kontaminierten Bereichen durch Befeuchten vermieden werden.“ Und schließlich sollten Mäusekadaver und Exkremente mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel benetzt werden, bevor man sie entsorgt.

Auch einen zugelassenen Impfstoff gegen das Hantavirus gibt es derzeit nicht.

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