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Extremsommer

Minusgrade im Juli: Warum es im Erzgebirge gerade so kalt ist

Erst bis zu 34 Grad, dann minus 0,2 Grad: In einer Bachsenke bei Kühnhaide in Sachsen rutscht das Thermometer im Juli unter null – regulär auf 1,1 Grad. Das steckt dahinter.

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In Kühnhaide im Erzgebirge sind auch im Juli sehr kalte Nächte um die null Grad möglich. (Symbolbild)

In Kühnhaide im Erzgebirge sind auch im Juli sehr kalte Nächte um die null Grad möglich. (Symbolbild)

© André März/Imago

Es ist der Sommer der Extreme. Erst brachte eine Hitzewelle bis zu 40 Grad, dann folgte der große Temperatursturz. Wer Minusgrade im Juli für unmöglich hält, wird im Erzgebirge eines Besseren belehrt: Im Marienberger Ortsteil Kühnhaide fiel das Thermometer über Nacht unter die Nullgrenze.

In einer zwei Meter tiefen Bachsenke wurden minus 0,2 Grad gemessen, die reguläre Außentemperatur lag in den Morgenstunden bei frischen 1,1 Grad. Das geht aus Daten der örtlichen Wetterstation hervor. Kühle Sommertemperaturen kennt man in Kühnhaide – doch Frost im Hochsommer ist selbst hier ein besonderes Ereignis. Und das Kuriose: Genau das Gleiche passierte schon vor einem Jahr.

Warum es in Kühnhaide im Sommer friert

Der Frost im Juli ist kein Zufall, sondern hat eine klare geografische Ursache. Der Ort liegt laut Stadt Marienberg auf 700 bis 750 Metern Höhe im Schwarzwassertal, direkt am Erzgebirgskamm, umgeben von Wäldern und Hochmooren.

In windstillen, klaren Nächten staut sich in dieser tiefen Senke die kalte Luft. Sie kann nicht abfließen und bildet einen sogenannten Kältesee – ein Kälteloch.

Meteorologe Jörg Kachelmann, der in Kühnhaide selbst eine Wetterstation betreibt, erklärt das Phänomen dem Spiegel mit sehr trockener Luft und niedrigen Taupunkten unter klarem Himmel. Er merkt sogar humorvoll an, die dortigen Gärtner bräuchten wegen des regelmäßigen Sommerfrosts „anderes Blühgut … als anderswo“.

Von 34 Grad auf unter null: Der extreme Kontrast

Wie krass der Umschwung ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen derselben Station. Am 27. Juni 2026 kletterte der Jahreshöchstwert in Kühnhaide auf heiße 34,2 Grad.

Nur Wochen später sah die Lage völlig anders aus: Am 19. Juli fiel die Temperatur nachts auf 8,2 Grad, tagsüber wurden gerade einmal 12,9 Grad erreicht.

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Auch bundesweit war der Sommerstart außergewöhnlich warm. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bilanzierte den Juni 2026 mit 19,5 Grad im Deutschlandmittel – 3,1 Grad über dem Vergleichszeitraum 1991–2020. Vorausgegangen war eine historische Hitzewelle vom 18. bis 28. Juni mit mehrfach überschrittener 40-Grad-Marke.

Nach vorläufigen DWD-Auswertungen war der Juni 2026 damit der zweitwärmste Juni seit Messbeginn; nur 2019 lag mit 19,8 Grad noch höher. Gegenüber der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 betrug die Abweichung sogar 4,1 Grad.

Ursache der Hitze war laut DWD eine sogenannte Omega-Wetterlage, bei der ein stabiles Hoch von zwei Tiefs flankiert wird und die Zirkulation über Mitteleuropa blockiert. Am 28. Juni wurde im brandenburgischen Neißemünde-Coschen mit 41,7 Grad ein vorläufiger deutschlandweiter Allzeitrekord aufgestellt. Zugleich verwies der Wetterdienst darauf, dass zur Monatsmitte am 15. Juni in Meßstetten-Appental in Baden-Württemberg mit 1,0 Grad das deutschlandweite Juni-Minimum registriert wurde – ein Hinweis darauf, dass auch in einem Rekord-Hitzemonat vereinzelt sehr niedrige Temperaturen möglich sind.

Kein Einzelfall: Das Erzgebirge bleibt eine Kältezone

Kühnhaide steht mit seinen niedrigen Werten nicht allein da. Das Erzgebirge zählt auch in heißen Monaten zu den kühlsten Regionen Deutschlands.

In der DWD-Auswertung für Juni 2026 war das sächsische Carlsfeld mit 15,9 Grad Monatsmittel der zweitkälteste Ort Deutschlands in der Tabelle. Kühnhaide ist damit Teil einer generell kühlen Hochlagenkulisse.

Der exakte Frostwert stammt von einer privaten Wetterstation. Die kommunale Bezeichnung als „wohl kältester, bewohnter Ort Deutschlands“ ist eine lokale Selbstbeschreibung – kein amtlich ausgewiesener DWD-Rekord.

Die nächste Hitzewelle rollt bereits an

Der Frost ist nur eine Momentaufnahme. Schon bald sollen die Temperaturen wieder deutlich steigen.

Am Wochenende wird es mit rund 26 Grad wieder sommerlicher. Mitte der Folgewoche sollen laut Prognosen wieder über 30 Grad möglich sein, für das darauffolgende Wochenende sind Werte bis zu 35 Grad im Gespräch.

Die amtliche DWD-Prognose vom 22. Juli stützt die Erwärmung, weist kurzfristig aber noch keine 35 Grad für Sachsen aus: Für Dienstag wurden 23 bis 30, für Mittwoch 25 bis 33 Grad erwartet. Die Hitzeglocke, die in Italien für Werte jenseits der 35-Grad-Marke und die Alarmstufe Rot sorgt, könnte demnach auch nach Sachsen kommen.

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