Hunderte Migranten schwimmen derzeit aus Marokko in die kleine spanische Exklave Ceuta an der Nordspitze des Landes – und bringen die Grenzsicherung an ihre Belastungsgrenze. Lokale Behörden forderten am Donnerstag Hilfe von der spanischen Armee, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Zudem riefen sie die Regierung in Madrid auf, einen nationalen Notstand auszurufen.
Die Zahl der Migranten in Ceuta ist nach Angaben der örtlichen Behörden ungewöhnlich hoch: Mehr als 1500 Menschen, darunter Erwachsene und Minderjährige, erreichten das Gebiet zuletzt über das Meer. Die Aufnahmezentren gelten als überfüllt, der spanische Innenminister spricht in einem Interview mit dem Fernsehsender laSexta von einer „außergewöhnlichen Situation“.
Wie viele Migranten aktuell Ceuta erreichen
Der Regierungschef von Ceuta, Juan Jesús Vivas, nannte gegenüber Journalisten konkrete Zahlen. „In den letzten Tagen haben mehr als 1500 Migranten, darunter Erwachsene und Minderjährige, Ceuta über das Meer erreicht“, sagte Vivas laut AP. „Die Aufnahmezentren sind kollabiert und überlastet.“
Zwar bringt gutes Wetter im Sommer üblicherweise einen Anstieg der Überfahrten mit sich. Doch die aktuelle Zahl der Schwimmenden bezeichneten die Behörden in Ceuta ausdrücklich als unüblich.
Das spanische Innenministerium, das für Grenzen und die Erfassung irregulärer Migration zuständig ist, wollte weder die Zahl der Überfahrten bestätigen noch angeben, wie viele Migranten schwimmend das Gebiet erreicht hatten. Es verwies auf seinen zweimonatlichen Migrationsbericht, dessen nächste Ausgabe für den 3. August erwartet wurde.
Ein lebensgefährlicher Weg
Der Weg nach Ceuta ist für viele tödlich. Vivas erklärte, dass Migranten bei dem Versuch bereits ums Leben gekommen seien. Im vergangenen Jahr seien 60 Leichen auf See entdeckt worden.
Um Menschen aus dem Wasser zu retten, sind mehrere Kräfte im Einsatz. Nach Angaben der Behörden nutzen die spanische Guardia Civil, der Seenotrettungsdienst und das Rote Kreuz Boote, um Schwimmende aufzunehmen und anschließend nach Ceuta zu bringen.
Vor einem überfüllten Aufnahmezentrum spitzt sich laut AP derzeit die Lage zu. Hunderte Migranten schlafen dort demnach inzwischen im Freien, weil die Einrichtung ihre Kapazität überschritten hat.
Wer kommt – und was die Ursache sein könnte
Bei den Ankommenden handelt es sich überwiegend um Marokkaner. Hinzu kommt laut Aktivisten in Marokko und Ceuta eine kleine Zahl von Algeriern, die in Marokko lebten und nach Europa migrieren wollten.
Warum so viele Menschen ausgerechnet jetzt schwimmend nach Ceuta gelangen, war zunächst nicht geklärt. Vivas kritisierte ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs von Anfang des Monats. Danach dürfen über das Meer ankommende Migranten nicht ohne ordentliches Verfahren nach Marokko zurückgebracht werden – anders als jene, die etwa über den Grenzzaun auf dem Landweg kommen.
Einige Aktivisten zweifeln jedoch an diesem Zusammenhang. Omar Naji, Präsident der Marokkanischen Menschenrechtsvereinigung in Ostmarokko, gab laut Euronews zu bedenken, die meisten Marokkaner dürften von der Gerichtsentscheidung nichts gewusst haben. Was den Ansturm auslöste, war zunächst nicht geklärt.
1,3 Millionen Anträge: Regularisierung von Migranten übertrifft Prognose der Regierung
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