FRANKFURT A. M. Natürlich wird es eine Kinderbetreuung geben. Und die gewohnten, oft längeren Debatten werden nicht ausbleiben. Doch rechnet niemand damit, dass sich der Parteitag der hessischen Grünen am Sonntag in Frankfurt gegen einen Machtwechsel in Hessen aussprechen wird. Mit dem Amt des Vizeministerpräsidenten und Umweltministers für Fraktionschef Tarek Al-Wazir, dem Bildungsressort für die grüne Bundestagsabgeordnete Priska Hinz und einem Staatssekretärsposten für den finanzpolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag, Frank Kaufmann, haben die Erben des Grünen-Granden Joschka Fischer personell eine Menge erreicht in den Verhandlungen mit der SPD.Nur in einem zentralen Punkt konnten sie sich nicht durchsetzen: Die dritte Landebahn des Frankfurter Flughafens wird kommen, wenngleich mit Verzögerung. Der Protest gegen den Flughafenausbau ist jedoch eines der Kernelemente grüner Politik in Hessen, seit Jahrzehnten. Siehe Startbahn West. Diese Konzession an die SPD schmerzt nicht nur den linken Flügel der mehrheitlich auf Realo-Kurs fahrenden Partei. Der Aufschrei am Sonntag könnte groß sein. Aber dann verhallen. In der Fraktion sitzen nur Realos.Bei wichtigen Parteitagen kamen die linken Grünen in der Vergangenheit nur auf 15 Prozent. Bis Freitag lagen auch keine Gegenanträge zum Leitantrag des Vorstandes vor. Das muss nichts heißen. Die Parteitage der Hessen-Grünen können alle 4 000 Mitgliedern besuchen, und jeder kann auch in letzter Minute noch einen Antrag vorlegen.Doch die Flügelkämpfe der 80er hat die Partei längst beigelegt. Und sie hat sich zudem im Koalitionsvertrag in vielen Punkten durchsetzen können. Der Aufschub des Flughafenausbaus in Kassel-Calden, Einschränkungen beim Autobahnausbau und die Beschneidung des Tourismusprojektes Beberbeck in Nordhessen trifft vor allem die dortige SPD.Ihre Erfolge werden die Grünen-Oberen vor der Basis herausarbeiten und damit den rechten SPD-Flügel womöglich provozieren. Doch der SPD-Parteitag wird dann schon entschieden haben. Nicht umsonst tagen die Grünen einen Tag nach der SPD. (se.)
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