Neuer Versuch, vielleicht neues Glück – das darf man wohl sagen bei dieser Nachricht aus dem Kunstbetrieb. Denn Berlins eigene ökonomisch glücklose Kunstmessen-Versuche (seit dem Scheitern des anspruchsvoll in den Messehallen unterm Funkturm gestarteten „Art Forum“ 2011 und den enormen Anstrengungen der 2019 resigniert aufgegebenen „art berlin“) werden in den letzten Jahren nur kompensiert von mutigen Privat-Initiativen wie dem Gallery Weekend im Frühling und der herbstlichen Position Art Fair im Flughafen Tempelhof.
Ganz von außerhalb bekommen die mindestens 400 Berliner Galerien demnächst Konkurrenz: Vom 12. bis 14. April des kommenden Jahres – also unmittelbar vor dem alljährlichen Gallery Weekend (26.-28. April 2024) – wird die 1998 in London gegründete Messe zeitgenössischer Kunst namens „Affordable Art Fair“ (zu Deutsch: erschwingliche Kunstmesse) die Arena Berlin in Alt-Treptow rocken. Auf 6000 Quadratmetern Fläche wollen dann mehr als 100 nationale und internationale Galerien Kunst unter die Leute bringen.
Für 7400 Euro zu haben: Christoph Rodes „Erster Ansatz“, Öl auf Leinwand.
© Uhlig Gallery/Christoph Rode
Noch hat keiner gesehen, was da in den gründerzeitlichen Industriehallen an der Spree angeboten wird, woher und von wem. Ein Gerhard-Richter-Bild wird wohl nicht dabei sein, kein Koons-Silberhäschen, keine Hockney-Landschaft, kein Yayoi-Kusama-Kürbis und kein Katharina-Grosse-Spritzpistolen-Panorama. Junge Kunst für junge Leute aber gewiss. Die Idee einer niedrigschwelligen Kunstmesse hatte vor 25 Jahren der Londoner Unternehmer Will Ramsay. Er wollte dem auf zunehmend astronomische Preise zielenden Kunstmarkt und der Spekulation eine starke Note der Erschwinglichkeit entgegensetzen; den Kunstkauf, das Kunstsammeln für jedermann und jedefrau ermöglichen.
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Heute ist die Affordable Art Fair eine der größten Kunstmessen der Welt – mit 21 Standorten auf allen Kontinenten. In Europa hatte sie zuletzt riesigen Zulauf in Stockholm, Brüssel, Amsterdam, München und Hamburg. Für Berlin ist es eine Premiere. Und die Chance auf leer gekaufte Kojen in der Arena ist nicht gering, denn es wird die erste Kunstmesse in Berlin sein, die sich komplett auf Fans mit schmalem Geldbeutel spezialisiert. Für „Einsteiger“, die mit nur 100 Euro anfangen, zu sammeln. Für Schnäppchen-Jäger natürlich auch. Und bei 10.000 Euro für ein großes Bild, eine Skulptur, eine Grafik, ein Objekt ist Schluss. Ganz nach dem Motto: Was du dir schuldenfrei leistest, kannst du getrost nach Hause tragen.
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