BERLIN. Eine Woche vor der Abstimmung im Bundestag über den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan wollen sich immer mehr Bundestagsabgeordnete der Grünen ihrem jüngsten Parteitagsbeschluss widersetzen und für einen Verbleib der deutschen Soldaten am Hindukusch stimmen. Die hessische Abgeordnete Anna Lührmann sagte der Berliner Zeitung: "Ich habe mich gefragt was passieren würde, wenn alle Parlamentarier nicht zustimmen. Im Ergebnis müssten die Soldaten abziehen, der zivile Wiederaufbau wäre gefährdet. Das kann ich vor meinem Gewissen nicht verantworten."Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen die anderen vier hessischen Bundestagsabgeordneten Priska Hinz, Nicole Maisch, Omid Nouripour und Margareta Wolf. In einem Brief an ihre Basis begründen sie ihr abweichendes Verhalten damit, dass der sinnvolle Gesamtbeitrag Deutschlands zur Stabilisierung Afghanistans wichtiger sei als die kritische Haltung der Grünen zu den dortigen Tornado-Flugzeugen. "Ich habe den Eindruck, dass die hessische Basis für diese Haltung Verständnis hat", sagte Lührmann. Neben den hessischen Parlamentariern haben intern mindestens acht weitere Abgeordnete ein Ja zu dem am Freitag zur Abstimmung stehenden kombinierten Isaf-Tornado-Mandat angekündigt. Dazu gehören die Hamburger Abgeordneten Krista Sager und Anja Hajduk, der Haushalts- und Wehrexperte Alexander Bonde und die frühere Entwicklungs-Staatssekretärin Uschi Eid.Die Abgeordneten widersprechen nicht nur dem Parteitagsbeschluss von Göttingen. Dieser hatte von ihnen ein Nein oder eine Enthaltung verlangt. Sie ignorieren auch die Aufforderung ihrer beiden Fraktionschefs Renate Künast und Fritz Kuhn. Diese hatten ihre 51 Abgeordneten nach dem Parteitag aufgefordert, dem Mandat aus Respekt vor dem Willen des Parteitages nicht zuzustimmen. Endgültige Klarheit über das Meinungsbild in der tief zerstrittenen Fraktion wird eine Probeabstimmung am Dienstag bringen.Mit Spannung wird erwartet, wie die Fraktionschefs selbst abstimmen. Bisher haben sie sich dazu nicht öffentlich geäußert. Künast und Kuhn sind eigentlich für den Einsatz, wurden auf dem Parteitag aber wie die gesamte Führung dafür abgestraft. Nach Informationen dieser Zeitung erwägen beide nun eine Enthaltung, um den seit Monaten schwelenden Konflikt mit der Basis nicht weiter anzufeuern. Auch die zehn Abgeordneten aus Nordrhein-Westfalen wollen sich geschlossen der Stimme enthalten.Der Initiator des kritischen Afghanistan-Beschlusses von Göttingen, der Gelsenkirchener Grünen-Politiker und Parteilinke Robert Zion, zeigte sich trotz der vielen abweichenden Meinungen gestern ungewöhnlich milde: "Die Gewissensfreiheit der Abgeordneten als Vertreter des ganzen Volkes ist nach dem Grundgesetz zu respektieren".------------------------------"Die Gewissensfreiheit ist zu respektieren." Parteirebell Robert Zion------------------------------Foto: Bundeswehrsoldat nahe der afghanischen Stadt Kundus. Deutschland beteiligt sich an der Schutztruppe Isaf.
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