Die Huthi-Miliz im Jemen hat nach eigenen Angaben saudische Ölpumpstationen und den Flughafen von Riad angegriffen. Wie Reuters am Montag berichtete, erklärte die mit Iran verbündete Gruppe, Ziele entlang der Ost-West-Pipeline sowie den König-Khalid-Flughafen attackiert zu haben.
Eine saudische Bestätigung von Treffern oder Schäden lag zunächst nicht vor. US-Präsident Donald Trump hatte am Vortag erneut mit Angriffen auf Iran gedroht.
Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition erklärte derweil, eine auf Riad abgefeuerte ballistische Rakete abgefangen zu haben. Zudem seien zwei Raketenstartanlagen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa zerstört worden, darunter die für den Abschuss verwendete Anlage. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Eine wichtige Ausweichroute für Öl unter Druck
Die Angriffsbehauptungen betreffen eine wichtige Verbindung für saudische Ölexporte. Die rund 1200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline transportiert Rohöl quer durch das Königreich ans Rote Meer. Damit können Lieferungen die Straße von Hormus umgehen, deren Nutzung durch den Krieg und Angriffe auf Schiffe erheblich beeinträchtigt ist.
Bereits im September hatte Saudi-Arabien die Leitung nach einem Drohnenangriff vorsorglich zeitweise stillgelegt. Auch am Samstag hatten die Huthi Angriffe auf die Pipeline, Pumpstationen und weitere Ölanlagen gemeldet. Saudi-Arabien bestätigte diese Angaben zunächst ebenfalls nicht. Aus den jüngsten Erklärungen lässt sich deshalb noch kein erneuter Ausfall der Leitung ableiten.
Der Flughafen von Riad hatte erst am Sonntag den Betrieb an zwei Terminals wieder aufgenommen. Ein von den Huthi beanspruchter Angriff hatte dort Anfang Oktober 13 Menschen getötet. Die Miliz greift seit Wochen saudische Flughäfen, Häfen und Ölanlagen mit Raketen und Drohnen an.
Trump stellt Iran vor die Wahl
Parallel verschärfte Trump seine Drohungen gegen Teheran. Er müsse entscheiden, ob er eine Vereinbarung treffe oder den Konflikt militärisch „zu Ende bringe“, sagte er am Sonntag bei Fox News. Das Interview enthält jedoch keinen konkreten Termin für neue Angriffe. Später erklärte Trump vor Journalisten, am Sonntag werde es keinen Angriff geben.
Nach einem Bericht von Bloomberg verlegen die USA derzeit zusätzliche Kräfte in die Region, darunter eine dritte Flugzeugträgergruppe. Zugleich reduzieren sie angesichts wachsender Bedrohungen diplomatisches und militärisches Personal in Teilen des Nahen Ostens.
Der Iran bereitet sich dem Bericht zufolge seinerseits auf eine mögliche neue US-Bombenkampagne und Vergeltungsschläge in der Region vor. Bloomberg beruft sich dabei auf eine mit den Überlegungen in Teheran vertraute Person. Ein amerikanischer Angriffsbeschluss ist bislang nicht öffentlich bestätigt.
Vermittler suchen in Teheran nach einem Ausweg
Während die Drohungen zunehmen, laufen auch neue diplomatische Bemühungen. Nach Angaben von Associated Press waren am Montag hochrangige Delegationen aus Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei in Teheran. Sie sollen mit iranischen Vertretern über eine Entschärfung der regionalen Spannungen sprechen. Auch die Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien stehen demnach zur Debatte.
Irans Außenamtssprecher Esmail Baghaei erklärte, das Fenster für Diplomatie sei nicht geschlossen. Über Vermittler würden weiterhin Nachrichten mit Washington ausgetauscht. Forderungen nach einer „vollständigen Kapitulation“ seien für Iran jedoch unannehmbar.
Jemen-Konflikt verschärft die regionale Krise
Die saudisch geführte Koalition meldete unterdessen weitere Angriffe auf Huthi-Stellungen. Nach ihrer bei der saudischen Presseagentur SPA veröffentlichten Erklärung richtete sich die Operation gegen militärische Bedrohungen. Laut Koalition wurden unter anderem Raketendepots und Startanlagen zerstört.
Saudi-Arabien unterstützt seit seinem Kriegseintritt 2015 die international anerkannte Regierung Jemens gegen die Huthi. Die jüngsten Kämpfe haben die seit 2022 weitgehend eingehaltene Waffenruhe faktisch beendet. Mit ihrem Vorrücken an der Küste des Roten Meeres bedroht die Miliz zudem die Schifffahrtsroute am Bab al-Mandab. Damit geraten neben Hormus auch Ausweichwege für den internationalen Ölhandel unter wachsenden Druck.
Israels Geheimdienst: Warum der Mossad allen überlegen ist – und trotzdem versagt
Iran: Mordanschläge auf US-Diplomaten geplant – auch Europa im Visier
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]