Fifa-Präsident Gianni Infantino hat eine unabhängige externe Überprüfung der Führungsstrukturen des Weltfußballverbands vorgeschlagen. In einem Brief an die 211 Mitgliedsverbände und die Mitglieder des Fifa-Rates kündigte der Schweizer am Montag zudem Konsultationen über eine Stärkung der Entscheidungsprozesse an, wie mehrere Nachrichtenagenturen berichteten.
Infantino wolle den Fifa-Rat auf seiner Sitzung am 15. Oktober fragen, ob er eine externe, unabhängige Bewertung des derzeitigen Governance-Rahmens für große strategische Vorhaben in Auftrag geben solle, heißt es in dem Schreiben, aus dem unter anderem AP zitiert.
Untersucht werden solle demnach, wer bei zentralen Initiativen mitentscheidet, welche Rolle Präsident, Büro, Rat und Kongress spielen und wie Transparenz und Rechenschaftspflicht verbessert werden können. Vorschläge, die bis zur Ratssitzung eingehen, könnten dort laut dem Brief bereits beraten werden. Änderungen an den Fifa-Statuten müssten anschließend vom Kongress bestätigt werden.
Reaktion auf geplatzten Investorenplan
Hintergrund ist nach Angaben von Reuters der massive Widerstand gegen ein Vorhaben, wonach private Investoren einen 20-Prozent-Anteil an einer Vermarktungsgesellschaft für die Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft und weiteren Wettbewerben hätten übernehmen sollen.
Das als „Fifa Forward Enterprise“ bezeichnete Projekt wurde nach Boykottdrohungen im Juli zurückgezogen. Die Europäische Fußball-Union Uefa, der asiatische Verband AFC und der nord- und mittelamerikanische Verband Concacaf forderten anschließend Änderungen an der Verbandsspitze.
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Nach Angaben von Reuters sah der Vorstoß vor, eine Tochtergesellschaft im Wert von 20 Milliarden US-Dollar zu gründen und bis zu 20 Prozent daran an Finanzinvestoren zu verkaufen, um 4,2 Milliarden US-Dollar einzunehmen.
Der Plan sei vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangt und habe den Eindruck erweckt, Entscheidungen seien bereits gefallen, schrieb Infantino in dem Brief. Es habe sich um einen Vorschlag gehandelt, nicht um einen Beschluss. Das Vorhaben sei nun endgültig zurückgezogen. An der Absicht, zusätzliche Einnahmen für den Fußball zu erschließen, halte er aber fest.
Kein Rückzug von Kandidatur
Einen Verzicht auf eine vierte Amtszeit schloss der 56-Jährige in dem Schreiben aus. „Ich bleibe voll und ganz dazu verpflichtet, die Fifa zu führen“, zitieren Reuters und dpa aus dem Brief. Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im März 2027 in Rabat können bis zum 18. November aufgestellt werden.
Zu Infantinos Gegnern zählen laut dpa Uefa-Präsident Aleksandar Ceferin sowie der Deutsche Fußball-Bund unter Bernd Neuendorf. Ende August hatte die Uefa angekündigt, in den USA Unterlagen zum Investorenplan anzufordern, um in der Schweiz einen Strafantrag gegen Infantino zu prüfen. Einen Gegenkandidaten haben die Kritiker bislang nicht benannt.
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