In Indonesien bedrohen schwere Waldbrände einige der ältesten bekannten Kunstwerke der Menschheit. Auf der Insel Sulawesi kämpfen Feuerwehrleute gegen Feuer, die bis auf 800 Meter an Höhlen mit prähistorischen Wandmalereien herangekommen sind. Einige der Bilder entstanden vor mindestens 51.200 Jahren, lange bevor Menschen in Europa die berühmten Höhlenmalereien von Lascaux schufen.
Die Feuer haben bereits mehr als 270 Hektar eines Nationalparks erfasst, in dem sich zahlreiche archäologische Fundstätten befinden. Wissenschaftler warnen, dass die unersetzlichen Kunstwerke selbst dann dauerhaft beschädigt werden könnten, wenn die Flammen die Höhlen nicht unmittelbar erreichen.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag berichtete, handelt es sich um die schwersten Wald- und Flächenbrände in Indonesien seit mehr als einem Jahrzehnt. Besonders stark betroffen sind die Inseln Sumatra und Borneo. Doch auch auf Sulawesi haben sich die Feuer ausgebreitet.
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Im Gebiet Maros-Pangkep im Süden Sulawesis kämpfen Einsatzkräfte seit Wochen gegen die Brände. Die Region ist für ihre gewaltigen Kalksteinformationen und ihre zahlreichen Höhlen bekannt. Seit 2023 gehört sie zum internationalen Netzwerk der Unesco Global Geoparks.
Nach Angaben des Feuerwehrmanns Muhammad Ikfar brannte es Anfang Oktober mehr als eine Woche lang in unmittelbarer Nähe einer der Höhlen. Die Flammen näherten sich dem Fundort bis auf etwa 800 Meter.
Zwischen dem 30. September und dem 18. Oktober wurden nach seinen Angaben mehr als 270 Hektar des Nationalparks durch die Feuer verwüstet.
Noch am Donnerstag und Freitag waren Einsatzkräfte in anderen Teilen des Schutzgebiets damit beschäftigt, weitere Brände zu löschen. Die anhaltende Trockenheit erschwert ihre Arbeit. Regen war zunächst nicht in Sicht.
Verantwortlich für die außergewöhnlich schweren Waldbrände sind nach Angaben der Behörden und Forscher unter anderem die Auswirkungen eines starken El-Niño-Wetterphänomens. Hohe Temperaturen und ausbleibende Niederschläge haben Wälder und Torfgebiete ausgetrocknet.
Feuerwehrleute bekämpfen in Indonesien sich ausbreitende Waldbrände.
© Muhammad Fajri/imago
Höhlenmalereien zeigen Menschen und Schweine vor 51.200 Jahren
Was in Maros-Pangkep auf dem Spiel steht, ist von außergewöhnlicher Bedeutung für die Geschichte der Menschheit.
In der Kalksteinhöhle Leang Karampuang entdeckten Wissenschaftler eine Darstellung, auf der drei menschenähnliche Figuren offenbar mit einem Wildschwein interagieren.
Forscher der australischen Griffith University und indonesischer Forschungseinrichtungen konnten das Mindestalter der Malerei auf 51.200 Jahre bestimmen. Ihre Ergebnisse wurden im Juli 2024 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.
Die Darstellung gilt als älteste bislang bekannte erhaltene Bildszene, die eine Handlung zwischen mehreren Figuren zeigt. Sie liefert damit einen außergewöhnlich frühen Beleg dafür, dass Menschen bereits vor mehr als 50.000 Jahren Geschichten durch Bilder erzählten.
Die Wissenschaftler untersuchten für die Altersbestimmung winzige Kalkablagerungen, die sich im Laufe der Jahrtausende über den Farbpigmenten gebildet hatten. Mithilfe einer speziellen Uran-Datierung konnten sie bestimmen, wann diese Ablagerungen entstanden waren. Da die Malerei darunterliegt, muss sie mindestens ebenso alt sein.
Ältester Handabdruck der Welt ist mindestens 67.800 Jahre alt
Erst im Januar 2026 sorgten weitere Funde aus der Region international für Aufsehen.
In der Höhle Liang Metanduno auf der Insel Muna, die südöstlich von Sulawesi liegt, datierten Wissenschaftler einen rötlichen Handabdruck auf ein Mindestalter von 67.800 Jahren.
Der Abdruck entstand offenbar, indem ein Mensch seine Hand an die Felswand hielt und Farbpigmente darum auftrug. Besonders bemerkenswert ist, dass einer der Finger auf ungewöhnliche Weise verjüngt erscheint. Die Forscher vermuten eine bewusste künstlerische Veränderung.
Die Ergebnisse wurden am 21. Januar 2026 ebenfalls in Nature veröffentlicht. Der Handabdruck gilt seitdem als ältestes zuverlässig datiertes Beispiel dieser Art von Höhlenkunst.
Die Brände, über die Reuters jetzt berichtet, betreffen allerdings das Gebiet Maros-Pangkep auf Sulawesi. Eine unmittelbare Gefährdung des noch älteren Fundes auf Muna ist bislang nicht dokumentiert.
Forscher warnen: Selbst Rauch kann die Kunstwerke zerstören
Der Archäologe Basran Burhan von der Griffith University warnt vor Schäden, die selbst ohne direkten Kontakt mit dem Feuer entstehen können.
„Die erste und zerstörerischste Wirkung ist die Hitze“, sagte Burhan gegenüber Reuters. Selbst wenn die Flammen die Malereien nicht unmittelbar erreichten, könne die veränderte Umgebungstemperatur ihren Verfall beschleunigen.
Ein weiteres Problem sei der Rauch. Rußpartikel könnten sich auf den jahrtausendealten Bildern ablagern und sie zunehmend unkenntlich machen.
Bereits 2021 hatten Forscher in einer Studie in Scientific Reports nachgewiesen, dass zahlreiche Höhlenmalereien in Maros-Pangkep durch Verwitterung gefährdet sind.
Sie untersuchten elf Fundstätten und fanden Hinweise darauf, dass Salzablagerungen den Kalkstein beschädigen. Wenn Feuchtigkeit verdunstet, können Salzkristalle wachsen und Teile der Felsoberfläche absprengen. Mit dem Gestein verschwinden dann auch die darauf gemalten Bilder.
Die Wissenschaftler machten insbesondere längere Trockenperioden und extreme Klimaschwankungen für die zunehmende Gefährdung verantwortlich.
Durch die aktuellen Brände droht den Kunstwerken eine zusätzliche Belastung.
Burhan fordert deshalb rasche und gezielte Schutzmaßnahmen. Ohne solche Eingriffe bestehe die Gefahr, eines der außergewöhnlichsten Zeugnisse der menschlichen Geschichte in Maros-Pangkep zu verlieren.
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