Mobilität

In der Marzahner Seilbahn sollen künftig auch Umweltkarten gelten

Ohne Aufpreis durch den Himmel über Berlin gondeln: Das wünscht sich auch die Linke-Fraktion. Doch müssen Spaßfahrten wirklich so billig sein?

5 Min
Berlins einzige Seilbahn führt im Osten der Stadt zu den Gärten der Welt. 2018 wurden die Glasbodengondeln für rund 650.000 Fahrten genutzt, im Corona-Jahr 2020 waren es 450.000.

Berlins einzige Seilbahn führt im Osten der Stadt zu den Gärten der Welt. 2018 wurden die Glasbodengondeln für rund 650.000 Fahrten genutzt, im Corona-Jahr 2020 waren es 450.000.

© imago/Frank Sorge

In den Weihnachtsferien läuft er wieder an, der Betrieb auf der einzigen Seilbahn von Berlin. Wer mit ihr zu den Gärten der Welt in Marzahn schweben will, zahlt für die Hin- und Rückfahrt 6,50 Euro oder kauft eine Jahreskarte der Grün Berlin GmbH. In Zukunft sollen dort zum Beispiel auch Umweltkarten oder Seniorentickets gelten, fordert die Linke-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Sie hat einen Antrag beschlossen, wonach die Seilbahn in den Tarif des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) einbezogen wird. 

„Der Senat wird aufgefordert, alle erforderlichen Maßnahmen einzuleiten, um die Seilbahn an den Gärten der Welt im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, die mittlerweile durch die Grün Berlin GmbH betrieben wird, als Teil der BVG in den VBB-Tarif ab 1.1.2024 zu integrieren“ – so steht es in dem Antrag, den die Linke ins Landesparlament einbringen will. Reguläre Tickets, die zum Beispiel in der BVG oder der S-Bahn gelten, sollen künftig auch in der Seilbahn von Marzahn-Hellersdorf im Osten von Berlin anerkannt werden.

Auch der Bezirk Marzahn-Hellersdorf will Seilbahnfahren billiger machen

So dürften Zeitkarteninhaber die anderthalb Kilometer lange Strecke, die neben dem U-Bahnhof Kienberg (Gärten der Welt) beginnt, ohne Aufpreis nutzen. Auch andere politische Akteure wie das Bezirksamt und das Bezirksparlament fordern, dass die Seilbahn in den Verbundtarif integriert wird. Es ist zudem eines der Ziele, die SPD, Grüne und Linke in ihrer Koalitionsvereinbarung für die Zeit bis Ende 2026 festgelegt haben.

Die Seilbahn, Symbol der Internationalen Gartenausstellung IGA 2017 in Marzahn-Hellersdorf, sei mittlerweile zu einem Wahrzeichen des Bezirks und Berlins geworden, so die Linke in der Antragsbegründung. „Nicht zuletzt hat sie aber auch eine Bedeutung für die Erschließung des Kienbergparks und der Gärten der Welt. Als praktisches Verkehrsmittel zwischen Marzahn und Hellersdorf ist sie für viele nicht mehr wegzudenken.“

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Der Senat hat den Vertrag mit der Firma Leitner bis mindestens 2033 verlängert

Als „nachhaltiges und attraktives Verkehrsmittel“ sei die Seilbahn für mindestens zehn Jahre gesichert, teilte die Senatsverwaltung für Mobilität dem Linke-Politiker Kristian Ronneburg mit. „Die landeseigene Grün Berlin hat am 27. Oktober 2022 den Vertrag zum Betrieb der Seilbahn mit der Leitner Seilbahn Berlin GmbH verlängert. Der Vertrag beginnt am 1. Januar 2023 und endet frühestens zum 31. Dezember 2033.“ Die nötigen Gelder von insgesamt rund 15 Millionen Euro seien im Landeshaushalt gesichert.

Doch damit, dass die Seilbahn weiterbetrieben wird, wollen sich Bürger und Politiker nicht zufriedengeben. Sie fordern auch, dass die Nutzung für die Fahrgäste künftig deutlich weniger Geld kostet – Seilbahnfahren als Leistung der Daseinsvorsorge für alle.

Aus Sicht der BVG wäre eine Integration in den VBB-Tarif ebenfalls „sinnvoll“, berichtete die Verwaltung von Senatorin Bettina Jarasch (Grüne). Erste Schritte hin zu diesem Ziel gibt es offenbar: „Aktuell laufen Abstimmungen mit der Seilbahn zu möglichen Kooperationsformen zum Ticketverkauf.“

BVG sieht „kaum verkehrliche Bedeutung“

Allerdings habe das Landesunternehmen BVG auch betont, dass es der Seilbahn „kaum verkehrliche Bedeutung“ beimesse, führte der Senat weiter aus. Das sehen auch Berliner Experten so, die sich mit dem Thema befasst haben. Seilbahnen seien sinnvoll, um Flüsse oder Berghänge zu überwinden, sagen sie. Dagegen ließen sich in Berlin kaum Anwendungsfälle denken, bei denen die Vorteile die Nachteile ausstechen. Ein Nachteil sei zum Beispiel, dass eine Seilbahn immer eine Insel bildet und schon aus technischen Gründen nicht direkt ins übrige Verkehrsnetz eingebunden werden kann. Wer sie nutzen will, muss beim Umsteigen immer Wege, meist auch Höhenunterschiede zurücklegen.

Mit Bussen, Straßenbahnen und der U5 sei der Bezirk bereits sehr gut erschlossen, hieß es weiter. Die Seilbahn werde auf absehbare Zeit nicht für den Alltag, sondern vor allem für den Freizeitverkehr und touristisch interessant sein, für Spaßfahrten und Ausflüge in die Gärten der Welt. Als Teil der Daseinsvorsorge sei sie verzichtbar. 

Für 15 Euro Aufschlag ein Jahr lang täglich Seilbahn fahren

Obwohl der reale Verkehrswert als gering eingeschätzt wird, fallen trotzdem relativ hohe Aufwendungen an. Dabei geht es nicht nur um die Zahlung an den Betreiber Leitner. Zu betrachten sind auch die Fahrgelderträge, die sich in diesem Jahr laut Senat auf der Grundlage des jetzigen Tarifs noch auf 780.000 Euro summieren. Ein Großteil dieser Einnahmen fiele weg, wenn die Seilbahn in den Verbundtarif integriert würde. Folge wäre, dass das Land Berlin weiteres Geld zuschießen müsste. Im Berliner Landeshaushalt sind im Kapitel 0730 beim Titel 54045 für 2023 eine Million Euro für die Integration der Seilbahn in den Nahverkehr vorgesehen, so der SPD-Abgeordnete Sven Heinemann.

Unterm Strich könnte der Seilbahnbetrieb Berlin also jährlich deutlich mehr als zwei Millionen Euro kosten. Dafür könnte man viele zusätzliche BVG-Fahrten mit einem deutlich höheren Nutzen bestellen, wenden Kritiker ein. Dabei habe der bisherige Erfolg der Marzahner Seilbahn gezeigt, dass Menschen bereit sind, für die Spaßfahrt Geld zu zahlen. Im Übrigen gebe es bereits ein attraktives Angebot, das gut genutzt werde: Wer für die Jahreskarte, die in allen Parks von Grün Berlin gilt, nicht 30, sondern 45 Euro zahlt, darf täglich jeweils einmal mit der Seilbahn hin- und zurückfahren.

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