BERLIN. Der von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) verordnete Sparkurs für Krankenhäuser zeigt Wirkung: Jede dritte Klinik schreibt im laufenden Jahr Verluste. Davon sind zunehmend auch Häuser betroffen, die von Privatunternehmen betrieben werden. Das geht aus einer gestern vorgestellten Studie der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) hervor. "Seit Jahren haben die Kliniken deshalb nicht mehr so pessimistisch und sorgenvoll in die Zukunft geschaut", erklärte DKG-Geschäftsführer Georg Baum. Dazu trage auch bei, dass wegen der Finanzmarktkrise ersten Kliniken die Kreditlinien gekürzt würden oder diese höhere Zinsen für geliehenes Geld bezahlen müssten. Wie verbreitet dieses Problem ist, konnte er aber nicht beziffern.Tausende Ärzte fehlenNach der "Krankenhausbarometer" genannten Studie leiden die 2 100 deutschen Kliniken unter hohem Fieber. Nur noch 32 Prozent der Häuser rechnen in diesem Jahr mit einem Überschuss, 2007 waren es noch 51,8 Prozent. 30 Prozent erwarten ein ausgeglichenes Ergebnis, 34 Prozent stellen sich auf rote Zahlen ein. "2008 werden 30 weitere Krankenhäuser schließen oder in einem Verbund aufgehen", sagt Baum. Und jedes zweite Haus befürchte, dass sich die Lage 2009 weiter verschlechtert. Ingesamt sei 2008 und 2009 mit einem strukturellen Defizit von fünf Milliarden Euro zu rechnen, heißt es in der Studie. Zusätzlich schleppten die Kliniken noch eine Milliarde Euro Verlust aus dem letzten Jahr mit sich mit. Sollte die Kostenlücke von insgesamt 6,7 Milliarden Euro nicht geschlossen werden, müssten über 20 000 Arbeitsplätze abgebaut werden, sagte Baum. Dies ginge zu Lasten der Patienten und des verbleibenden Klinikpersonals. Schon jetzt gibt es Berichte, wonach in einzelnen Krankenhäusern zwei Pflegekräfte im Nachtdienst bis zu zwanzig Frischoperierte betreuen.Bei den Ärzten hat sich der repräsentativen Umfrage zufolge längst eine große Lücke aufgetan. Rund 4 000 Stellen bleiben der DKG zufolge derzeit unbesetzt, weil entweder geeignete Ärzte fehlen oder weil es den Krankenhäuser an Geld mangelt, um die Löhne zu bezahlen. Der Marburger Bund warnte die politische Verantwortlichen vor "einer unerträglichen Überbelastung des Krankenhauspersonals" und forderte ebenfalls mehr Geld. Es gebe an den Krankenhäusern "ein chronisches Übermaß an Leistungsintensivierung, das mit zur Verschärfung des Ärztemangels und der Ärzteflucht ins Ausland beiträgt", erklärte die Krankenhaus-Ärzte-Gewerkschaft.Baum zufolge sind Kreiskrankenhäuser typische Verlust-Kliniken. Die Zahl und Art der behandelten Krankheiten sei in diesen Häusern in den letzten Jahren gleich geblieben, damit hätten keine zusätzlichen Einnahmequellen erschlossen werden können. Gleichzeitig seien die Sach- und Personalkosten stärker gestiegen als die Grundlohnsumme, an der sich die Steigerung der Mittelzuweisung für die Kliniken orientiert. Sie lag die letzten drei Jahre unter einem Prozent.Baum forderte die Kanzlerin auf, sich mehr für die Nöte der Krankenhäuser zu interessieren. Die niedergelassenen Ärzte erhalten im nächsten Jahr zehn Prozent mehr Geld, bei den Krankenhäusern seien es nur fünf Prozent, und dazu würde man ihnen zusätzliche Kosten aufbürden. So hat die Bundesregierung ein Programm aufgelegt, mit dem 21 000 neue Pflegekräfte eingestellt werden sollen, 30 Prozent der Kosten müssen die Kliniken selber bestreiten. Baum forderte, besser nur 14 000 Pflegekräfte einzustellen, die aber zu 100 Prozent zu finanzieren. Doch die "Kanzlerin diskutiert lieber über CO2 als auf dem deutschen Krankenhaustag", kritisierte er.Derweil verabschiedete die Bundesregierung gestern definitiv den neuen, einheitlichen Beitragssatz zur Krankenversicherung in Höhe von 15,5 Prozent für 2009. Damit werden die Unternehmen nach Berechnungen des Ökonomen Bernd Raffelhüschen 2009 mit 2,04 Milliarden Euro zusätzlich belastet.------------------------------Foto: 21 000 zusätzliche Pflegekräfte sollen in Krankenhäusern eingestellt werden.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]