Endlich mal wieder eine Erfolgsmeldung aus dem Hause RTL, das kam ja in letzter Zeit auch nicht mehr so häufig vor. Zuletzt hatte der Senderchef Stephan Schmitter sogar konzeptionelle Fehler im Zusammenhang mit der teuren Stefan-Raab-Personalie eingeräumt.
Nun aber das: ein Quotenerfolg für das gute, alte „Wer wird Millionär?“-Schlachtschiff. RTL kann mit seinem Show-Dauerbrenner und dem diese Woche laufenden „3-Millionen-Euro“-Spezial starke 14 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 59-Jährigen holen.
Damit war das Quiz mit Günther Jauch am Dienstag Primetime-Sieger unter den Privatsendern. Insgesamt schalteten 2,48 Millionen Zuschauer ein, in der Spitze bis zu 3,27 Millionen.
Seit 1999: Jauch ohne Abnutzungserscheinungen
Das ist in Zeiten des zunehmenden Niedergangs beim linearen Fernsehen tatsächlich beachtlich, insbesondere für einen privaten Sender, wo Unterhaltungsshows diese Werte nur noch selten erreichen.
Zum einen liegt der Erfolg natürlich an Showmaster Jauch, immer noch ein Zugpferd und auch nach 27 Jahren bei „Wer wird Millionär?“ ohne Abnutzungserscheinungen. Zum anderen an der Einfallslosigkeit anderer Sender, unter der Woche die Primetime zu bespielen.
In dieser Woche muss sich Günther Jauch aber auch bei seinen Kandidatinnen und Kandidaten bedanken. Besonders die 18-jährige Maya Upmann, die zum Start der „3-Millionen-Euro-Woche“ auf dem Stuhl saß, konnte man sich nun wirklich nicht besser ausdenken.
Jeder Stammtisch kann sich aus diesem Auftritt reichlich Material herausziehen über die vermeintlich verkorkste Jugend. Lieferte die hochbegabte, mit etlichen Schulpreisen ausgezeichnete und mit einem IQ von über 130 gesegnete Upmann doch selbst die Steilvorlagen. „Das ist so peinlich. Ich schäme mich“, kommentiert sie ihren Auftritt irgendwann im Verlauf der Sendung selbst.
Hibbelig wurstelt sie sich durch die Fragen, stolpert über Umlaute und Bruchrechnung. Und das mit einem Abi-Schnitt von 1,7. In Bayern. Man hört den Stammtisch schon rufen: „Das is ja wohl auch nix mehr wert.“
Bulgarierinnen als Einwohner Bulgariens?
Die Fragen bei „Wer wird Millionär?“ stellen Upmann vor Herausforderungen. Das erste Mal strauchelt sie schon bei der 1000-Euro-Hürde. Gesucht wird da die Antwort auf folgende Frage: „Bei welchem Land benötigt man zur Bezeichnung der Einwohnerinnen einen Umlaut – für die männlichen Einwohner hingegen nicht? A: Frankreich, B: Niederlande, C: Portugal, D: Bulgarien.“
Die 18-Jährige liest den Satz mehrfach vor, überlegt, welche Umlaute es gibt, und fordert von Jauch Stift und Zettel, um ihre Gedanken zu notieren. Der Kern der Frage gerät völlig außer Acht. Upmann ist sich ziemlich sicher, dass die Einwohnerinnen von Bulgarien „Bulgarierinnen“ sind. Das Gelächter im Studio will gar nicht aufhören – und auch vor dem Fernseher schaltet nun wirklich niemand mehr ab. Mit einer Mischung aus Fremdscham und Unglauben bleibt man dran.
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Auch in den sozialen Medien, wo lineares Fernsehen sonst kaum noch eine Rolle spielt, wird die anstrengende Achterbahnfahrt der Kandidatin kommentiert. Offenbar brachte sie nicht nur Jauch an seine Grenzen.
Er habe nach langer Zeit mal wieder „Wer wird Millionär?“ gesehen, schreibt auf X Jürgen Banse, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Privatschulen Sachsen-Anhalt. Auch Banse kann die Kandidatin kaum fassen: „Abitur in Bayern mit 1,7, Deutsch Leistungskurs, nebenbei schon studierend und angeblich hochbegabt. Und sie wusste faktisch NICHTS. War intellektuell überfordert, überhaupt die Fragen inhaltlich zu verstehen, erstaunte das Publikum und Günther Jauch immer wieder mit selbstbewusst geäußerten, aber völlig abwegigen Gedanken zu den Fragestellungen und tippte darauf, dass auf einer isolierten Insel der Stein der Weisen zu finden sei. Legendär!“
Nur Boomerfragen bei „Wer wird Millionär?“
Die Kandidatin scheiterte schließlich bei 16.000 Euro und der damit verbundenen Finalteilnahme. Jauchs Frage: „Was befindet sich auf der zu Indien gehörenden North Sentinel Island, die vor Jahrzehnten zum Sperrgebiet erklärt wurde? A: isoliertes Volk, B: Virenbank der WHO, C: Goldreserven des UK, D: Stein der Weisen.“ Nach Einsatz des 50:50-Jokers bleiben noch die Optionen „isoliertes Volk“ und „Stein der Weisen“ stehen. Upmann ruft eine Nachbarin als Telefonjoker an, die zu „Stein der Weisen“ tendiert.
Die Kandidatin loggt diese Antwort ein, fällt auf 500 Euro zurück und verpasst somit den Einzug ins Finale. Jauch versucht, sie zu trösten: „Sie waren eine der unterhaltsamsten Kandidatinnen in der Geschichte von ,Wer wird Millionär?‘. Das ist doch auch was.“
Tatsächlich entfacht sich ob der Kandidatin, die im oberbayerischen Landkreis München auch in der Kommunalpolitik aktiv ist und für die CSU im Gemeinderat kandidierte, eine Debatte über den Stand der Bildung in Deutschland.
Während die eine Fraktion findet, mit einem solchen Abitur solle man Fragen wie die nach dem Aggregatzustand von Kohlenstoff bei Raumtemperatur ohne Probleme beantworten können, sind andere auf der Plattform X gegenteiliger Meinung. Die Fragen bei „Wer wird Millionär?“ seien auf Boomer zugeschnitten, so ein User, „die über Jahrzehnte unnützes Wissen angesammelt haben und das mit Intelligenz oder wissenschaftlichem Verständnis verwechseln. Dass ihr sie deshalb für dumm haltet, sagt mehr über euch aus als über sie.“
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