Ihr Vater steuert Drohnen gegen die russische Armee. Ihre künftige Mitspielerin kam aus Moskau.
Neun Tage lagen zwischen beiden Mitteilungen der Louisiana State University. Am 14. August verkündeten die LSU Tigers die Verpflichtung einer 17-jährigen Russin, am 24. August den Abgang ihrer ukrainischen Centerin.
Kate Koval, 20 Jahre alt, geboren in Kiew, war für die kommende Saison als Starterin eingeplant. Jetzt ist sie weg.
Kate Koval: Vater kämpft als Drohnenpilot in der Ukraine
Kovals Vater Oleksandr dient in der ukrainischen Armee, er ist als Drohnenpilot im Einsatz. Seine Tochter kam 2021 in die USA und spielte an der Long Island Lutheran High School in New York, wo sie zur besten Centerin ihres Jahrgangs aufstieg.
Ihr erstes College-Jahr verbrachte sie an der Universität Notre Dame, 2025 wechselte sie nach Baton Rouge. Für LSU stand die 1,96 Meter große Spielerin in allen 35 Saisonspielen auf dem Feld, 17 davon als Starterin, im Schnitt 8,3 Punkte und 6,3 Rebounds. Für die Ukraine lief sie bei der 3x3-Weltmeisterschaft auf.
LSU Tigers: Kim Mulkey spricht von „persönlichen Gründen“
Head Coach Kim Mulkey teilte den Abgang in einer Erklärung der Universität mit. Koval sei am Sonntag zu ihr gekommen und habe nach langer Überlegung entschieden, das Programm aus persönlichen Gründen zu verlassen.
Man respektiere ihre Privatsphäre, so Mulkey weiter. Das Gespräch sei lang gewesen, die Entscheidung schwer, weil Koval LSU liebe.
Einen Zusammenhang mit dem Transfer stellte die Trainerin nicht her, wie ESPN berichtet. Koval selbst äußerte sich bislang nicht. Bleibt die Chronologie.
Anna Minaeva kam von MBA Moskau nach Baton Rouge
Die neue Spielerin heißt Anna Minaeva, ist ebenfalls 1,96 Meter groß und stand zuletzt bei MBA Moskau unter Vertrag, einem Profiklub der russischen Premier League. In ihrer Mitteilung führte die Universität 29 Saisoneinsätze mit 11,2 Punkten und 9,6 Rebounds an, den Großteil davon beim zweiten Team des Klubs.
Es erfordere enormen Mut, mit 17 Jahren die Heimat zu verlassen, wurde Mulkey darin zitiert.
Mulkey hoffte auf Botschafterinnen für den Frieden
Vor der Verpflichtung suchte die Trainerin das Gespräch mit Koval, gemeinsam mit Assistenzcoach Bob Starkey. Sie sei nicht gekommen, um die Ukrainerin zu einer anderen Haltung gegenüber Russland zu bewegen, sondern aus Respekt vor ihr und ihrer Familie, zitierte sie das Portal CBS Sports nach einem Interview mit der Zeitung The Advocate aus New Orleans.
Sie könne in ihrem Geschäft aber niemanden ablehnen, der dem Team helfe, nur weil zwischen zwei Ländern ein Konflikt herrsche, sagte sie dem Blatt. Sie habe gehofft, beide Spielerinnen könnten als Botschafterinnen ihrer Länder auftreten. Vielleicht, so Mulkey, helfe das ja sogar, den Krieg zu beenden.
Transferportal geschlossen: Koval verlässt auch die Universität
Sportlich trifft Koval der Schritt hart. Das Transferportal der NCAA ist längst zu, an vielen Hochschulen hat das Semester begonnen.
Nach Angaben einer LSU-Sprecherin gegenüber dem Branchendienst Front Office Sports will sich Koval auch als Studentin exmatrikulieren. Ein neues Team dürfte sie erst im April finden. Zwei Jahre Spielberechtigung hat sie noch.
Kim Mulkey: vier NCAA-Titel, viele Konflikte
Mulkey ist die einzige Trainerin, die mit zwei Hochschulen den NCAA-Titel gewann, dreimal mit Baylor, 2023 mit LSU. Sie ist die bestbezahlte Trainerin im US-Frauenbasketball und regelmäßig Ziel von Kritik.
2024 drohte sie der Washington Post mit rechtlichen Schritten wegen eines Porträts, in dem frühere Spielerinnen ihren Führungsstil schilderten. Thema war auch ihr Schweigen zur Inhaftierung von Brittney Griner, die 2022 fast zehn Monate in russischer Haft saß. Über ihre Anwälte wies Mulkey den Vorwurf zurück.
Ukraine und Russland: Der Krieg erreicht den College-Sport
Seit dem russischen Angriff im Februar 2022 ziehen sich solche Konflikte durch den Weltsport. Die Tennisspielerin Elina Switolina verweigert russischen Gegnerinnen seit Jahren den Handschlag.
Ein Team mit ukrainischen und russischen Spielerinnen hat es im College-Basketball der ersten Division seither offenbar nicht gegeben. In Baton Rouge wird es das nun auch nicht geben.
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