Attentatspläne

Iran soll Mordanschläge auf US-Diplomaten planen – auch Europa im Visier

Ein US-Geheimdienstvermerk spricht von weit fortgeschrittenen Vorbereitungen. Die US-Regierung reduziert bereits das Personal an mehreren Botschaften im Nahen Osten.

5 Min
Bewaffnete Frauen der iranischen Revolutionsgarden marschieren bei einer Militärparade in Teheran unter einem Transparent, das Donald Trump im Fadenkreuz zeigt.

Bewaffnete Frauen der iranischen Revolutionsgarden marschieren bei einer Militärparade in Teheran unter einem Transparent, das Donald Trump im Fadenkreuz zeigt.

© Vahid Salemi/AP

Der Iran bereitet offenbar gezielte Mordanschläge auf amerikanische Diplomaten und Regierungsvertreter vor. Zwei iranische Funktionäre, darunter ein Angehöriger der Revolutionsgarden, haben entsprechende Vorbereitungen gegenüber der New York Times geschildert. Nach Einschätzung amerikanischer Geheimdienste befinden sich die mutmaßlichen Anschlagspläne bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Auch mögliche Ziele in Europa sollen ins Visier genommen worden sein.

Die beiden iranischen Funktionäre erklärten der New York Times am Samstag, amerikanische Regierungsvertreter würden angesichts der Tötung zahlreicher iranischer Funktionäre und einiger Familienangehöriger durch die USA und Israel als legitime Ziele betrachtet.

Die Zeitung gibt ihre Haltung mit der englischen Wendung „fair game“ wieder, sinngemäß „Freiwild“. Beide Informanten blieben anonym. Eine offizielle Bestätigung der iranischen Regierung liegt nicht vor.

Die Aussagen decken sich mit Warnungen amerikanischer Geheimdienste. Die US-Regierung hat bereits Personal an mehreren diplomatischen Vertretungen im Nahen Osten reduziert.

US-Geheimdienst warnt vor weit fortgeschrittenen Attentatsplänen

Am Freitag richtete der amerikanische Geheimdienstdirektor Jay Clayton einen Vermerk an Außenminister und Nationalen Sicherheitsberater Marco Rubio. Auch CIA-Direktor John Ratcliffe erhielt eine Kopie.

In dem Dokument, das zuerst das US-Nachrichtenportal Axios veröffentlichte, heißt es, die amerikanischen Geheimdienste hätten Hinweise erhalten, wonach der Iran seine Bemühungen zur gezielten Tötung amerikanischer Staatsbürger erheblich verstärkt habe.

„Die tödlichen Anschlagsplanungen der Iraner gegen US-Bürger haben sowohl im Nahen Osten als auch in bestimmten anderen Ländern ein fortgeschrittenes Stadium erreicht“, schrieb Clayton in dem Vermerk.

Der Geheimdienstchef forderte, dass die Warnungen einem größeren Kreis amerikanischer Regierungsmitarbeiter zugänglich gemacht werden. Dafür sollten bislang als geheim eingestufte Hintergrundinformationen so weit wie möglich freigegeben werden.

Die Echtheit des nicht als geheim eingestuften Vermerks wurde von amerikanischen Regierungsvertretern bestätigt. Auch die Nachrichtenagenturen Reuters und AP konnten das Dokument einsehen.

Konkrete Anschlagsziele, Namen möglicher Täter oder Zeitpunkte werden darin nicht genannt. Auf welchen Erkenntnissen die amerikanischen Geheimdienste ihre Einschätzung stützen, wurde bislang nicht öffentlich gemacht.

Ein Angehöriger der iranischen Revolutionsgarden zeigt bei einer Kundgebung zum Jahrestag der Islamischen Revolution am 11. Februar 2026 in Teheran das Siegeszeichen.

Ein Angehöriger der iranischen Revolutionsgarden zeigt bei einer Kundgebung zum Jahrestag der Islamischen Revolution am 11. Februar 2026 in Teheran das Siegeszeichen.

© Vahid Salemi/AP

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Iranische Anschlagspläne: Auch mögliche Ziele in Europa

Besonders alarmierend sind Hinweise, wonach sich die mutmaßlichen Vorbereitungen nicht auf den Nahen Osten beschränken.

Nach Informationen der New York Times haben amerikanische Sicherheitsbehörden in den vergangenen drei Wochen mögliche Anschläge auf Regierungsvertreter und Botschafter untersucht.

Demnach umfassen die iranischen Planungen auch potenzielle Ziele in Europa. Zudem gebe es nach Einschätzung eines amerikanischen Regierungsvertreters Hinweise auf iranische Operative, die sich bereits innerhalb der Vereinigten Staaten aufhalten könnten.

Ein weiterer US-Regierungsvertreter schränkte allerdings ein, dass die Möglichkeiten des Irans zur Durchführung solcher Anschläge begrenzt seien. Die Fähigkeiten iranischer Geheimdienste blieben hinter ihren eigenen Ambitionen zurück.

Welche europäischen Länder oder diplomatischen Vertretungen konkret gefährdet sein könnten, geht aus den Berichten nicht hervor.

Die Warnungen treffen Europa allerdings nicht völlig unvorbereitet. Bereits am 31. Juli 2025 hatten Deutschland und 13 weitere Staaten in einer gemeinsamen Erklärung vor einer wachsenden Bedrohung durch iranische Geheimdienste gewarnt.

Darin verurteilten die Regierungen Versuche iranischer Nachrichtendienste, Menschen in Europa und Nordamerika zu töten, zu entführen oder einzuschüchtern. Als mögliche Zielgruppen nannten sie Journalisten, Oppositionelle, jüdische Bürger sowie amtierende und ehemalige Funktionsträger. Die Erklärung belegt allerdings keinen Zusammenhang mit den jetzt gemeldeten Anschlagsplanungen.

USA reduzieren Botschaftspersonal in mehreren Ländern

Die amerikanische Regierung reagiert bereits mit konkreten Sicherheitsmaßnahmen.

Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, verringert das US-Außenministerium den Personalbestand an den Botschaften in Jordanien, dem Libanon, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Vertretungen bleiben geöffnet und arbeiten weiterhin mit eingeschränktem Personal. Eine verpflichtende Ausreise sämtlicher Beschäftigter wurde dort nicht angeordnet.

Anders ist die Lage in Saudi-Arabien. Dort hatte Washington bereits am Mittwoch angeordnet, dass nicht dringend benötigte Regierungsmitarbeiter und ihre Familien das Land verlassen müssen. Betroffen sind die Botschaft in Riad sowie die Konsulate in Dschidda und Dhahran.

Amerikanische Regierungsvertreter begründeten die Maßnahmen mit den iranischen Anschlagsplänen und der zunehmenden Bedrohung durch die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen.

Die Huthi haben zuletzt ihre Raketen- und Drohnenangriffe auf Saudi-Arabien verstärkt. Die amerikanischen Behörden befürchten eine weitere Ausweitung der Angriffe.

Trump droht dem Iran mit weiteren Militärschlägen

Die Geheimdienstwarnungen erfolgen inmitten einer erneuten Zuspitzung des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran.

Seit Beginn der gemeinsamen amerikanisch-israelischen Angriffe am 28. Februar hat sich der Konflikt auf mehrere Länder des Nahen Ostens ausgeweitet. Der Iran reagierte unter anderem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel und Ziele in der Golfregion.

Am Freitag brachte US-Präsident Donald Trump weitere Militärschläge gegen den Iran ins Gespräch. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida erklärte er, die Vereinigten Staaten könnten eine weitere Operation durchführen. Alternativ könne die iranische Führung einer Vereinbarung zustimmen.

Nach Recherchen der New York Times bereiten die USA und Israel mögliche neue Angriffe auf den Iran vor. Eine endgültige Entscheidung darüber hat Trump bislang nicht getroffen.

Die amerikanischen Geheimdienste bewerten die Gefahr für US-Bürger im Nahen Osten und weiteren Ländern nach Angaben von Regierungsvertretern inzwischen als so hoch wie zu keinem anderen Zeitpunkt seit Beginn des Krieges.

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