Der Stadtrat im sächsischen Heidenau bei Dresden hat beschlossen, künftig keine neuen Stolpersteine mehr im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich zuzulassen. Grundlage war ein gemeinsamer Antrag von Stadträten aus CDU, AfD und der Bürgerinitiative Oberelbe für mehr Demokratie (BOD). In der Beschlussvorlage hatte die Stadtverwaltung empfohlen, den Antrag abzulehnen. Der Punkt stand am Donnerstagabend auf der Tagesordnung des Stadtrats.
Im offiziellen Beschlusstext heißt es: „Eine Verlegung von sogenannten ‚Stolpersteinen‘ im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich wird künftig abgelehnt.“ Gleichzeitig soll vorzugsweise auf dem Nordfriedhof eine zentrale Gedenkfläche geschaffen oder erweitert werden. Die Gedenkelemente sollen so gestaltet sein, dass sie nicht betreten werden können.
CDU, AfD und BOD begründen Vorstoß mit „würdigem Gedenken“
Die Antragsteller argumentieren, dass Passanten bei Stolpersteinen bewusst oder unbewusst über die Namen der Opfer hinweggehen oder auf sie treten. Dies werde von zahlreichen Bürgern, Angehörigen und Gedenkinitiativen als unangemessen empfunden. Ein zentraler Ort auf dem Nordfriedhof biete aus ihrer Sicht einen würdigeren Rahmen für Erinnerung und Gedenkveranstaltungen. Der Antrag wurde von Stadträten aus BOD, CDU und AfD unterzeichnet.
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Stadtverwaltung wollte weitere Stolpersteine ermöglichen
Die Stadtverwaltung widersprach dieser Einschätzung ausdrücklich. Das Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus und anderer Gewaltherrschaften sei eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ und solle an Orten stattfinden, die öffentlich zugänglich und im Alltag sichtbar seien. Gerade die Verbindung zu den früheren Wohn- und Wirkungsorten der Verfolgten sei ein wesentliches Merkmal des Stolperstein-Projekts.
Ein zentraler Gedenkort auf dem Nordfriedhof könne das dezentrale Gedenken ergänzen, die authentischen Orte aber nicht gleichwertig ersetzen. Einen pauschalen Ausschluss neuer Stolpersteine hielt die Verwaltung deshalb für nicht schlüssig begründet. Sie empfahl dem Stadtrat, über künftige Anträge weiterhin im Einzelfall zu entscheiden.
Fünf Stolpersteine liegen bereits in Heidenau
In Heidenau gibt es bislang Stolpersteine an zwei Standorten. 2021 wurde ein Stein für den früheren Bürgermeister Paul Gröger verlegt, 2023 folgten vier Stolpersteine für Mitglieder der jüdischen Kaufmannsfamilie Reiner. Die Verlegung für die Familie Reiner war gemeinsam mit Schülern des Johann-Gottfried-Herder-Gymnasiums Pirna und der Aktion Zivilcourage vorbereitet worden.
2025 beantragte das Alternative Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz die Verlegung von sieben weiteren Stolpersteinen. Die Vorlage wurde damals zur weiteren Bearbeitung an die Verwaltung zurückgegeben. Mit dem nun gefassten Grundsatzbeschluss sollen weitere Verlegungen im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich künftig ausgeschlossen werden.
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