Die Absage ist für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) völlig überraschend gekommen: Eigentlich wollte Wowereit am Donnerstagmittag in seinem Amtszimmer dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und jetzigen BDI-Vizepräsidenten, Hans-Olaf Henkel, das Bundesverdienstkreuz überreichen. Doch am Mittwoch sagte Henkel kurzfristig ab. Er berief sich auf die hanseatische Tradition. "Herr Henkel hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dies nichts mit dem rot-roten Senat oder der Senatspolitik zu tun hat", erklärte der stellvertretende Senatssprecher Günter Kolodziej.In Hamburg ist es schon in vergangenen Jahrhunderten üblich gewesen, dass "Auszeichnungen fremder Herren" von Hamburgern nicht angenommen wurden. Regierungsmitglieder oder auch Mitarbeiter im öffentlichen Dienst dürfen in der Hansestadt bis heute keine Orden annehmen. In den vergangenen Jahren haben sich einige prominente Hanseaten wie der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), der ehemalige Bürgermeister Hans-Ulrich Klose (SPD) oder die Schauspielerin Heidi Kabel auf den Brauch berufen und eine Auszeichnung abgelehnt.Der ehemalige BDI-Chef Henkel, der den Verband von 1995 bis 2000 führte, ist zwar in Hamburg geboren, hat seinen ersten Wohnsitz aber inzwischen in Berlin. Es ist üblich, dass der Ministerpräsident des Landes, in dem der Geehrte wohnt, die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes vornimmt. In diesem Fall also Wowereit. (cri.)
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