Russland hat Kuba mehr als 750 Tonnen Sonnenblumenöl als humanitäre Hilfe geliefert. Die symbolische Übergabe fand am Freitag in Havanna statt, wie die kubanische Tageszeitung Granma und die russische Nachrichtenagentur Tass berichteten. Das mit den Vitaminen A und D angereicherte Öl gelangte demnach über das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) auf die Insel.
Nach Angaben der russischen Botschaft in Havanna stammt die Lieferung aus Mitteln des russischen Katastrophenschutzministeriums. Rund 211 Tonnen seien bereits entladen, eine zweite Charge von mehr als 500 Tonnen warte im Hafen darauf, meldete Granma. Bereits 2025 hatte Moskau in Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm mehr als 800 Tonnen Sonnenblumenöl nach Kuba geschickt, wie die russische Botschaft mitteilte.
Hilfe für besonders gefährdete Gruppen
Die kubanische Ministerin für Binnenhandel, Betsy Díaz Velázquez, sagte laut Granma, die Spende sei für bedürftige Familien mit Kindern unter fünf Jahren sowie für Schwangere und für chronisch kranke oder untergewichtige Kinder vorgesehen.
Der russische Botschafter Viktor Koronelli erklärte bei der Übergabe, die Lieferung habe angesichts der von den USA verschärften Wirtschaftsblockade erhebliches Gewicht. An der Zeremonie nahm auch der kubanische Vizepremier und Außenhandelsminister Oscar Pérez-Oliva Fraga teil.
Parallel übergab Japan nach Angaben von Granma 425 Tonnen Reis als Soforthilfe für die vom Hurrikan „Melissa“ betroffenen Menschen im Osten des Landes. Die Hilfe im Wert von rund einer Million US-Dollar läuft ebenfalls über das Welternährungsprogramm.
Zuvor hatte China nach einem Bericht des unabhängigen Portals Diario de Cuba 80.000 Fahrradteile gespendet, die Bahamas lieferten rund eine Tonne medizinische Hilfsgüter.
Wachsende humanitäre Probleme
Kuba steckt in einer anhaltenden Versorgungskrise mit steigenden Preisen und Engpässen bei Treibstoffen, Nahrungsmitteln, Medikamenten und Strom. Elektrizität steht vielerorts nur noch für wenige Stunden am Tag zur Verfügung, der Transport und die Lagerung von Lebensmitteln sind nur eingeschränkt möglich, auch die Trinkwasserversorgung ist vielerorts stark beeinträchtigt.
Das einst als vorbildlich geltende Gesundheitswesen ist nach Angaben der Behörden und internationaler Beobachter stark in Mitleidenschaft gezogen.
Ölblockade verschärft die Lage
Die US-Wirtschaftsblockade gegen Kuba besteht seit 1962. Die UN-Generalversammlung fordert seit 1992 regelmäßig ihre Aufhebung. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat die auf einen Sturz der kommunistischen Regierung in Havanna zielenden Strafmaßnahmen zuletzt beträchtlich ausgeweitet. Von Handelsbeziehungen und internationalen Finanzsystemen wird das Land systematisch abgeschnitten.
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Nach dem US-Angriff auf Caracas Anfang Januar 2026 verhängte Washington zudem eine faktische Ölblockade gegen die Insel. Seither werden größere Lieferungen an den staatlichen Energiesektor unterbunden, Schiffe abgefangen und Treibstoffsendungen beschlagnahmt.
Zuvor hatte Kuba sein Öl vor allem aus Venezuela und Mexiko bezogen, in geringerem Umfang aus Russland. Weniger als ein Drittel seines Ölbedarfs fördert das Land selbst.
Die bislang letzte größere Öllieferung erreichte Kuba Ende März: Der russische Tanker „Anatoly Kolodkin“ brachte rund 700.000 Barrel Urals-Rohöl, das in der Raffinerie von Cienfuegos zu Benzin, Diesel und Schweröl verarbeitet wurde. Nach damaligen Schätzungen reichte die Menge nur für sieben bis zehn Tage des kubanischen Gesamtbedarfs.
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