Ein Skandal, ein Tod, eine Suspendierung. Der Fall Jason Arday hat die Wissenschaftswelt erschüttert. Arday war 2023 mit 37 Jahren nach Angaben der Universität Cambridge deren jüngster schwarzer ordentlicher Professor geworden. Dann stellten Kollegen Plagiate in seiner Dissertation und in späteren Artikeln fest. Cambridge bestritt zunächst jeden Anlass zur Sorge, Arday ging juristisch gegen Kritiker vor und zeigte einen Reporter sowie einen Kollegen wegen Belästigung an. So blieb die Geschichte bis Juli 2026 unter Verschluss, während Arday für seine Autobiografie warb, für die er nach eigenen Angaben rund 1,4 Millionen Euro Vorschuss erhalten hatte.
Dann machte der amerikanische Philosoph Nathan Cofnas die Vorwürfe öffentlich. Cambridge sprach von einer „abscheulichen Kampagne“, doch die von ihm genannten Anhaltspunkte blieben unbestritten. Die britische Presse identifizierte in der Folge Dutzende falsche oder übertriebene Behauptungen in Ardays Biografie, von angeblicher Sprachunfähigkeit bis zum elften Lebensjahr über neun Marathons mit gebrochenem Bein bis zu einer Brunnenbau-Reise nach Brasilien.
Daraufhin starb Arday am 16. August 2026, nach ersten Berichten offenbar durch Suizid. Viele machten Cofnas dafür verantwortlich. Als dieser sich in weiteren Interviews auch zu Unterschieden beim IQ verschiedener Ethnien äußerte, kündigte die Universität Gent seine Suspendierung an. Hunderte Professoren protestierten dagegen in einem offenen Brief, auch US-Botschafter Bill White warf Gent Vergeltung gegen einen „Whistleblower“ vor. Cofnas darf inzwischen weiterarbeiten, allerdings nur im Homeoffice und mit Lehrverbot.
In deutschen Medien fiel das Urteil derweil schnell. Unabhängig von angeblichen Rassismusvorwürfen, sind die Verfehlungen Ardays unebstritten. Dies ist sein erstes Interview mit einem deutschsprachigen Medium.
Herr Cofnas, erzählen Sie uns etwas über Ihren Werdegang und wie Sie nach Gent gekommen sind.
Ich beschäftige mich mit der Philosophie der Biologie, insbesondere mit Fragen, die die Evolution für Philosophie und Wissenschaft aufwirft. Ein Thema ist etwa, wie menschliche Populationen, die sich an unterschiedliche Bedingungen angepasst haben, unterschiedliche Durchschnittswerte bei gesellschaftlich relevanten Merkmalen entwickeln. Ich habe Philosophie an der Columbia University studiert, einen MPhil in Cambridge absolviert, in Oxford promoviert und danach eine Leverhulme Early Career Fellowship in Cambridge innegehabt, bevor ich nach Gent kam. Der übliche Hinweis sei ergänzt: Ich spreche nicht als Mitarbeiter der Universität Gent, dies sind meine privaten Ansichten.
Zur Person
Sie haben erwähnt, dass Sie an einem Projekt zur Zukunft des Liberalismus arbeiten. Worum geht es dabei?
Ich wurde beauftragt, zu untersuchen, ob die liberale gesellschaftspolitische Ordnung ein stabiles Gleichgewicht darstellt oder den Keim ihres eigenen Zusammenbruchs in sich trägt. Der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama argumentierte um die Zeit des Falls der Berliner Mauer herum bekanntlich, dass die liberale Demokratie keinen ernst zu nehmenden ideologischen Rivalen mehr habe, da Faschismus und Kommunismus diskreditiert seien. Die politische Debatte werde zwar weitergehen, jedoch innerhalb eines liberal-demokratischen Rahmens, der als der einzig legitime angesehen werde. Das war jahrzehntelang die Konsensmeinung unter den liberalen Eliten. Dies stelle ich infrage. Ich glaube, der Liberalismus weist strukturelle Schwächen auf, die ihn angreifbar machen – von innen wie von außen. Intern: Menschen mit liberalen Werten neigen dazu, weniger Kinder zu haben als religiöse Konservative – selbst dort, wo Liberale derzeit die Mehrheit bilden. Extern: Offene Grenzen könnten eine große Zahl von Menschen ins Land bringen, die sich nicht zu liberalen Werten bekennen. Das könnte das System mittel- bis langfristig destabilisieren.
In Europa wird der liberale Konsens aus Minderheitenrechten und politischem Pluralismus aus verschiedenen Richtungen angegriffen. Was tritt an seine Stelle, wenn er zusammenbricht?
Wahrscheinlich nichts Gutes. Ich stimme Fukuyama zu, dass die liberale Demokratie ein außergewöhnlicher Motor für Wohlstand und Freiheit war. Die Alternativen – Monarchie, Kommunismus, Faschismus – sind unattraktiv, denn wir haben gesehen, was sie hervorbringen. Aber keine dieser Ideologien hat vor allem deshalb gesiegt, weil sich Menschen leidenschaftlicher für sie eingesetzt hätten. Liberale Demokratien gewannen den Wettstreit des 20. Jahrhunderts, weil sie wohlhabender und mächtiger waren, nicht weil ihre Bürger stärker an die Ideologie glaubten als Kommunisten oder Faschisten an ihre. Deshalb sind selbst erfolgreiche liberale Gesellschaften voller Menschen, die sich vom System entfremdet fühlen, obwohl es ihnen objektiv gute Dienste geleistet hat.
Es gibt einen berühmten Ausspruch des deutschen Verfassungsrichters Ernst-Wolfgang Böckenförde: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Die meisten Deutschen stimmen dem intuitiv zu, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass die liberale Demokratie der Nachkriegszeit Deutschland von außen aufgezwungen wurde und sich nicht organisch entwickelt hat. Dadurch erscheint sie von Natur aus fragil.
Politischer Wandel folgt auf kulturellen Wandel. Wenn die Generation, die die Institutionen leitet, Meinungsfreiheit oder Eigentumsrechte nicht schätzt, wird der Liberalismus schlicht nicht mehr durchgesetzt.
Ihr Vertrag in Gent läuft bis Mai 2027, und es läuft ein Disziplinarverfahren. Wie sind Ihre Aussichten?
Technisch heißt es jetzt „Disziplinarmaßnahme“ statt ursprünglich „Vorsichtsmaßnahme“, das Ganze ist etwas undurchsichtig. Ich rechne nach Vertragsende nicht mit einer langen Karriere in Belgien. Eine Universitätsstelle wäre mir dennoch wichtig, denn Teil einer Gemeinschaft von Wissenschaftlern zu sein, zu lehren und Studierende zu betreuen, ist wertvoll, auch wenn es unter den derzeitigen Bedingungen eine echte Herausforderung ist.
Als Sie in Gent eingestellt wurden, war ich überrascht. Meiner Erfahrung nach sind europäische Universitäten in solchen Fragen ideologisch noch rigider als solche in Großbritannien oder den USA.
Da stimme ich zu. Europäer haben im Allgemeinen ein noch schwächeres Verständnis von Meinungsfreiheit als Briten. Als Amerikaner dachte ich, Großbritannien sei in dieser Hinsicht schon schwierig. Auf dem europäischen Festland stellte ich fest, das Verständnis dafür war dort noch geringer. Für viele Europäer bedeutet Meinungsfreiheit im Grunde das Recht, das zu sagen, was die Regierung erlaubt, nicht das, was man tatsächlich denkt.
Sie haben einen Beitrag veröffentlicht, in dem Sie die wissenschaftliche Arbeit von Jason Arday infrage stellten und ihm Plagiate vorwarfen. Das löste heftige Gegenreaktionen aus, darunter eine Kundgebung, bei der Sie namentlich angeprangert wurden. Haben Sie privat Drohungen erhalten?
Hunderte Hass-E-Mails, darunter Morddrohungen, sowie zahlreiche Beschimpfungen in sozialen Medien.
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Was war der eigentliche Punkt, den Sie ansprechen wollten?
Mein Ziel war niemals Jason Arday persönlich – ich habe kein Interesse an ihm als Individuum. In dem Artikel ging es um die DEI-Ideologie (etwa Vielfalt, Gleichstellung, Inklusion), die je nach Position einer Person in einer rassischen Hierarchie unterschiedliche Maßstäbe anlegt. Diejenigen an der Spitze dieser Hierarchie unterliegen sehr niedrigen – manchmal praktisch gar keinen – Maßstäben, während für andere zunehmend höhere Maßstäbe gelten. Ich halte das für eine Form von Rassismus. Es ist zudem grundlegend unvereinbar mit der Meinungsfreiheit, denn um sich selbst zu schützen, muss das System verhindern, dass jemand auf seine Widersprüche hinweist. Außerdem ist es das direkte Gegenteil von Meritokratie, denn es verbreitet Inkompetenz und Ressentiments. Mein eigentliches Ziel war die Aufdeckung der Vertuschung der Probleme in Ardays Arbeit durch Cambridge und die anderen beteiligten Institutionen.
Kritiker behaupten, dass die gezielte Kritik an einem schwarzen Wissenschaftler beweist, dass Sie von rassistischen Motiven geleitet werden. Ihre Antwort?
Ich habe auch bei Menschen mit anderem Hintergrund, also bei weißen und jüdischen Wissenschaftlern wie den Kritikern von Kevin MacDonald oder Jason Stanley, schlechte wissenschaftliche Arbeit und Betrug angeprangert. Ich ziele nicht auf bestimmte Gruppen ab. Im Fall von Arday ist seine ethnische Zugehörigkeit jedoch relevant, denn in dieser Geschichte geht es konkret um DEI und ethnische Zugehörigkeit. Man kann keine Geschichte über DEI-Betrug erzählen, ohne die ethnischen Kategorien zu diskutieren, auf denen das System aufbaut. Das ist kein Beweis für böswillige Motive, sondern einfach untrennbar mit dem Thema verbunden.
Bezeichnen Sie sich selbst als Rassenrealist, und wie unterscheidet sich das von Rassismus?
Ja, „Rassenrealismus“ hat zwei Bedeutungen. In der Biologiephilosophie ist es eine gängige, recht bescheidene Behauptung, dass Rassenkategorien eine gewisse Grundlage in der biologischen Realität haben, zum Beispiel in Form genetischer Clusterbildung. Dabei wird keine Aussage über die gesellschaftliche Bedeutung getroffen. Ich verwende den Begriff in einem stärkeren Sinne, nämlich dass die Rassenklassifizierung nicht nur genetisch bedeutsam, sondern auch mit tatsächlichen durchschnittlichen Unterschieden bei gesellschaftlich relevanten Merkmalen verbunden ist. Rassismus hingegen bedeutet Feindseligkeit gegenüber Menschen aufgrund ihrer Rasse oder den Wunsch, Menschen aufgrund ihrer Abstammung Rechte zu verweigern. Das sind unterschiedliche Dinge. Ich möchte hinzufügen, dass informelle, „volkstümliche“ Rassenkategorien nicht perfekt mit genetischen Clustern übereinstimmen, die Übereinstimmung ist jedoch eng genug, sodass Bevölkerungsgruppen, die durch ihre Abstammung definiert sind, in sinnvoller Weise mit durchschnittlichen Merkmalsunterschieden verknüpft werden können.
In der europäischen Debatte – insbesondere in Deutschland, wo der Begriff „Rasse“ aufgrund seiner Verwendung durch die Nationalsozialisten ein äußerst belastetes Konstrukt ist – werden IQ-Tests meist als kulturell oder wirtschaftlich voreingenommen abgetan oder als etwas, das nichts weiter als die Fähigkeit zum Lösen von Testaufgaben misst. Wie sehen Sie das?
IQ-Tests sind wohl die größte Errungenschaft der Psychologie überhaupt. Unter Fachleuten sind sie weit weniger umstritten als in der Öffentlichkeit angenommen. Die Vorstellung, es handele sich lediglich um einen Test zu kulturellem Trivialwissen der oberen Mittelschicht – wie das Unterscheiden von Weinen oder Jachttypen –, ist eine Karikatur. In Wirklichkeit messen IQ-Tests die Denkfähigkeit bei Aufgaben mit objektiv richtigen Antworten – beispielsweise die geistige Rotation von Formen, die Vervollständigung von Mustern oder das Erinnern von Ziffern – und nicht auswendig gelernte Fakten. Die zentrale empirische Erkenntnis ist, dass die Leistungen bei sehr unterschiedlichen Arten dieser Aufgaben stark miteinander korrelieren. Der Gesamt-IQ-Wert einer Person ist der beste Einzelprädiktor für die Leistung in einer ganzen Reihe kognitiver Tests. Dies entspricht dem, was Psychologen als allgemeine Intelligenz bezeichnen. Zudem ist er die Variable mit der höchsten Vorhersagekraft in den Sozialwissenschaften und sagt Ergebnisse von schulischen und beruflichen Leistungen, Gesundheit und Einkommen bis hin zur Wahrscheinlichkeit eines Unfalltodes voraus.
In der Fachliteratur ist es unumstritten, dass die durchschnittlichen IQ-Werte bei schwarzen Amerikanern bei etwa 85, bei Europäern bei etwa 100, bei Nordostasiaten bei 105–107 und bei aschkenasischen Juden bei 100–112 liegen. Das sind natürlich Mittelwerte, die von riesigen Glockenkurven umgeben sind. Inwieweit führen Sie diese Unterschiede auf genetische Faktoren im Vergleich zu Umweltfaktoren zurück?
Die Tatsache, dass diese Gruppenunterschiede bestehen, ist unter informierten Forschern unumstritten. Umstritten ist hingegen die Ursache. Die erbtheoretische (hereditarian) Sichtweise geht davon aus, dass Gene eine wesentliche Rolle bei den Gruppenunterschieden spielen. Die umwelttheoretische Sichtweise vertritt hingegen die Auffassung, dass alle Gruppen unter identischen Bedingungen denselben Durchschnittswert erreichen würden. Meiner Ansicht nach gibt es im Grunde keine ernst zu nehmenden empirischen Belege mehr für die rein umwelttheoretische Position.
Das übliche europäische Gegenargument ist historischer Natur: Die Nazis errichteten einen umfangreichen Forschungsapparat zu Rassenunterschieden, dessen Ergebnisse schließlich in den Völkermord an Juden, Slawen und Roma mündeten. Selbst wenn die Diskussion anderswo geführt werden könnte, ist es in Europa also legitim, sie auszuschließen. Wie antworten Sie darauf?
Die nationalsozialistische Rassenwissenschaft war überhaupt keine Wissenschaft, sondern als Wissenschaft getarnte Ideologie. Das sagt nichts über die Ergebnisse echter, verantwortungsvoller Forschung aus. Wenn man von einer hasserfüllten Prämisse ausgeht – dass eine bestimmte Gruppe minderwertig ist – und dann gefälschte Beweise herstellt, um diese zu untermauern, dann ist das eine Anklage gegen die Ideologie und nicht gegen das zugrunde liegende Thema. Viele Menschen untersuchen heute Bevölkerungsunterschiede, ohne Rassisten oder Nazis zu sein. Es gibt keinen inneren Zusammenhang zwischen beidem.
Tatsächlich gibt es eine interessante Parallele, die es wert ist, herausgestellt zu werden: Die Nazis standen objektiven IQ-Tests äußerst misstrauisch gegenüber, da gerade die von ihnen verachteten Gruppen – allen voran die Juden – bei diesen Tests immer wieder gut abschnitten. Anstatt dies zu akzeptieren, führten sie den Erfolg der Juden auf eine Verschwörung oder eine heimliche Manipulation zurück. In diesem speziellen Sinne ähnelten sie ironischerweise dem heutigen „woken“ Denken: der Annahme, dass eine unliebsame Erklärung – dass eine stigmatisierte Gruppe in einem bestimmten Bereich einfach fähiger sein könnte – unmöglich ist, sodass jeder Erfolg auf Betrug oder versteckte Vorteile hindeuten muss. Damals war es der „jüdische Betrug“, heute ist es die „weiße Vorherrschaft“ (white supremacy). Damit sollen Nazismus und „Wokeismus“ als Ideologien nicht gleichgesetzt werden, aber das zugrunde liegende Denkmuster ist ähnlich.
Selbst wenn man zugesteht, dass die Daten zu Gruppenunterschieden zutreffend sind – welche legitime Politik könnte sich daraus jemals ableiten lassen, da Rassendiskriminierung im gesamten Westen verfassungswidrig ist?
Betrachten wir das Ganze einmal aus einer anderen Perspektive: Welche politischen Maßnahmen ergeben sich aus der Leugnung von Gruppenunterschieden? Wenn man davon ausgeht, dass alle Gruppen unter identischen Bedingungen identische Ergebnisse erzielen würden, dann muss jeder beobachtete Leistungs- beziehungsweise Erfolgsunterschied in einer multiethnischen Gesellschaft als „Ungerechtigkeit“ erklärt werden – und die leistungsstärkere Gruppe wird dafür verantwortlich gemacht. Genau diese Logik wirkte sich im nationalsozialistischen Deutschland gegen die Juden aus. Da man annahm, dass der Erfolg von Juden im Geschäftsleben nicht an ihren positiven Eigenschaften als Gruppe liegen konnte, musste er auf Betrug beziehungsweise Verschwörung zurückgeführt werden. Das Leugnen realer Unterschiede verhindert keinen Schaden, sondern lenkt die Schuld lediglich auf diejenige Gruppe um, der es vergleichsweise gut geht.
Die Universität Gent hat in ihrer Beschwerde gegen Sie die „Menschenwürde“ als einen Wert angeführt, gegen den Ihre Positionen angeblich verstoßen. Wie verstehen Sie diesen Begriff?
Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was „Menschenwürde“ als analytisches Konzept bedeutet. Aber welche Bedrohung Gruppenunterschiede angeblich auch immer für sie darstellen mögen, sie sollte gleichermaßen für individuelle Unterschiede gelten. Fast jeder akzeptiert schließlich, dass sich Individuen erheblich im IQ unterscheiden, was zum Großteil genetische Gründe hat, ohne dies als Angriff auf die Würde zu betrachten. Mir ist nicht klar, warum dieselbe Variation zur Bedrohung der Würde wird, sobald sie auf Gruppenebene aggregiert wird.
Als jemand, der der Ansicht ist, dass Gruppenunterschiede real und folgenreich sind, frage ich Sie: Wie beurteilen Sie die derzeitige Einwanderungs- und Asylpolitik des Vereinigten Königreichs und der EU?
Ich halte es für eine Katastrophe. Ich glaube nicht, dass die europäische Kultur in ihrer derzeitigen Form mit offenen Grenzen auf lange Sicht überleben kann – das ist keine originelle Beobachtung mehr, viele Menschen äußern sich inzwischen ähnlich. Die Institutionen und Werte, die Europa ausmachen, werden durch die bevorstehenden demografischen Veränderungen wahrscheinlich radikal verändert werden – und ich würde in den meisten Punkten erwarten, dass diese Veränderung zum Schlechten ausfällt.
Sie haben gesagt, Sie wollen zur Reform der Hochschulen beitragen. Was genau würden Sie sich denn wünschen?
Ein Großteil der Einstellungen und akademischen Entscheidungsprozesse wird heute von einer Ideologie bestimmt, die auf der Prämisse beruht, dass ungleiche Ergebnisse zwischen Gruppen von Natur aus ungerecht sind und korrigiert werden müssen. Ich halte diese Prämisse für falsch. Sie hat die Standards in weiten Teilen der Geistes- und Sozialwissenschaften sichtbar untergraben. Der Fall Arday hat mich als besonders krasses Beispiel für ein viel umfassenderes Muster interessiert. Menschen wurden eher aus DEI-Gründen als aufgrund ihrer Leistung eingestellt. Ich würde mir wünschen, dass dies korrigiert wird und dass eine echte Bereitschaft entsteht, kontroverse, aber wichtige Themen zu erforschen – darunter auch die Frage der Rasse.
In den USA entbrennt derzeit eine Debatte über die Dominanz von linken Ideologien in bestimmten Bereichen der Wissenschaft, insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Es setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass ideologische Monokulturen die Standards und letztlich auch die öffentliche Unterstützung für Universitäten untergraben. Sind Sie optimistisch, dass europäische Universitäten irgendwann offene konservative Stimmen ebenso tolerieren könnten wie linke?
Nein, überhaupt nicht. Eine Reform von innen heraus ist unmöglich, denn diese Institutionen sind vollständig unterwandert und es gibt im Grunde keine interne Kritik. Wenn man sie in Ruhe lässt, werden sie nichts unternehmen. Wo Politiker Druck von außen ausgeübt haben, haben die Universitäten meist mit symbolischen Gesten reagiert, zum Beispiel durch die Umbenennung eines DEI-Dekanats, ohne die zugrunde liegende Ideologie zu ändern. Denn diese Ideologie entspricht schlicht dem, woran die meisten Wissenschaftler und Verwaltungsangestellten glauben. Politischer Druck allein wird daran nichts ändern.
Schauen Sie sich Cambridge an: Arday war seit über einem Jahr bei Tausenden Menschen als Plagiator bekannt und war mit Dutzenden renommierter Institutionen verbunden. Es bedurfte eines Außenstehenden, um die Geschichte öffentlich zu machen. Der erste Reflex der Universität war es, die Kritiker als Urheber einer „abscheulichen Kampagne“ zu brandmarken. Zwei Wochen lang beharrte sie auf dieser Haltung, bevor sie gezwungen war, das Problem einzugestehen.
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Und niemand, der an dieser Einstellung beteiligt war, muss irgendwelche Konsequenzen tragen?
Soweit ich weiß, nein. Zwar ist von einer internen Untersuchung die Rede, aber ich bezweifle, dass jemand ernsthaft zur Rechenschaft gezogen wird. Cambridge wusste bereits wenige Monate nach seiner Einstellung, dass Arday ein Plagiator war, und entschied sich, dies zu vertuschen. Auch nachdem die Sache öffentlich geworden war, versuchte man weiterhin, sie zu vertuschen. Es tut ihnen leid, dass sie erwischt wurden, aber nicht, dass sie betrogen haben. Arday war insofern ungewöhnlich, als sein Fall besonders extrem war. Aber meiner Ansicht nach gibt es in der westlichen akademischen Welt Tausende von DEI-Einstellungen, bei denen es im Grunde um dasselbe geht, nur in einer weniger sichtbaren Form.
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