Infineon hat am Donnerstag in Dresden seine neue Halbleiterfabrik „Smart Power Fab“ in Betrieb genommen. Rund fünf Milliarden Euro hat der Konzern investiert – die größte Einzelinvestition seiner Geschichte. Vom Spatenstich im Mai 2023 bis zur Eröffnung vergingen nur etwa drei Jahre. Die Produktion startete rund drei Monate früher als geplant.
„Willkommen im Silicon Saxony, in der Heimat der Mikroelektronik“, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Er zog eine lange Linie: von den Fundamenten der DDR-Mikroelektronik über die Investitionsentscheidungen der 1990er Jahre bis heute. Dresden stehe auf einer „riesigen Granitplatte“ – ein Bild für ein verlässliches Fundament. Zwischen Infineon und Sachsen, so Kretschmer, passe „kein Blatt Papier“.
Auf zwei Etagen erstreckt sich ein Reinraum von rund 20.000 Quadratmetern – etwa so groß wie drei Fußballfelder. Auf 300-Millimeter-Wafern fertigt das Werk Leistungshalbleiter: Chips, die Strom steuern und sparsamer machen. Sie stecken in Elektroautos, Windrädern und Solaranlagen und regeln den wachsenden Energiebedarf von Rechenzentren.
Reinraum so groß wie drei Fußballfelder
„Technologische Souveränität beginnt nicht mit Worten, sondern mit Fabriken“, sagte Vorstandschef Jochen Hanebeck. Man habe schneller als vorgesehen und im Budget gebaut, sogar auf eigenes Risiko begonnen: Als der Förderbescheid im Mai 2025 kam, lag das Richtfest bereits einen Monat zurück. Durch die Vernetzung mit dem Werk im österreichischen Villach lasse sich die Produktion doppelt so schnell hochfahren wie sonst üblich – wichtig, um Chips für KI-Rechenzentren rasch zu liefern. Europa, so Hanebeck, „kann Zukunft“.
Tausend neue Arbeitsplätze
Mit dem Werk entstehen rund 1000 neue Arbeitsplätze. Christina arbeitet seit 24 Jahren bei Infineon in der Dresdner Produktion. Sie sprach von einem Großprojekt mit „nicht nur Licht, sondern auch Schatten“ – bewältigt von einem Team, das Hand in Hand gearbeitet habe. Der Auszubildende Ali, der hier Mikrotechnologe wird, sieht in der Fabrik „einen Job, der noch Zukunft hat“.
Die Investitionssumme trägt Infineon selbst. Hinzu kommt öffentliche Förderung von rund einer Milliarde Euro; allein 920 Millionen Euro steuert der Bund über den European Chips Act bei. „In Dresden schlägt das industrielle Herz der europäischen Mikroelektronik“, sagte Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, der den Bund vor Ort vertrat.
In Sachsen werde seit den 1960er Jahren an Mikroelektronik gearbeitet. Dresden sei heute Infineons größter Fertigungsstandort; jeder dritte in Europa gefertigte Chip stamme aus dem Freistaat. Was hier entstehe, sei „digitale Souveränität im industriellen Kern“, sagte Wildberger. Souverän sei nur, wer Schlüsseltechnologien selbst beherrsche. Betrieben werde die Fabrik mit Grünstrom und ohne Erdgas; die EU-Kommission nenne die flexibel steuerbare Anlage die erste ihrer Art in Europa. Das Wachstum fordert aber auch die Infrastruktur: Für den steigenden Wasserbedarf der Chip-Industrie baut SachsenEnergie im Dresdner Norden ein Flusswasserwerk für über 300 Millionen Euro, das bis etwa 2030 fertig werden soll.
Ein Appell nach Berlin
Per Video vor Ort: Bundeskanzler Friedrich Merz ließ es sich nicht nehmen, per Live-Schalte Grußworte nach Dresden zu senden.
© Sylvio Dittrich/imago
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) war nicht in Dresden, sondern per Videoschalte aus Berlin zugeschaltet. Seine Absage begründete er selbst: Am selben Tag habe die Koalition ihr Reformpaket vorgestellt, die Ergebnisse habe er gerade der Presse präsentiert. Die Anlage nannte Merz die „weltweit größte Fabrik für Leistungshalbleiter“; das Tempo des Baus solle in Deutschland „der Regelfall“ werden. Dazu verwies er auf ein in der Vorwoche beschlossenes Gesetz, das den Bau von Straßen, Bahnstrecken und Wasserstraßen beschleunigen soll.
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Kretschmer knüpfte daran eine Mahnung an die eigene Ebene: Die laufenden Investitionen am Standort bezifferte er auf rund 20 Milliarden Euro – Infineons fünf Milliarden sind ein Teil davon. Europas Anteil am Weltmarkt der Mikroelektronik aber liege „deutlich unter zehn Prozent“, angestrebt seien 20 Prozent. Damit der Rückstand schrumpfe, brauche der Standort wettbewerbsfähige Energiepreise und weniger Regulierung.
Zum Abschluss brachte Produktionsvorstand Alexander Gorski den ersten in der neuen Fabrik gefertigten Wafer auf die Bühne. Das Leitmotiv des Tages: Chips aus Dresden für die Welt.
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