Fifa

„Meditieren, beten oder Fußball schauen“: Infantinos Rundumschlag gegen WM-Kritiker

Visa-Streit, Schiedsrichterdebatten, Trinkpausen und Trumps Einfluss prägten die WM. Fifa-Chef Gianni Infantino weist die Kritik zurück und wirft Medien „Hass“ vor.

3 Min
Fifa-Präsident Gianni Infantino mit gefalteten Händen auf der Tribüne.

Fifa-Präsident Gianni Infantino mit gefalteten Händen auf der Tribüne.

© Mark Pain/imago

Erst wirft Gianni Infantino seinen Kritikern vor, „Hass“ und „falsche Gerüchte“ zu verbreiten. Dann empfiehlt er ihnen, innezuhalten, zu meditieren, zu beten oder einfach ein Fußballspiel anzuschauen. Eine Woche nach dem WM-Finale hat der Präsident des Weltverbands Fifa ungewöhnlich scharf mit Medien und Beobachtern des Turniers abgerechnet.

Infantino veröffentlichte seine Botschaft in 15 Teilen auf Instagram. Der 887 Wörter lange Text erschien anschließend auch auf der Internetseite der Fifa. Darin verteidigt der 56-Jährige die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada gegen nahezu jede Kritik und stellt ihr seine eigene Bilanz entgegen: sieben Millionen Besucher aus mehr als 200 Ländern, „100 Prozent Sicherheit“ sowie „null Zwischenfälle, null Feindseligkeiten, null Gewalt“.

„Während ihr euch versteckt, erkunden wir die Straßen Kanadas, Mexikos und der Vereinigten Staaten, sprechen mit Fans, gehen auf die Menschen zu und sorgen für die Sicherheit aller“, schreibt Infantino. Seine Botschaft an die Kritiker lautet: „Während ihr spaltet, vereinen wir.“

Fifa-Chef spricht von „Hass“ und „falschen Gerüchten“

Der Rundumschlag richtet sich gegen eine Reihe von Kontroversen, die das Turnier begleitet hatten. Kritisiert wurden das auf 48 Mannschaften vergrößerte Teilnehmerfeld, als Trinkpausen deklarierte Werbeunterbrechungen und mehrere schwer nachvollziehbare Entscheidungen von Schiedsrichtern und Fifa-Gremien.

Politische Debatten gab es zudem um Einreisebeschränkungen. Dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan wurde die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert. Die iranische Nationalmannschaft bezog wegen ihrer eingeschränkten Bewegungsfreiheit ihr Quartier in Mexiko statt in den USA.

Infantino weist die Kritik an den Einreisebedingungen zurück. Die Fifa habe „unermüdlich“ daran gearbeitet, zwei Länder miteinander zu versöhnen, die sich im Krieg befänden. Das iranische Team sei ohne Zwischenfälle oder Konflikte in die USA eingereist, schreibt er. Auf die Einschränkungen für die Mannschaft geht er nicht näher ein.

Infantino verteidigt aufgehobene Spielsperre

Besonders brisant war der Umgang mit der Roten Karte gegen den amerikanischen Stürmer Folarin Balogun. Die Fifa nahm die eigentlich damit verbundene Sperre zurück. Nach Berichten über eine Intervention von US-Präsident Donald Trump entstand der Eindruck, politische Kontakte könnten die Entscheidung beeinflusst haben.

Infantino nennt den Fall in seinem Text nicht ausdrücklich. Er erklärt stattdessen allgemein, vermeintlich „seltsame Disziplinarmaßnahmen“ und Entscheidungen, Spieler nach bestimmten Vorfällen nicht zu sperren, seien in einigen der größten Ligen der Welt an der Tagesordnung.

Damit verteidigt der Fifa-Präsident das Ergebnis, lässt die entscheidende Frage jedoch offen: weshalb die Sperre aufgehoben wurde und welche Rolle Trumps Einsatz dabei spielte.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Meditation und Gebete statt Selbstkritik

Eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Vorwürfen sucht man in Infantinos Botschaft weitgehend vergeblich. Stattdessen zeichnet er die Weltmeisterschaft als nahezu makelloses Turnier und unterstellt den Kritikern, sie wollten das gemeinsame Erlebnis bewusst beschädigen.

Gegen Ende seines Textes schlägt der Fifa-Präsident einen scheinbar versöhnlicheren Ton an. Wer sich von Hass auf den Weltverband leiten lasse, solle einen Moment innehalten, meditieren, beten oder ein Fußballspiel anschauen. Nur dieses „wunderschöne Spiel“ könne eine „außergewöhnliche Show“ schaffen, bei der alle eins würden.

Infantino beendet seinen Rundumschlag mit den Worten: „Viel Liebe an alle.“

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner