BERLIN. "Gewinne hoch, viel Inflation, die Zeit ist reif für gerechten Lohn!" steht auf einem Transparent während der Protestkundgebung der IG Metall in Berlin-Tegel. "Nur für Gerechtigkeit stehen wir hier", sagt eine Angestellte des Aufzugherstellers Otis. "Weil die Schere zwischen unseren und den Manager-Gehältern immer größer wird."Gemeinsam mit rund 900 Mitarbeitern aus fünf Berliner Unternehmen ist sie an diesem Montag dem Warnstreik-Aufruf der IG Metall gefolgt. "Unsere Forderung von acht Prozent mehr Lohn ist auch in Krisenzeiten nicht zu viel verlangt", ruft Arno Hager, Erster Bevollmächtigter der Berliner IG Metall, vom Podium vor dem U-Bahnhof Holzhauser Straße. "Denn woher kommt die Finanzkrise? Nicht nur von den Bankern, die fehlende Moral von gierigen Arbeitgebern ist schuld!" Das Publikum bläst zustimmend in Trillerpfeifen und schwenkt rote Fahnen.Für den IG-Metall-Bezirk Berlin und Brandenburg beginnt heute die zweite Verhandlungsrunde. In der Region arbeiten rund 93 000 Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie.Einer der sich schon nicht mehr richtig dazugehörig fühlt, hat sich etwas abseits der vielen Teilnehmer platziert. Kurt Langkabel wird seinen Job bei der Firma Emerson Climate Technologies verlieren, bei der er 22 Jahre lang gearbeitet hat. "Die Produktion wird nächstes Jahr nach Tschechien verlagert, um Kosten zu sparen", sagt er und fügt hinzu: "Obwohl wir schwarze Zahlen schreiben." Er und viele seiner Kollegen sind dennoch zu der Veranstaltung gekommen, obwohl sie nicht mehr viel für sich von dem Standort erwarten. "Für uns ist Berlin tot", stellt der Metaller trocken fest. Trotzdem üben sie weiterhin Solidarität mit den Kollegen. Deshalb steht er mit ihnen in der nebligen Kälte. "Wir wollen die anderen unterstützen. "Arbeitgeber fordern GipfeltreffenIn ganz Deutschland beteiligten sich gestern laut IG Metall rund 50 000 Beschäftigte an Warnstreiks, die heute fortgesetzt werden sollen. Damit will die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöhen, ihr Angebot nachzubessern. Sie hatten vergangene Woche ein Plus von 2,1 Prozent sowie Einmalzahlungen für 2008 von 0,8 Prozent angeboten. Für viele Metaller ist das eine Provokation. "Mickrig" nannte der IG-Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, Olivier Höbel, den Vorschlag. Das wäre für die Beschäftigten ein Minus-Geschäft, weil damit nicht einmal die Preissteigerungen ausgeglichen würden.Die IG Metall sieht die höchste Tarifforderung seit 16 Jahren trotz Finanzkrise gerechtfertigt, weil die Produktivität und Gewinne der Unternehmen zuletzt stark gestiegen waren. Daran sollten die Mitarbeiter nun beteiligt werden. "Die Leute brauchen schlicht Geld um sich das, was sie produzieren - wie Autos - auch leisten zu können", sagte der IG-Metall-Chef Berthold Huber. Einmalzahlungen lehnt die Gewerkschaft ab. Diese hätten anders als eine Erhöhung des Basislohnes keine dauerhafte Wirkung. "Wenn sie aufgebraucht sind, sind sie weg", sagte Huber.Dagegen forderte der Verband der Metall- und Elektroindustrie (VME) die IG Metall angesichts der Krise zu "zeitgemäßem Vorgehen" auf. Bei einem Metallgipfel unter Beteiligung aller Regionen solle auf Bundesebene nach einer Lösung für diese Tarifrunde gesucht werden, sagte VME-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. Ziel sollte es sein, dass möglichst alle Beteiligten möglichst unbeschadet durch die Finanzkrise und ihre Auswirkungen kommen.Der Zeitrahmen für Verhandlungen ist denkbar eng. Einigen sich die Tarifparteien nicht bis Mitte November auf ein Ergebnis, kann die Gewerkschaft die Verhandlungen für gescheitert erklären und die Mitglieder zur Urabstimmung über einen unbefristeten Streik aufrufen.------------------------------Ende des BoomsPositionen: Die IG Metall fordert für die rund 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche acht Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Arbeitgeber haben ein Plus von 2,1 Prozent zum Tariflohn sowie eine Einmalzahlung von 0,8 Prozent des Lohnes im November und Dezember dieses Jahres angeboten.Entwicklung: Die Metallindustrie hatte in den Aufschwung-Jahren seit 2005 einen enormes Wachstum verzeichnet. In dieser Zeit sind rund 250 000 neue Stellen in den Betrieben entstanden. Für 2009 rechnet die Branche aber mit Stagnation. Die Aufträge blieben aus, hieß es.------------------------------Foto: Acht Prozent mehr Lohn fordern Berliner Metallbeschäftigte auf einer Kundgebung in Tegel.
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