Die deutschen Freizeitparks befinden sich gerade im herbstlichen Saisonendspurt. Dabei lassen sich die Unterschiede zwischen den Freizeitpark-Märkten in Ost und West mit einem der bekanntesten Comic-Duos vergleichen: Asterix und Obelix.
Auf der einen Seite steht das wuchtige Heide Park Resort im niedersächsischen Soltau: groß, stark und vollgepackt mit gigantischen Fahrgeschäften, die jedes Jahr zahlreiche Achterbahnfans anziehen – ein echter Obelix der Branche. Auf der anderen Seite, vor den Toren Leipzigs, liegt Belantis: flächenmäßig kleiner, beschaulicher und jahrelang vor allem als Ziel für Familien mit Kindern bekannt: der kleine Asterix. Doch Asterix bekam einen kräftigen Zaubertrank spendiert. Seit der Übernahme durch den französischen Unterhaltungsriesen Compagnie des Alpes fließen Millioneninvestitionen nach Sachsen. Asterix wächst spürbar und zeigt pünktlich zur umsatzstarken Halloween-Saison eine ganz neue Stärke.
Allerdings scheinen die Uhren in Ost und West nach wie vor unterschiedlich schnell zu ticken. In Westdeutschland hat Halloween durch den US-amerikanischen Einfluss viel früher und intensiver Aufmerksamkeit geschenkt bekommen. In Ostdeutschland hingegen kam der Trend erst mit Verspätung an.
Der Halloween-Vorsprung im Westen
Der große Obelix im Westen, das Heide Park Resort in Soltau, setzt bereits seit dem 10. Oktober auf das volle Halloween-Programm. Für weite Teile der ländlichen Regionen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt ist das niedersächsische Resort oft schneller und besser zu erreichen als der sächsische Konkurrent oder der Freizeitpark Plohn im Vogtland.
Zum Resort gehört zudem ein großes Abenteuerhotel, das auch mehrtägige Aufenthalte attraktiv macht. Obwohl der Heide Park im Vergleich zu anderen westdeutschen Freizeitparks erst Mitte Oktober in die Halloween-Saison startet – Großprojekte wie der Movie Park Germany in Bottrop oder der Europa-Park im badischen Rust begannen ihre Gruselaktionen bereits am 26. September –, ist der Aufwand in Niedersachsen riesig.
Neun Tonnen Kürbisse, sieben Tonnen Stroh, 1600 Stangen Mais und aufwendig beleuchtete Themenwelten verwandeln das Areal in eine herbstliche Kulisse. An den langen Öffnungstagen bleiben rund 80 Prozent der Fahrgeschäfte bis 21 Uhr geöffnet. Aktionen wie „Drei Tickets kaufen und schon ab 28 Euro pro Person Halloween erleben“ locken zusätzlich Besucher an. Dieser Preis ist allerdings von der Auslastung des Parks abhängig und nicht für alle restlichen Tage verfügbar.
Spuk für Familien, Horror für Mutige
Der Heide Park meistert den Spagat zwischen familiengerechtem Spuk und furchteinflößendem Horror. Für die jüngeren Gäste im Alter von drei bis zehn Jahren steht der „Zauberwald“ offen, in dem Hexen und Magier zum Mitmachen einladen. Zudem setzt die neue 25-minütige Show „Die Legende von Blackwater“ rund um ein Geisterschiff und einen finsteren Kapitän nicht auf gruselige Schockmomente, sondern auf Unterhaltung und gemeinsame Erlebnisse. Der Abend endet an den langen Eventtagen mit einem Feuerwerk, das den Heide-Park-See in bunten Farben erstrahlen lässt.
Für Schockerprobte ab 16 Jahren gibt es in Soltau drei Horror-Mazes (Grusellabyrinthe) mit Live-Erschreckern. Wer den Adrenalinkick sucht, kombiniert den herbstlichen Spuk mit den fahrtechnischen Extremen des Parks. Der Heide Park ist ein Paradies für Achterbahn-Liebhaber. Die Achterbahn „Krake“, ein sogenannter Dive-Coaster, bei dem die Wagen nahezu senkrecht in die Tiefe stürzen, ist definitiv nicht als lockerer Einstieg in den Parkbesuch zu empfehlen.
Auf gruselige Live-Erschrecker stoßen Besucher des Heideparks Soltau im Grusellabyrinth.
© Heidepark Soltau
Das Aushängeschild ist jedoch „Colossos“, die größte Holzachterbahn Europas. Hinter dem gewaltigen Holztragwerk steckt eine logistische Meisterleistung. Bei Wind und Wetter laufen jeden Morgen vor der Parköffnung gelernte Zimmerleute und Techniker die rund 1,5 Kilometer lange Fahrstrecke komplett zu Fuß ab, um die Konstruktion genau zu überprüfen. Die Attraktionen sind beliebt: Wartezeiten von 45 Minuten und mehr sind keine Seltenheit. Wer nicht anstehen will, muss tiefer in die Tasche greifen und kann das sogenannte Fast-Lane-Ticket erwerben, um die Warteschlangen legal zu überspringen.
Belantis: Vom Sparprogramm zur Großoffensive
Ein völlig anderes Bild zeigt sich im sächsischen Belantis. Wer sich an die Jahre vor der großen französischen Millionen-Offensive erinnert, weiß, dass Halloween im Leipziger Neuseenland lange Zeit etwas im Schongang lief. Es war die Ära vor dem gallischen Zaubertrank.
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Das Event fand unter der vorherigen spanischen Führung meist nur an den Oktober-Wochenenden und am Reformationstag selbst statt – an den Wochentagen ruhte der Spuk komplett. Zudem gingen im Park deutlich früher die Lichter aus. Meist war schon um 20 Uhr Schluss, was die für ein echtes Gruselerlebnis so wichtige Nachtphase extrem verkürzte. Das größte Ärgernis für die Besucher war jedoch, dass die Grusellabyrinthe nicht im normalen Ticketpreis enthalten waren. Wer Nervenkitzel suchte, musste vor Ort teure Sondertickets für die einzelnen Horror-Häuser erwerben. Das Programm richtete sich vor allem an Familien und bot kindgerechte Hexen-Unterhaltung statt intensiver Gruseleffekte.
Mit diesem Zustand räumen die neuen französischen Eigentümer der Compagnie des Alpes nun radikal auf. Sie verfolgen einen millionenschweren Masterplan und wollen Belantis bis zum Jahr 2031 schrittweise zum ersten offiziellen „Asterix-Park“ außerhalb Frankreichs umbauen. Das große Vorbild ist der Parc Astérix nördlich von Paris, der mit seinem gallischen Thema jährlich fast drei Millionen Besucher anlockt und dessen Mutterkonzern mit dem Event „Peur sur le Parc“ im Oktober seit Jahren Millionen-Umsätze feiert.
Der gallische Zaubertrank wirkt
Diese französische Grusel-DNA wird nun nach Sachsen exportiert. Ein erster sichtbarer Schritt des Umbaus war die Eröffnung des „Idefix-Abenteuerlands“ im Mai dieses Jahres. Zum Saisonstart 2027 folgt die komplette Umgestaltung des „Strands der Götter“ samt einem modernen Familien-Launch-Coaster, der aus dem Stand katapultartig beschleunigt. Um die Besucher an dieser Entwicklung teilhaben zu lassen, wurde zum 1. Oktober ein neuer „Abenteuerpass“ für 79 Euro eingeführt, der volle zwölf Monate ab Kaufdatum gilt.
Der Halloween-Saisonendspurt vom 21. Oktober bis zum 1. November umfasst erstmals zehn Veranstaltungstage und unterscheidet sich damit deutlich vom bisherigen Konzept. Belantis trennt das Programm strikt nach Alter und Tageszeit: Bis 16 Uhr gehören die „Spooky Days“ den Familien, ab 16.30 Uhr mutiert das Gelände zu den „Horror Nights“ für Mutige ab zwölf Jahren. Neu ist auch, dass der Park bis 21 Uhr geöffnet bleibt.
Im „Geheimnis der Königsgruft“ tauchen die Besucher tief in das alte Ägypten ein.
© Klaus Johann Trotter Pando
Grusellabyrinthe ohne Aufpreis
Als echte Kampfansage an die westdeutsche Konkurrenz sind sämtliche Grusellabyrinthe ohne jeden Aufpreis im regulären Ticket ab 29 Euro enthalten. Insgesamt fünf Labyrinthe stehen am Abend offen, drei davon sind komplett neu. Für die Gestaltung engagierten die Betreiber den Bühnenbildner Thomas Reuter. Er verarbeitete Hunderte Quadratmeter Styropor und schnitzte Skulpturen, darunter den mehr als drei Meter hohen Krokodilgott Sobek. „Uns geht es dabei keineswegs nur um den reinen Schockeffekt. Jedes Labyrinth folgt einer eigenen dramaturgischen Geschichte“, erklärt der Bildhauer und Dekorateur das Konzept.
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Im „Geheimnis der Königsgruft“ tauchen die Besucher tief in das alte Ägypten ein. Zwischen Pharaonen, Mumien und Göttern erfahren die Gäste auf spielerische Weise, welche Vorstellungen die Menschen der Antike vom Jenseits und dem Totenreich hatten. Für die Schock-Attraktion „Sporen des Bösen“ holten die Franzosen zudem die Horror-Spezialisten der Firma FX3 nach Leipzig, die sonst die großen französischen Mutterparks ausstatten.
Wer im Osten den ultimativen Horrorkick sucht, muss ein Stück weiter südlich ins Vogtland fahren. Der Freizeitpark Plohn richtet sich mit seinem Halloween-Angebot auch gezielt an Erwachsene: Am 30. Oktober veranstaltet er die „Halloween-Zone 22 – Special“, die ausschließlich Erwachsenen vorbehalten ist.
Das Fazit des herbstlichen Freizeitpark-Vergleichs: Der kleine sächsische Asterix konnte dank des französischen Zaubertranks bereits rasant aufholen und wird in den kommenden Jahren noch einiges zu bieten haben. Ob im Zauberwald von Soltau, in der Königsgruft von Leipzig oder in der Erwachsenenzone im Vogtland: Der Endspurt um das Geld der Halloween-Fans hat die Branche fest im Griff.
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